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Geht's noch? Mit dem Auto zum Boofen

Touristenboom in der Sächsischen Schweiz ist schön und gut. Im Nationalpark gibt es allerdings ungeahnte Auswüchse.

Nationalpark Sächsische Schweiz - jetzt fahren manche Kletterer schon mit dem Auto bis zur Boofe.
Nationalpark Sächsische Schweiz - jetzt fahren manche Kletterer schon mit dem Auto bis zur Boofe. © Mike Jäger

Die touristischen Hotspots in der Sächsischen Schweiz locken besonders in der Corona-Zeit viele Urlauber an. Selbst in sonst eher stillen Klettergebieten des Nationalparks ist es inzwischen laut und voll. Und offenbar weiß so mancher Besucher auch gar nicht, was  es heißt, sich in einem Nationalpark zu bewegen. Neben denen, die sich hier im Elbsandsteingebirge bei Wander- oder Klettertouren tatsächlich erholen wollen, gibt es eben auch solche, denen die Natur offenbar egal ist. Vier abschreckende Beispiele.

  • Radeln trotz Verbot: Elbleitenweg Richtung Rauschenstein. Dort war dieser Woche eine Gruppe Radfahrer unterwegs, am Ende nur noch zu Fuß. Das hatte seinen Grund. Die Gruppe wurde kurz vorher von den Nationalparkrangern kontrolliert und darauf hingewiesen, dass man im Nationalpark Sächsische Schweiz nur auf bestimmten ausgewiesenen Strecken mit dem Rad fahren darf. Der Elbleitenweg gehört nicht dazu. Deshalb droht den Radlern nun eine Strafe. 

  • Mit dem Auto zum Klettern: Es kommt noch schlimmer. Hinter der Gruppe wandernder Radfahrer kam ein Auto langsam angerollt. Keines vom Sachsenforst und auch keines von der Nationalparkverwaltung. Dem Kennzeichen nach waren es Touristen aus Torgau in Nordsachsen.  Hinter dem Auto kam wieder eine Gruppe Wanderer mit Kletterausrüstung im Gepäck. Einer von ihnen schaute etwas verdutzt auf das Fahrzeug. "Manche Leute sind richtig unverschämt. Wir würden uns so etwas nie trauen", sagt einer der Wanderer gegenüber Sächsische.de. Inzwischen war der Autofahrer ausgestiegen und erzählte, dass sie Kletterer seien und ihr Gepäck sei so schwer. Sie wollen ja auch noch boofen und wegen der schweren Kletter- und Übernachtungsausrüstung  seien sie bis zur sogenannten Teufelsturm-Boofe gefahren. Im Internet hätten sie sich erkundigt, wo man klettern kann und sind auf den Teufelsturm gestoßen. Sie seien das erste mal im Elbsandsteingebirge. Der Teufelsturm inmitten der Felsenwelt ist einer der am schwierigsten zu besteigenden Gipfel in der Sächsischen Schweiz. Aber das hat ihnen das Internet offenbar nicht verraten.

  • Nach Starkregen an den Felsen: Jeder versierte Kletterer weiß, bei Nässe wird es gefährlich. Offenbar nicht so eine Gruppe von Leuten, die sich vor wenigen Tagen unmittelbar nach einem starken Regenguss, den Klettergipfel Klimmerstein besteigen wollten.  Das ist der Fels, wo vor Kurzem ein ganzes Stück abgebrochen ist. Die Gegend ist bekannt für besonders weichen Sandstein. Sandstein verliert bei Durchfeuchtung an Festigkeit. Ausgetretene Tritte und weggebrochene Griffe zeugen davon.

  • Hundekot im Beutel in den Wald: Für die Masse an Menschen hält sich der Müll den sie im Wald zurück lassen noch in Grenzen.  Neu erscheint Hundekot in Plastiktüte am Wegrand. Wahrscheinlich haben die Hundehalter zwar einen Hunde-Kotbeutel mit, aber die Tüte kommt natürlich nicht neben die Brote im Wanderrucksack. Sie bleibt am Wegrand liegen, wobei jeder weiß dass Hundekot im Wald schneller verrottet als mit einer Folientüte drumherum.
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Eigentlich würde es vollkommen ausreichen, wenn die Touristen, die neu in die Sächsische Schweiz kommen, ganz einfach die Tafeln an den Eingängen zum Nationalpark gründlich lesen würden. Insgesamt 110 solcher Informationstafeln geben den Besuchern einen  Überblick zum Nationalpark und den Wandermöglichkeiten sowie Hinweise auf besonders geschützte Arten und Lebensräume. Die Verhaltensregeln sind dort ebenfalls aufgeführt.

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