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Mit dem Rad nach Radmeritz

Zum Oder-Neiße-Radweg gibt es abschnittsweise auch eine sehr gute Alternative in Polen. Allerdings nicht überall.

Peter Schellin vom ADFC aus Görlitz steht mit seinem Fahrrad auf dem Radweg am Rande der polnischen Ortschaft Radomierzyce (Radmeritz).
Peter Schellin vom ADFC aus Görlitz steht mit seinem Fahrrad auf dem Radweg am Rande der polnischen Ortschaft Radomierzyce (Radmeritz). © Foto: Nikolai Schmidt

Über die Görlitzer Stadtbrücke geht’s zusammen mit den Autos nach Polen, dann sofort rechts bis zum Dom Kultury – und ab dort ist es vorbei mit Autoverkehr. Das wird sich auf den nächsten 17 Kilometern bis Radomierzyce (Radmeritz) auch kaum mehr ändern. Ruhig und asphaltiert verläuft der Weg am Neißeufer gen Süden. „Schauen Sie mal hier“, sagt Peter Schellin und zeigt nach unten. Im Boden sind Lampen eingelassen, um den Radweg abends zu beleuchten. Bis kurz vor dem Viadukt geht das so, dann müssen sich Radfahrer entscheiden: links über Betonpflaster, rechts ein Waldweg. Schellin schlägt rechts vor: „Das ist einer meiner Lieblingsabschnitte“, sagt der 66-Jährige: „Der Weg ist breit genug, gut befahrbar, autofrei und schattig.“ Kurz darauf, im Stadtteil Moys, treffen beide Wege wieder aufeinander.

Schellin gehörte 2012 zu den Gründungsmitgliedern der Görlitzer Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) und ist bis heute als Tourenleiter aktiv dabei. Entlang der Neiße fährt der ADFC immer mal wieder sowohl nach Norden als auch nach Süden. „Wir nehmen erfreut zur Kenntnis, dass sich auf dem Radweg etwas tut“, sagt der pensionierte Lehrer. Dass Radfahrer jetzt im Ostritzer Ortsteil Leuba nicht mehr die Bundesstraße nutzen müssen sei ebenso toll wie der neu gebaute Radweg durch die Neißewiesen zwischen Ludwigsdorf und Zodel, nördlich von Görlitz.

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Gegenüber von Deutsch Ossig befindet sich in Polen dieser Rastplatz zwischen Radweg und Neiße.
Gegenüber von Deutsch Ossig befindet sich in Polen dieser Rastplatz zwischen Radweg und Neiße. © Foto: Ingo Kramer
Die Kasemannel-Alm liegt im Krauschwitzer Ortsteil Werdeck direkt am Oder-Neiße-Radweg.
Die Kasemannel-Alm liegt im Krauschwitzer Ortsteil Werdeck direkt am Oder-Neiße-Radweg. © Foto: Sabine Larbig

Auf der anderen Neißeseite gibt es keinen durchgängigen Radweg. Aber es tut sich auch etwas, sagt Schellin – und zeigt Fotos von 2013. Da war der Weg südlich von Zgorzelec teils pampig, teils von großen Schlaglöchern gezeichnet. Erst 2018 sei er asphaltiert worden – durchgängig bis Radmeritz. Von Moys, wo sich die zwei Wege getroffen hatten, geht es gut markiert weiter, mit einem weiten Linksschwenk von der Neiße weg. Kurz vor Erreichen der Hauptstraße fehlt ein Schild.„Hier müssen wir rechts weg“, sagt Schellin. Kurz darauf, am früheren Kriegsgefangenenlager Stalag VIII A, geht es erneut nach rechts.

Ab hier kann man bis Radmeritz eigentlich nichts mehr falsch machen. Bei Weggabelungen immer dem Asphalt nach – und immer rechts halten, also entlang des Neißeufers. Dahinter taucht irgendwann die Weinhübler Dorfkirche auf, später geht es gemächlich über Wiesen gen Süden. Ab und an gibt es Rastplätze und dicke Betonpoller, die Autos den Weg versperren sollen. Auffällig: Es kommen zwar ab und an Radfahrer entgegen, aber längst nicht so viele wie am deutschen Neißeufer. Und irgendwann sind wir in Radmeritz. „Ab hier gibt es auf polnischer Seite keinen Radweg mehr entlang der Neiße“, sagt Schellin. Wer weiter nach Süden will, nutzt das deutsche Ufer. Zurück nach Görlitz geht es auch auf dem deutschen Oder-Neiße-Radweg – oder in Polen auf einer recht ruhigen Autostraße über zwei kleine Dörfer.

Allein im Landkreis Görlitz stehen 110 Kilometer Neiße-Radweg zur Verfügung. Der tatsächliche Startpunkt des Radweges aber ist die Neißequelle in Tschechien. Die Firma Donath aus Jonsdorf hat sich darauf spezialisiert, Radler im Shuttleservice an die Quelle zu bringen. „Über die Jahre wollen immer mehr Radler da hin“, sagt Gerhard Donath. Seine Frau fährt den Shuttle. Etwas unter 50 Fahrten im Jahr macht sie inzwischen, schätzt Donath, der auch Fahrräder verleiht. Wer leiht, bleibt meist in der Region, wer zur Quelle will, fährt den Neißeradweg. „Bis Ende August/Anfang September ist der Shuttle gefragt“, sagt Donath: „Dann wird es ruhiger.“

Auch Ingolf Sperling aus Hirschfelde hat einen solchen Service früher angeboten. „Aus wirtschaftlichen Gründen habe ich das vor fünf Jahren beendet“, erklärt er. Inzwischen arbeitet er als Schweißer – und betreibt nebenher noch eine Ferienwohnung, in der Radfahrer gern übernachten.

Peter Schellin findet den Radweg zwischen Zittau und Görlitz auch noch aus einem anderen Grund attraktiv: Es gibt viele Orte, wo man einkehren kann. Zittau, Ostritz, Radmeritz, rund um den Berzdorfer See, Görlitz und Zgorzelec: Überall werden Radler bewirtet. Die ADFC-Feierabendradtouren, die jeden Dienstag, 18 Uhr, am Brunnen in der Mitte der Berliner Straße starten, enden oft an einer Gaststätte. Gen Norden fährt Schellin auch ganz gern mal: „Allerdings gibt es da weniger Gastronomie.“ Rothenburg und Bad Muskau haben etwas zu bieten, im Krauschwitzer Ortsteil Werdeck liegt die Kasemannel-Alm direkt am Oder-Neiße-Radweg, zwischendrin sind die Angebote dünner gesät. Auf polnischer Seite existieren nördlich von Görlitz einzelne Radweg-Abschnitte, aber nichts Durchgängiges. „Zwischendrin muss man immer wieder auf der Straße fahren“, so Schellin.

Gen Süden hofft er aber, noch mehr Radler für den neuen polnischen Asphaltweg zu begeistern. In Abänderung zum geplanten ADFC-Tourenprogramm will er am kommenden Dienstag deshalb nicht nach Norden fahren, sondern auf polnischer Seite gen Süden. Interessierte sind willkommen, die Teilnahme kostet einen Euro.

Treff: Dienstag, 18 Uhr, Görlitz, Brunnen Berliner Straße

Wissenswertes

Der Oder-Neiße-Radweg ist ein rund 630 Kilometer langer Fernradweg. Er beginnt in Nová Ves nad Nisou (Tschechien) und endet im Seebad Ahlbeck auf Usedom.

Im Landkreis Görlitz verläuft er rund 110 Kilometer von Hartau (vor Zittau) bis Köbeln (hinter Bad Muskau).

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Der Weg ist ganzjährig (außer bei Schnee) befahrbar, die beste Zeit ist von April bis Oktober.

Einen Shuttle zur Neißequelle bietet unter anderem die Firma Donath aus Jonsdorf an: 1 035844 70171 

Mehr Lokales unter:

www.sächsische.de/loebau

www.sächsische.de/zittau

www.sächsische.de/goerlitz

www.sächsische.de/niesky

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