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Zur Wahl mit dem Panzer vor den Landtag

"Falls es die letzten freien Wahlen werden":  Das Zentrum für Politische Schönheit kommt nach Dresden und erklärt der AfD symbolisch den Krieg.

Schon einmal war ein Panzer Teil einer Dresdner Kunstaktion, hier 2013 im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr.
Schon einmal war ein Panzer Teil einer Dresdner Kunstaktion, hier 2013 im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr. © Steffen Füssel

Seit zehn Jahren macht das „Zentrum für Politische Schönheit“ (ZPS) des gebürtigen Dresdners Philipp Ruch bundesweit von sich reden mit ungewöhnlichen und Aufsehen erregenden Kunstaktionen. Die Gruppe hat etwa ein Holocaust-Mahnmal hinter dem Haus von Björn Höcke errichtet und als „Soko Chemnitz“ die Bürger dazu aufgerufen, den „Rechtsextremismus zu erfassen“. Jetzt, am Tag der Sächsischen Landtagswahlen, wollen die Aktivisten erstmals nach Dresden kommen – mit einem schweren Kettenfahrzeug.

Geplant ist, vor dem Landtag oder an der Staatskanzlei einen Panzer aufzustellen und der AfD symbolisch den Krieg zu erklären. "Falls das hier die letzten freien Wahlen werden, wollen wir die letzte sichere Gelegenheit nutzen, dass in Sachsen noch die Meinungs- und die Kunstfreiheit garantiert sind", sagt Philipp Ruch.

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Am späten Sonnabend soll der Panzer in Dresden ankommen und als Kunstwerk aufgebaut werden. „Der Panzer verteidigt symbolisch die Grenzen der Demokratie“, so das ZPS. Eine Beschriftung mit den Worten „Nie wieder“ und „aggressiver Humanismus“ sollen das „kompromisslose Bekenntnis“ des ZPS zu Grundgesetz, Demokratie und Humanität ausdrücken. Der Panzer „steht als Sinnbild für die Wehrhaftigkeit unsere Demokratie“. Er sei somit die stärkste Form der Meinungsäußerung in dieser Sache und Symbol der Mahnung.

Vor zwei Jahren: Mitglieder des Künstlerkollektivs ZPS stehen in einem verkleinerten Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals in Sichtweite des Grundstücks von AfD-Politiker Björn Höcke.
Vor zwei Jahren: Mitglieder des Künstlerkollektivs ZPS stehen in einem verkleinerten Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals in Sichtweite des Grundstücks von AfD-Politiker Björn Höcke. ©  Foto: dpa

"Gegen politisch motiviertes Theater"

Die AfD als Ziel der Aktion wendet sich in ihrem Programm „gegen ein vorrangig politisch motiviertes, propagandahaft-erzieherisches Musik- und Sprechtheater, wie es mitunter auch auf sächsischen Bühnen praktiziert wird“. Auch „Kein Cent für politisch motivierte Kunst“ gehört zu den Forderungen der Partei.

Die mehreren Dutzend Aktivisten des Zentrums für Politische Schönheit folgen mit ihren Aktionen laut Selbstbekenntnis der Grundüberzeugung, „dass die Lehren des Holocaust durch die Wiederholung politischer Teilnahmslosigkeit, Flüchtlingsabwehr und Feigheit annulliert werden“. Deutschland müsse aus seiner Geschichte „nicht nur lernen, sondern auch handeln“.

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Immer wieder mal sind Gegner des ZPS juristisch gegen die Gruppe vorgegangen. So hatte nach der Aktion gegen Björn Höcke die Staatsanwaltschaft Gera ein Ermittlungsverfahren gegen Philipp Ruch wegen „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ angestrengt. Im April diesen Jahres ist es eingestellt worden.

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