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Mit dem Caravan an die Mandau

Ein Camping- und Zeltplatz soll aus dem ehemaligen Ferienlager werden. Die Besitzer haben sich dazu ein sportliches Ziel gesetzt.

Von Thomas Christmann

Das Tor zum Zittauer Gebirge: Für den Eingang zum Grundstück von Steffen Halang und Steffen Schreiber trifft die Beschreibung schon jetzt zu. Das Gelände in Mittelherwigsdorf liegt idyllisch, der Rübezahlweg und die Mandau grenzen direkt daran, der Viadukt und die Berge prägen den Hintergrund, auch der Barfußweg ist nur wenige Meter entfernt. „Einwandfrei“, sagt Halang. „Der ländliche Charakter ist ideal.“ So soll das Tor der Eingang zum künftigen Camping- und Zeltplatz dahinter werden. Der Name: Mandaublick.

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Ursprünglich befand sich auf dem reichlich 8 000 Quadratmeter großen Grundstück ein Kinderferienlager, mit einem Wirtschaftsgebäude und 13 Bungalows. Nach der Wende nutzte das Gelände ein Weiterbildungsinstitut, später ein Speiseanbieter. Auch die Gemeinde bemühte sich um einen Kauf. Doch bei einer Versteigerung ging die Anlage in private, ausländische Hände. Das ehemalige Ferienlager blieb danach ungenutzt und verwahrloste. Schrottdiebe stahlen die Heizungen, Vandalen zerstörten die Gebäude, der Sanitärtrakt brannte und das Wirtschaftsgebäude nutzten zwischenzeitlich Jugendliche als illegale Skaterbahn. Im Dezember 2007 kam das Grundstück für 4 000 Euro erneut unter den Hammer. Halang und Schreiber kauften das Gelände, aus einer Bierlaune heraus. Die beiden 46-Jährigen aus Mittelherwigsdorf blieben auch die einzigen Bieter. „Man muss schon richtig verrückt sein“, sagt Schreiber. Aber es gebe genug Leute, die plappern, deshalb müsse es auch welche geben, die etwas tun, erklärt Halang.

Ihr Ziel: den Schandfleck zu beseitigen. Dafür haben sie Fördermittel über ein spezielles Programm zum Abbruch von Brachen beantragt. Doch bis zum Bescheid verging ein Dreivierteljahr. Durch die Schneemassen brachen über den Winter aber die Dächer einiger Baracken ein. So blieben am Ende nur zwei stehen. Die erste Idee: eine Radlerpension mit Zeltplatz. Die Häuser sollten mit Oberlausitzer Bretterverschlag verkleidet, Terrassen und Photovoltaikanlagen gebaut werden. „Dann hätte sich das Projekt selbst finanzieren können“, so Halang. Doch das August-Hochwasser 2010 machte den Plan zunichte. Höhere Auflagen, viel Kosten und mehr Bürokratie ließen sie umdenken. So entstand die zweite Idee: Ein Campingplatz. Der Vorteil: Bei einer Flut könnten die Wohnmobile schnell weggefahren, Zelte schnell abgebaut werden. Der Schaden wäre weitaus geringer. So sind 31 Caravan-Stellplätze geplant. Im hinteren Bereich sollen die Zelte hinkommen, weil dort schon viele Bäume stehen und den nötigen Schatten spenden. Die zwei Häuser dienen dann als Empfang, Lager und Sanitärtrakt. Bereits im Januar haben Halang und Schreiber die Dächer neu gedeckt. In der jüngsten Sitzung stimmten die Gemeinderäte der Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans zu, über dessen Entwurf in der nächsten Sitzung entschieden und der danach öffentlich ausgelegt wird.

Das Grundstück ist als Erholungsfläche ausgewiesen, liegt aber auch im Überschwemmungsgebiet. Eine Genehmigung der Unteren Wasserbehörde ist zumindest mündlich in Aussicht gestellt. Bürgermeister Markus Hallmann (Freier Wählerverein) ist von dem Vorhaben begeistert. „Das ist eine absolute Bereicherung.“ Wenn er mit dem Wohnmobil unterwegs wäre, dann doch lieber in Mittelherwigsdorf auf einer Wiese als in Zittau auf dem Betonplatz. Von der Flutungsfläche würde auch nicht viel verloren gehen, sagt Ratsmitglied Thomas Pilz (Offene Liste). Er sieht den Campingplatz als weiteren Baustein für den Naturpark Zittauer Gebirge, zu dem touristische Angebote zählen. Das Vorhaben sei aber ziemlich enorm, hätte eher gemeinschaftlichen Charakter, denn reich würden die Eigentümer dadurch nicht, so Pilz. „Sie buttern eher noch rein.“

Das ist den Besitzern durchaus bewusst. Preislich wollen sie sich an den umliegenden Campingplätzen orientieren. Halang und Schreiber können sich auch vorstellen, dass den Betrieb irgendwann einmal jemand übernimmt. Beide sind selbstständig. Halang verdient sein Geld als Betriebsführer für Wasserversorgungsanlagen, Schreiber im Sanitär- und Heizungsbau. So gesehen haben sie eigentlich gar keine Zeit für das Vorhaben. Aber die Investition sei überschaubar, sagt Schreiber. Viele Umbauarbeiten sollen am Wochenende und in Eigenleistung passieren. Und beide haben ein Faible fürs Nächtigen, umgeben von Natur. Halang hat mit seinen Eltern schon zu DDR-Zeiten oft an der Ostsee gezeltet oder sie sind mit dem Camptourist-Anhänger unterwegs gewesen. Schreiber arbeitete damals als Betreuer in den Kinderferienlagern von Saupsdorf und Boek. „Wir haben im Wald Buden gebaut und dort genächtigt“, sagt er.

Den Alltagskomfort sollen Touristen und Schulklassen auch künftig auf ihrem Gelände zurücklassen. In der Mandau können sie sich abkühlen, den Fußball- und Volleyballplatz nebenan nutzen. Die Vorstellung: den Campingplatz pünktlich zur O-See-Challenge im August zu eröffnen. „Sportlich“, sagt Schreiber. Aber Halang freut sich schon, wenn er den Camptourist-Anhänger aufbauen kann. Der steht seit der Wende in seinem Schuppen. „Wir wollen die Stelle wieder beleben“, so Halang.