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Mit dem Familienkombi in die Wüste

Kommende Woche startet wieder die Rallye Dresden–Banjul. Diesmal ist ein Lohmener Team dabei. Ein sehr ungewöhnliches.

Von Christian Eissner

Mit Vorurteilen ist das so eine Sache. Leute, die ihr altes Auto nach Zentralafrika fahren, um es dort zu versteigern, stellt man sich als drahtige Mittzwanziger vor, mit Sehnsucht nach Freiheit und dem großen Abenteuer. Am 9. November startet wieder die Rallye Dresden–Banjul für genau solche Typen. Diesmal soll auch ein Lohmener Team dabei sein, hieß es. Also treffen wir uns im Lohmener Sandsteinbruch Mühlleite im passenden Wüsten-Ambiente zum Pressetermin. Das Auto stimmt auf Anhieb: Ein etwas angegriffener 14 Jahre alter Mazda Kombi mit Gitter-Dachträger.

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Von Wilthen aus ins Oberlausitzer Bergland
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Der Sächsische Wandertag am 24. und 25. September bietet geführte Touren von vier bis 100 Kilometern Länge.

Und die Typen? „Wir wollen das beide, wirklich“, sagt Rosmarie Wenzel. „Wir planen das schon seit fünf Jahren.“ Rosmarie Wenzel ist 73, ihr Mann Jürgen 75 Jahre alt. Kommende Woche brechen sie auf, 7 200 Kilometer von Lohmen nach Banjul in Gambia, in ihrem alten Familienkombi.

„Der Händler wollte uns nur noch 250 Euro dafür geben“, Jürgen Wenzel schmunzelt in seinen Bart. „Dafür geben wir den doch nicht her.“ Also nehmen Wenzels rund 5 000 Euro in die Hand, fahren den Mazda nach Afrika und versteigern ihn dort für einen guten Zweck.

Jürgen Wenzel öffnet die Heckklappe. Das Gepäckabteil ist bis an die Vordersitze bepackt mit Proviant- und Wäschekisten, Werkzeug, Gaskocher. Darüber sind zwei dünne Matten und Decken gebreitet, sodass zwischen Gepäck und Dach gerade noch zwei Menschen liegen können. Bequem ist anders. Haben Sie mal ausprobiert, hier zu schlafen? „Das geht schon“, sagt Rosmarie Wenzel.

Um das erste Wüstenabenteuer mit ihrem Mazda zu erleben, müssen die beiden nicht erst bis in die Sahara fahren. Weil die Sächsischen Sandsteinwerke Pirna das Team unterstützen, darf der Mazda im Lohmener Steinbruch auf Probetour. „Fahrt mal den Hang ein Stück hoch, damit man die Werbung auf der Motorhaube fürs Foto besser sieht“, wünscht sich Sandsteinwerke-Geschäftsführer Johannes Roßrucker. Jürgen Wenzel fackelt nicht lange und zirkelt den Kombi mit Anlauf die unbefestigte steile Rampe rauf, auf der sich normalerweise nur Baumaschinen bewegen. Auf dem lockeren, mit faustgroßen Steinbrocken gespickten Sand gelingt der Ritt nur fast. Zweimal hart aufgesetzt, dann steht der Mazda. Aufpuff ab? Ölwanne kaputt?

Ach was. Jürgen Wenzel hatte schon den für Wüstentouren nötigen Unterboden-Fahrschutz installiert. Ölwanne gerettet. Die beiden Senioren sind herrlich entspannt. Die richtigen Typen für die Wüsten-Rallye, auf jeden Fall.

Die Dresden–Dakar–Banjul-Challenge läuft vom 9. November bis 4. Dezember. Mehr Infos und ein Reisetagebuch unter www.rallye-dresden-dakar-banjul.com