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Weißwasser

Mit dem Parkmobil auf Erkundungstour

Das geht jetzt elektrisch im Findlingspark Nochten. Rollstuhlfahrer haben sich das schon länger gewünscht.

Nachdem der Rollstuhl von Cindy Tobias im Parkmobil sicher befestigt ist, entfernt Ulrich Klinkert die Rampen. Nun kann die Erkundungstour für die Hoyerswerdaerin beginnen.
Nachdem der Rollstuhl von Cindy Tobias im Parkmobil sicher befestigt ist, entfernt Ulrich Klinkert die Rampen. Nun kann die Erkundungstour für die Hoyerswerdaerin beginnen. © Foto: Constanze Knappe

Nochten. Ein Parkmobil gibt es seit gestern im Findlingspark Nochten. Als „Testfahrerin“ kam Cindy Tobias aus Hoyerswerda in den Genuss einer der ersten Runden durch den Park. Danach war die Hoyerswerdaerin, die seit ihrer Kindheit auf den Rollstuhl angewiesen ist, ganz begeistert. Zum einen vom Findlingspark selbst, in welchem sie zuvor noch nie war, und zum anderen vom Parkmobil. „Das ist super, das kann man weiter empfehlen“, findet sie. „Ich werde wiederkommen“, fügt sie hinzu.

Nach der jeweils siebenminütigen kleinen Ausfahrt erhielten Cindy Tobias und Elke Köhler aus Weißwasser, die ebenfalls im Rollstuhl sitzt und das Parkmobil getestet hat, je einen Gutschein. So können die zwei das neue Angebot noch einmal ausführlich nutzen.

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„Es gibt immer wieder Nachfragen, inwieweit Menschen mit Handicap den Park besuchen können“, sagt Ulrich Klinkert, der Vorsitzende des Fördervereins. Deshalb stehen vier Rollstühle und diverse Gehhilfen zur Ausleihe bereit. Doch jemanden im Rollstuhl durch den ganzen Park zu schieben, ist für Angehörige nicht ganz ohne. Da schafft das neue Parkmobil Abhilfe. Die 25 000 Euro für den Kauf des Elektrofahrzeugs wurden aus dem Förderprogramm „Lieblingsplätze für alle“ finanziert. Der Landkreis verteilt die Gelder im Auftrag des Freistaats. Im November hatte sich der Findlingspark beworben. Dass die Abwicklung von der Antragstellung bis zur Umsetzung so schnell und unbürokratisch ging, darüber ist Ulrich Klinkert des Lobes voll. Das habe man schon ganz anders erlebt.

Gebaut wurde das Fahrzeug in Ostpolen. Mit Unterstützung der Firma Fördertechnik Lehmann aus Weißwasser wurde es nach Nochten geholt. Die Reichweite beträgt 40 Kilometer. Zum „Auftanken“ genügt eine übliche Steckdose. Das ist über Nacht erledigt, wenn eine Anzeige im Cockpit danach verlangt. Nahezu unendlich viele Male kann die Batterie ans Netz gehängt werden. Und auch sonst ist das E-Mobil wartungsarm. Mit 15 oder 25 km/h lässt es sich bewegen. „Wir nutzen die langsamere Geschwindigkeit“, sagt Ulrich Klinkert augenzwinkernd. Es sei ja nicht das Ziel, durch den Park zu rasen. Auch wolle man andere Besucher nicht stören. An Veranstaltungstagen, so ergänzt Parksprecherin Anita Schwitalla, wird das Mobil nicht fahren. Aus Sicherheitsgründen nicht, „dann ist es dafür einfach zu voll“.

Mit einem Rollstuhl an Bord bietet das Elektrofahrzeug weiteren drei Gästen Platz, ansonsten fünf Besuchern. Ab sofort kann es gebucht werden. Wie Anita Schwitalla sagt, gäbe es dafür sogar einen Anhänger. Damit käme man im Park allerdings nur schlecht um die Kurven. Deshalb sei das eine Parkmobil für Gruppen mit mehreren Rollstuhlfahrern noch nicht die Lösung. Ein Anfang aber ist immerhin gemacht. Das findet auch Marcus Heberle vom Tourismusverband Lausitzer Seenland. Er sei zwar geschult, habe aber nicht den Blick als Kenner, erklärt er. Deshalb brachte er gestern mit Cindy Tobias aus Hoyerswerda gleich eine Betroffene mit.

Nachschlag in Aussicht

Im Rahmen der Aktion „Lieblingsplätze für alle“ vergibt der Landkreis Görlitz 2019 runde 231 000 Euro für 13 Projekte. Womöglich gibt es in diesem Jahr noch einen Nachschlag vom Freistaat, stellt die Behindertenbeauftragte Elvira Mirle in Aussicht. „Der Bedarf ist riesig“, weiß sie. Schließlich gehe es um die Teilhabe für alle. Im Findlingspark sei da schon viel getan worden. Manches aber fehle noch – wie etwa der Audioguide als Führung für Sehbehinderte.

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