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Mit dem Rad auf dem Weg zu Europas höchsten Gipfeln

50 Tage waren zwei Dresdner in den Alpen unterwegs - und stießen dabei auch an Grenzen. 

Elias Betka (l.) und Matthias Nolden waren 50 Tage gemeinsam unterwegs. Bei einer Entscheidung geraten sie beinahe in Streit.
Elias Betka (l.) und Matthias Nolden waren 50 Tage gemeinsam unterwegs. Bei einer Entscheidung geraten sie beinahe in Streit. © privat

Die Idee entstand im Studium, als sie wenig Geld, aber viel Zeit hatten. Die beiden Freunde Elias Betka (29) und Matthias Nolden wollten sich den Traum erfüllen und den 4 810 Meter hohen Mont Blanc mit Tourenski besteigen. 

Zum höchsten Berg Mitteleuropas sollte es von Dresden aus per Rad gehen. „Dann meinten wir aber“, erzählt Matthias Nolden, „das ist ja ein riesiger Aufwand für einen Berg. Und für die Höhe am Mont Blanc muss man sich sowieso akklimatisieren.“

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Also dachten sie ihr Projekt größer und planten anderthalb Jahre lang die „Seven Summits“ von Europa: sieben Alpenländer, sieben Mal die höchsten Gipfel. Elias Betka (29) stammt aus einer Fußball-Familie, war aber schon als Junge begeistert in einer Kinderklettergruppe dabei. Später spielte er viele Jahre American Football bei den Dresden Monarchs, gehörte sogar zur Jugendnationalmannschaft. 

Erst im Architekturstudium in Halle fand er zum Bergsport zurück. Dort lernte er Studienkumpel Matthias (31) aus Bonn kennen. Zwei Gleichgesinnte, wie sie schnell feststellen, die bald erste gemeinsame Bergtouren im Kaukasus unternahmen. Wie es der Zufall so will, treffen sich ihre Wege nach dem Studium im selben Architekturbüro in Dresden.

Ein Trip mit 55.000 Höhenmetern

Matthias Nolden war mittlerweile allein mit dem Rad von China in seine Heimatstadt Bonn gefahren. Elias Betka entdeckte als neue Herausforderung Skitourenrennen in den Alpen für sich. Doch sie hatten ja noch den gemeinsamen Traum.

Zwei Monate unbezahlten Urlaub hatten sich die beiden Innenarchitekten von ihrem Chef genehmigen lassen und waren mit ihren Tourenrädern am 1. April in Dresden an der Albertbrücke gestartet. Das Ziel: 3.600 Kilometer, sieben Länder, 14 Alpenpässe, 55.000 Höhenmeter.

Sie haben sich selbst ein paar Spielregeln auferlegt: Sie fahren zu allen Bergen und auch dazwischen mit dem Fahrrad, ihre Ausrüstung wie Tourenski haben sie als Gepäck dabei, sie meiden Tunnel, schlafen nur im Zelt und verpflegen sich selbst.

Der Höhepunkt der Tour im doppelten Sinne: die Dufourspitze in 4 634 Metern, der höchste Gipfel der Schweiz in den Walliser Alpen. 
Der Höhepunkt der Tour im doppelten Sinne: die Dufourspitze in 4 634 Metern, der höchste Gipfel der Schweiz in den Walliser Alpen.  © privat

Die erste Woche durch Tschechien war eine Quälerei, weil sie von nasskaltem Wetter geprägt war. Schon der erste Gipfel, der Triglav in Slowenien mit seinen 2 864 Metern, wurde zu einer schwierigen Herausforderung. Nach dem langen Winter hatte es in der Höhe noch viel Schnee gegeben. 300 Meter unterhalb des Gipfels mussten die beiden Männer umkehren, um sich nicht weiter in Gefahr zu bringen. Das Risiko, dass sich ein Schneebrett unter ihren Tourenski löst, war einfach zu groß.

„Das war ein herber Rückschlag“, erzählt Elias Betka. Im ersten Moment habe es sich angefühlt, als sei das Projekt gescheitert – und das am ersten Alpengipfel. Die Tour deshalb abbrechen und aufgeben? Nein, die Grenzen der Natur zu akzeptieren, gehört genauso zu einem großen Abenteuer wie die schönen Momente. Tage später wurden sie mit einem „Bilderbuchausblick“ vom Großglockner (3.798 Meter) belohnt, obwohl sie den Berg „fast blind“ hochgestapft waren.

Für die Besteigung des nächsten Gipfels, der Zugspitze (2.964 m), starteten sie in der Nacht gegen ein Uhr, mussten aber auch vorzeitig abbrechen. „Es gab Anrisskanten. Das war ein unkalkulierbares Risiko“, erklärt Matthias Nolden. Und wieder sind es die schwierigen Bedingungen, wegen denen sie auch in Liechtenstein ihren Plan ändern müssen. Die Vordere Grauspitze (2.599 m) war das Ziel, am Ende schafften sie es zum Nebengipfel.

Vor dem Aufstieg zur Dufourspitze biwakieren die Abenteurer im Schnee. Seit ihrer Grenz-Erfahrung wissen sie die kleinen Dinge mehr zu schätzen.
Vor dem Aufstieg zur Dufourspitze biwakieren die Abenteurer im Schnee. Seit ihrer Grenz-Erfahrung wissen sie die kleinen Dinge mehr zu schätzen. © privat

Ein Höhepunkt der Tour war für beide die Dufourspitze in 4.634 Meter Höhe in der Schweiz. Zwei Tage hatten sie dafür eingeplant und beim Biwakieren unter freien Himmel erlebten sie einen atemberaubenden Sonnenuntergang.

Der Mont Blanc zwischen Frankreich und Italien wurde für sie zum Schicksalsberg. Schon im Sommer ist die Besteigung zu Fuß ein anspruchsvolles Vorhaben. Elias Betka und Mathias Nolden waren auf Tourenski unterwegs und an der Mittelstation angekommen. Der Tag war schon weit fortgeschritten, und sie mussten noch einen langen Gletscher queren, als Matthias Nolden plötzlich Angst bekam, dass sich durch die starke Sonneneinstrahlung ein Gletscherbruch lösen könnte.

Die schwierige Entscheidung

Er stellte sich die schwierige Frage: weitergehen oder nicht? Bisher hatten die zwei Freunde Gefahrensituationen ähnlich eingeschätzt. Diesmal war es anders, und beide wussten: Es gibt nur einen gemeinsamen Weg: hoch oder runter. Als Matthias Nolden entschied umzukehren, reagierte sein Kompagnon sauer und schlug vor Wut einen Skistock kaputt.

„Jetzt mit Abstand kann ich seine Entscheidung nachvollziehen, und das war auch mutig von ihm“, meint Elias Betka. „Und wenn ich ausraste, ist es auch nicht gerade leicht für den anderen.“ Die beiden rauften sich für den letzten Berg, den Gran Paradiso in Italien (4 061 m), wieder zusammen und erlebten nach einem schwierigen Aufstieg mit starken Windböen noch ein gemeinsames schönes Gipfelerlebnis.

Nach 50 Tagen, 3.708 Radkilometern und 42.510 Höhenmetern sind sie zurück in Dresden. Dazu kommen noch einmal 145 Kilometer auf Tourenski und weitere 13.547 Höhenmeter. „Das Gesamterlebnis zählt, man hat nicht immer alles in der Hand“, meint Matthias Nolden.

Und noch einen Punkt hatten sie unterschätzt: die soziale Komponente. Wenn man 50 Tage 24 Stunden zusammen unterwegs ist, kann es „Budenkoller“ geben, obwohl man draußen ist. „Wir hätten eher miteinander sprechen und nicht jeder alles in sich hineinfressen sollen. Das ist wichtiger als alles andere“, sagt Elias Betka. Unterwegs hielt er zu seiner Freundin zu Hause den Kontakt per Telefon. Der Nabendynamo am Fahrrad erzeugte Strom, der reichte, um das Handy kurz zu laden und sich am Abend bei der Familie zu melden.

Es sind die kleinen Dinge, die sie jetzt noch mehr zu schätzen wissen: „Es ist schon krass, wir haben immer Wasser, es ist immer warm und immer trocken“, meint Nolden. Trotz der kleinen Kommunikationsprobleme soll es nicht ihre letzte gemeinsame Tour gewesen sein. In zwei Jahren wollen die beiden Bergfreunde im Pamirgebirge die drei höchsten Gipfel der ehemaligen Sowjetunion erklettern.

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