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Mit dem Kran gegen zwei Bäumchen

Das 70-Tonnen-Gerät musste anrücken, um die Gewächse vom Rathausdach zu entfernen.

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Der Großenhainer Hauptmarkt am Dienstagmorgen: Ein 70-Tonnen-Kran aus Zeithain ist aufgebaut, der Ausleger hochgefahren. „Mit Gegengewichten wäre es sogar ein 100-Tonner“, erklärt Kranführer Ulli Grüner, während sein Kollege in der Krankabine sitzt und der Anweisungen harrt, die per Funk aus der am Kran hängenden Arbeitsgondel kommen. In der steht unter anderem der Steinbildhauermeister Hartmut Witschel.

Notwendig war die Aktion, weil zwei Bäumchen auf dem Turm gewachsen waren. Denn die Wurzeln der Gehölze bohrten sich in bröselige Fugen und klaffende Spalten am Bau. Wind weht Sand und leichte Erden an, dann kommt etwas Regen oder Schnee dazu, strenger Frost – den Rest kann man sich denken. Deshalb war die Entfernung der Bäume zwingend.

Die Gelegenheit hat sich Hartmut Witschel nicht entgehen lassen und ist mit in die Gondel eingestiegen. Er wollte sehen, in welcher Verfassung der Sandstein inzwischen ist und war erschrocken. „Der Stein bröselt ganz schön“, sagte er später. Immerhin haben nun schon etliche Winter und Sommer am Rathausturm ihre Spuren hinterlassen. Die Fugen sind stellenweise arg zu Staub verfallen, Steine sind ausgebrochen. Zuletzt wurde der Turm in den 1990er Jahren restauriert. Im Jahr 2010 nach dem Tornado ist lediglich der Obelisk neu mit einem tieferen Gestänge befestigt worden. Die Sandsteinfigur war auf einen Mercedes herunter gekracht, ein Bild, an das sich sicher viele Großenhainer erinnern werden. Am restlichen Sandstein ist aber seit 2010 nichts gemacht worden. Vorgestern wurden wenigstens die ausgebrochenen Stellen mit Fugenmasse verschmiert. Eine Sanierung ist nun allerdings überfällig, doch Pläne gibt es dafür keine.

Wie die Bäumchen auf den Turm kamen, ist Witschel klar. Falls es nicht die Vögel waren, die Samen mitgeschleppt haben, war es der Wind. Bei den Gewächsen handelte es sich übrigens nicht, wie erst vermutet, um Birken, sondern um eine Pappel und eine Esche. (SZ/ulb/kdb)