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Mit dem Gondelteich-Areal zur Gartenschau

Hoyerswerda hat die passende Fläche. Jetzt wird die Bewerbung dazu geschrieben. Dann muss man neu entscheiden.

Diese Luftaufnahme ist fünf Jahre alt, zeigt aber den größten Teil des Areals, mit dem die Stadt Hoyerswerda ins Rennen um die Sächsische Landesgartenschau 2025 gehen will.
Diese Luftaufnahme ist fünf Jahre alt, zeigt aber den größten Teil des Areals, mit dem die Stadt Hoyerswerda ins Rennen um die Sächsische Landesgartenschau 2025 gehen will. © Archivfoto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Vor einigen Jahren gab es mal so einen Marketingspruch: „Hoyerswerda will’s wissen“. Jetzt will die Stadt es wirklich und macht sich auf den Weg, die Landesgartenschau (Laga) 2025 an die Schwarze Elster zu holen. Die Firma KEM Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH ist jetzt zumindest beauftragt, in den kommenden Wochen die entsprechenden Bewerbungsunterlagen zu erstellen. Der Ausschuss für Stadtentwicklung hat es empfohlen, der Verwaltungsausschuss auch. Und der technische Ausschuss hat es einstimmig beschlossen.

Ob die fertige Bewerbung dann Mitte Oktober auch tatsächlich eingereicht werden wird – das werden die Stadträte vermutlich in der Septembersitzung beschließen, insbesondere, wenn die KEM über die ermittelten Investitions-, Durchführungs- und Nachnutzungskosten informiert hat. Immerhin hat die Stadt mit der KEM ein Büro beauftragt, mit dem man einerseits seit Jahrzehnten sehr gute Erfahrung bei der Begleitung der beiden Altstadtsanierungsgebiete gemacht hat, andererseits hat die KEM schon mehrere Kommunen bezüglich von Landesgartenschauen begleitet. Das bedeutet auch, dass da Tacheles geredet wird. 

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Der Stadt Meißen, so schilderte Projektleiter Michael Kroll, habe man beispielsweise nach der ersten Sichtung von einer Bewerbung abgeraten, weil die Stadt einfach nicht ein erfolgversprechendes Areal besitzt. Zwei Städten, so Oelsnitz in Sachsen und Bad Dürrenberg in Sachsen-Anhalt habe man zu einer erfolgreichen Bewerbung verhelfen können. Oelsnitz führte die 7. Sächsische Landesgartenschau 2015 durch, Bad Dürrenberg wird die fünfte sachsenanhaltinische im Jahr 2022 ausrichten. Und Hoyerswerda möchte nun Gastgeber der zehnten sächsischen Laga werden.

Gute Voraussetzung für den Erfolg

Im technischen Ausschuss argumentierten die KEM-Vertreter, dass die Stadt gute Voraussetzungen biete. Mal abgesehen davon, dass der Osten Sachsens schon lange keine Laga mehr hatte, verfüge die Stadt über mehrere Faktoren, die dem Vergabegremium erfahrungsgemäß wichtig sind.

Der wohl wichtigste ist, ob die Stadt überhaupt über ein entwicklungswürdiges Laga-taugliches Areal verfüge, das ungefähr 10-15 Hektar groß ist und sich im Wesentlichen im Eigentum der Kommune befindet. Die KEM hat sich unter diesem Gesichtspunkt einiges angeschaut. Ein Favorit kristallisierte sich heraus: Das Gebiet nördlich der Bahnstrecke und südlich der Südstraße vom Festplatz am Gondelteich im Westen bis zu den Garagen im Osten. Dazu noch auf der anderen Seite der Südstraße der zum Park umgestaltete Bereich, auf dem einst die beiden Elfgeschosser Schweitzerstraße 12-14 und 15-17 standen. Der Bereich hat mit rund 13 Hektar die perfekte Größe, sei infrastrukturell schon gut erschlossen, gehört zum größten Teil der Stadt bzw. der kommunalen Tochter Wohnungsgesellschaft, ist dank der Bahnlinie und der Gräben leicht für die Laga einzuzäunen. Und es gibt auch noch nebenan einen Bahnhaltepunkt. Hier geht die Neustadt in die Landschaft über. Einen Bezug zur Altstadt kann man auch noch schaffen. Und auch wenn vor zwanzig Jahren Lausitzbad und Festplatz am Gondelteich samt Gewässer gestaltet wurden, so blieb doch der große Bereich östlich eher Wildnis. Hier kann man sanieren und aufwerten.

Man hatte sich auch den Pinguin-Park an der Alten Berliner Straße, Kleingartensparten, Zoo und Jugendfarm, den Ehrenhain und den Lausitzer Platz angeschaut, den Brückenschlag zwischen Neu- und Altstadt ebenso. Aber das reichte den KEM-Profis alles nicht. Die Freifläche an der Energiefabrik reizte sie, da ist aber der Landkreis der Grundbesitzer, also schied es aus. Am Scheibe-See war die Fläche zu gering, der städtische Kontext nicht gegeben, von der Infrastruktur ganz zu schweigen.

Sehr genau betrachtete man hingegen den Freizeitkomplex Ost, der den KEM-Landschaftsarchitekten Christoph Hein schon wegen des Rodelberges faszinierte. Aber hier war kein verbindendes Element zu erkennen. Man hatte das Gefühl, als wenn man hier „eine Art Appendix“ entwickeln würde. Gleichzeitig wissen die KEM-Leute, dass die Vergabejury auf Barrierearmut achtet. Der Berg wäre da hinderlich gewesen.Die Mitglieder des Technischen Ausschusses folgten dem Vorschlag der KEM. Das Büro wurde mit der Erstellung der Bewerbungsunterlagen betraut, was sich die Stadt rund 40.000 Euro kosten lässt. Die Beteiligung der Bürgerschaft soll auf Vorschlag von Stadtrat Ralph Büchner (Linke) durch den Ausschuss für Stadtentwicklung gegeben sein. Letztlich bleibt die Frage, was die Laga die Stadt kosten wird. Laut Michael Kroll ist mit Ausgaben zwischen 12 und 18 Millionen Euro zu rechnen. 5 Millionen Euro Zuschuss gibt es definitiv vom Land. Im Schnitt geht man von 400.000 zahlenden Besuchern aus. Des Weiteren öffne der Zuschlag für die Landesgartenschau auch noch weitere Fördertöpfe, so dass das Ziel, letztlich plus-minus-Null oder gar mit leichtem Plus aus der Sache herauszugehen, machbar sei. Genauer werden es die Räte in einigen Wochen wissen, wenn die KEM die detaillierte Bewerbung erarbeitet hat. Wenn sich Hoyerswerda damit dann wirklich bewirbt, gibt es freilich kein Zurück mehr.

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