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Mit dem Flammenwerfer gegrillt

Die Rammstein-Coverband Stahlzeit ließ am Sonnabend die Wände der Großenhainer Remontehalle wackeln.

Von Manfred Müller

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An die fünf Stunden brauchen die drei StahlZeit-Pyrotechniker, um ihr Equipment in der Großenhainer Remontehalle aufzubauen. Zwölf Flammenprojektoren, drei Zündstellpulte, ein Flammenwerfer, ein Bogen mit Feuertöpfen, funkensprühende Drumsticks – alles muss überprüft und eingestellt werden, bevor die Band auf die Bühne kommt. „Für die elektronische Zündung brauchen wir mehr als 500 kleine Kabelanschlüsse“, erklärt Feuerwerker Heiko Breuer. „Wenn einer rausrutscht, geht die Show zwar weiter, aber der Effekt ist dahin.“ Breuer belegt mit seiner Pyrotechnik einen kompletten Nebenraum, und auch draußen auf der Bühne ist kaum noch Platz für die Instrumente. „Alles selbst entworfen und gebaut“, sagt der Kulmbacher, der im richtigen Leben bei der Bahn arbeitet. „Die Rammstein-Techniker lassen sich da nicht in die Karten gucken.“

Stahlzeit-Frontmann Heli Reißenweber.
Stahlzeit-Frontmann Heli Reißenweber.

StahlZeit-Frontmann Heli Reißenweber hat es sich derweil in der Künstlergarderobe bequem gemacht. Drei Shows an drei aufeinanderfolgenden Abenden – das schlaucht. Wie er sich auf den Auftritt vorbereitet? „Mit einem Bier“, sagt der hünenhafte Sänger, „das setzt die Stimme tiefer.“ Sein Organ dröhnt bereits jetzt an der Grenze zwischen Bariton und Bass. Zuviel Alkohol sei wiederum auch nicht gut – da kriege man die Höhen nicht mehr hin. Ganz abgesehen davon, dass man bei der Feuershow aus Sicherheitsgründen nicht hacke sein sollte. Aber Reißenweber kennt das richtige Maß – schließlich betreibt er seit 18 Jahren in Kulmbach eine Rockkneipe. Auch andere Bandmitglieder haben so etwas wie einen bürgerlichen Beruf. Schlagzeuger Thomas Buchberger-Voigt etwa arbeitet bei Bosch in Bamberg. Nur Keyboarder Thilo Weber versucht, von der Musik zu leben. „Aber der ist auch so was wie ein Genie“, erklärt Heli Reißenweber. „Mit seinem absoluten Gehör kann er den Rammstein-Sound perfekt nachbauen.“ Kaum gesagt schaut Weber zur Tür herein. Schon zombiemäßig geschminkt ruft er den Frontmann in die Maske.

Seit acht Jahren touren StahlZeit als Rammstein-Coverband durch Deutschland und die Nachbarländer. An die 60 Auftritte absolvieren die sechs Musiker im Jahr, nebenher läuft noch das gemeinsame Bandprojekt Maerzfeld. In Großenhain geben sie die kleinere ihrer beiden Shows; die Rammstein-Nummer mit dem brennenden Mantel wird nicht zu sehen sein. Aber pyrotechnisch ist auch die abgespeckte Variante alles andere als langweilig. Feuergitter von oben, Feuerstrahlen von unten – beim Titel „Mein Teil“ wird der Keyboarder mit dem Flammenwerfer gegrillt. Dazu diverse Böller und zum Finale zischen Feuerwerkskörper an der Saaldecke entlang in den Zuschauerraum. „Das meiste davon fühlt sich auf der Haut an nicht anders an als die Spritzer einer Wunderkerze“, beruhigt Pyrotechniker Breuer. Das sehen auch Michael Sommer und Christian Tarkotta so, die von der Großenhainer Feuerwehr zur Absicherung des Konzerts entsandt wurden. „Die StahlZeit-Pyrotechniker sind absolute Profis“, sagt Sommer, „da werden wir nichts zu tun bekommen.“ Nachdem sie die Fluchtwege kontrolliert haben, genießen die beiden entspannt das StahlZeit-Konzert.

Selbst hartgesottene Rammstein-Fans kommen am Samstagabend in der ausverkauften Großenhainer Remontehalle auf ihre Kosten. In gut zwei Stunden bringen StahlZeit nahezu alle Schwermetall-Kracher des Originals. Von „Reise Reise“, über „Asche zu Asche“ bis zu „Mein Herz brennt“. Natürlich fehlen auch Klassiker, wie „Ohne dich“ und „Du riechst, so gut“ nicht. Die Showelemente sind vom Kannibalenkessel bis hin zum Schlauchboot, auf dem Keyboarder Thilo durchs Publikum „schwimmt“, perfekt nachgestellt. Die Show endet mit „Engel“ und einem finalen Feuerwerk. Gemeinsam mit den Rauchschwaden quellen die Besucher durch die weit geöffneten Tore der Remontehalle ins Freie. „Die machen das echt perfekt“, sagt Denis Wiegand, noch schwer beeindruckt von der Wucht des StahlZeit-Auftritts. Der Freitaler wollte eigentlich die Originale in Prag erleben. „Aber 120 Euro für ein Ticket?“ schimpft der Rammstein-Fan. „Das muss man sich wirklich nicht antun.“