merken
PLUS Görlitz

Mit dem Blick fürs Verschwinden

Ein kleines Team von Idealisten stellt seit 2015 das Görlitzer Fotofestival auf die Beine. Gerade zum fünften Mal.

Wolfgang Blachnik, Claudia Glatz, Volker Bachschneider, Matthias Krick und Stefan Müller organisieren das dreiwöchige Festival.
Wolfgang Blachnik, Claudia Glatz, Volker Bachschneider, Matthias Krick und Stefan Müller organisieren das dreiwöchige Festival. ©  Nikolai Schmidt

Menschen, die sich für Fotografie begeistern, können in den kommenden drei Wochen ihre Leidenschaft ausleben. Das 5. Görlitzer Fotofestival „Schauplätze“ startet heute  – mit zwölf Ausstellungen zum Thema „Verschwinden“, mit weiteren kooperierenden Ausstellungen im Stadtgebiet, mit Fotospaziergängen, Touren zu besonderen Orten, die sonst selten fotografiert werden können, mit einer Exkursion nach Jelenia Gora, zahlreichen Workshops, weiteren Mitmachangeboten und einer „Nacht der Fotografie“ zum Abschluss. Fast 40 Programmpunkte bietet das Festival bis zum 20. September.

Dahinter stehen fünf Menschen zwischen Ende 40 und Mitte 60, die seit Jahren selber fotografieren oder sich dafür begeistern und deshalb in ihrer Freizeit, mit bescheidenem Budget ein Festival organisieren: Wolfgang Blachnik vom Fotomuseum, Stefan Müller, Claudia Glatz und Volker Bachschneider vom Görlitzer Fototreff und Matthias Krick vom Förderverein Kulturstadt Görlitz/Zgorzelec. Überschneidungen inklusive: Der Förderverein veranstaltete zehn Jahre lang einen Fotowettbewerb, Claudia Glatz hatte ihn eine Weile für den Verein organisiert, heute ist er als „Bilderfluten“ im Festival aufgegangen. Wer mitmachen will, kann maximal drei Bilder einreichen, mit dem Ziel, an mehreren Stellen im Stadtgebiet ausgestellt zu werden.

Energie - Strom und Wärme in Sachsen
Energie sinnvoll nutzen und gewinnen
Energie sinnvoll nutzen und gewinnen

Wind- und Sonnenenergie sind unersetzlich für eine erfolgreiche Energiewende - hier informieren wir über die neuesten Entwicklungen.

Auch wenn die Masse der Görlitzer noch nicht viel von diesem seit 2015 gewachsenen Festival weiß: Es nehmen doch immer mehr Menschen wahr und sorgen dafür, dass es sich etabliert. „Immerhin haben wir es diesmal in den Kalender der Görlitzer Veranstaltungshöhepunkte geschafft und werden im Radio angekündigt“, sagt Volker Bachschneider. Denn im ersten Jahr war das Festival noch ganz klein und wurde relativ spontan organisiert.

Vorbild war das Fotofestival von Arles, einer Stadt so groß wie Görlitz, eine Autostunde von Marseille in der französischen Provence entfernt. Arles hat für die Fotografie etwa die Bedeutung wie Cannes für den Film und zieht Jahr für Jahr 70 000 Besucher an. 1969 gegründet, war es das erste internationale Fotofestival der Welt. „Ich dachte mir, ein Mini-Arles in Görlitz, das könnten wir doch versuchen“, sagt Stefan Müller, der schon seit seiner Kindheit fotografiert und heute bei der Europastadt Görlitz/Zgorzelec arbeitet. An einem Fotowochenende in Polen lernte er den Fotografen Wolfgang Blachnik kennen, gemeinsam spannen sie an dieser Idee, sprachen andere Fotofans an und legten los.

Bis heute ist zum einen das Engagement des kleinen Teams, zum anderen ein großes Netzwerk aus Fotografierenden und Kulturschaffenden die Basis für das Festival. Jeder fragt seine Fotofreunde nach möglichen Ausstellungen oder sieht irgendwo selbst eine interessante Schau und fragt nach den Konditionen. Außer Matthias Krick, der zwar nicht fotografiert, aber gern Kultur organisiert, sind die Organisatoren selbst unter dem Namen „anapix fototeam“ mit einer Ausstellung im Fotomuseum vertreten. Claudia Glatz, die Architektur studierte, hat einen eigenen Blick auf Gebäude, für sie haben Tristesse in Schwarz-Weiß oder abstrakte Fotografie einen besonderen Reiz. Der Theologe Volker Bachschneider mag es, Einsames zu zeigen, wie vergessene Stühle, verlorene Schuhe oder Schaufensterpuppen hinter Glas, in dem sich der Alltag spiegelt. Wolfgang Blachnik hat sich auf Akt- und Landschaftsfotografie spezialisiert, und Stefan Müller fasziniert es am meisten, Burgen zu fotografieren, ob intakt oder verfallen.

Vier Ausstellungen sind ab sofort im Fotomuseum auf der Löbauer Straße 7 zu sehen, alle anderen kann man bei einem Spaziergang vom Kultourpunkt im Bahnhof über die Frauenkirche, das City-Center, das Kaufhaus Totschek in der Steinstraße bis zum Untermarkt und zum Hainwald erkunden. Geführt zum Beispiel am heutigen Sonnabend bei der Eröffnungstour des Festivals mit Treff im Bahnhof um 13.30 Uhr.

Genaueres und alle Termine hier.

Mehr lokale Artikel:

www.sächsische.de/goerlitz

www.sächsische.de/niesky

Mehr zum Thema Görlitz