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Pfiffige Idee: Eine Rutsche für die Brötchen

In einer Kamenzer Bäckerei gelangen Semmel und Co. jetzt kontaktlos in die Einkaufsbeutel der Kunden. Nicht nur in Corona-Zeiten ein origineller Service.

Über diese Brötchenrutsche befördert Verkäuferin Franziska Paulusch in der Bäckerei Kahre in Kamenz. Semmeln direkt in die Beutel der Kunden.
Über diese Brötchenrutsche befördert Verkäuferin Franziska Paulusch in der Bäckerei Kahre in Kamenz. Semmeln direkt in die Beutel der Kunden. © René Plaul

Kamenz. Plopp, da landet das Dinkelbrötchen im Stoffbeutel. Es folgen drei Doppelsemmeln, ein Milchzopf und zwei Körnerstangen. Ede freut sich. Seit ein paar Wochen möchte er Papa plötzlich immer zum Bäcker an die Oststraße in Kamenz begleiten. Das hat seinen Grund, denn bei Kahres gibt es da diese tolle Brötchenrutsche. Die fasziniert den Vierjährigen. Er darf sogar selbst den Beutel dranhängen. Denn er kommt schon bis hoch. Die Konstruktion ist nämlich vor allem für kleine Hände gedacht.  

Kein Wunder, denn Linus, der die Brötchenrutsche erfunden hat, ist ebenfalls ein Kind. Er wohnt in einem kleinen Dorf in Baden-Württemberg. Und hat sich seine Erfindung schon längst patentieren lassen. Sogar die Macher des Fernsehformates "Das Ding des Jahres"  waren davon überzeugt und vermarkteten die Idee.

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Erfindung stammt von einem Kind

Wie kam Linus aber darauf? Manchmal fuhr er mit dem Fahrrad zum Bäcker um Brötchen zu holen. Immer bekam er eine Papiertüte, obwohl er die eigene Tasche dabei hatte. Die Verkäuferin sagte ihm, dass sie den Stoffbeutel aus hygienischen Gründen nicht hinter die Theke nehmen darf. Das gefiel dem Jungen nicht, und er machte sich Gedanken: Wenn der Beutel nicht zu den Brötchen kommen konnte, sollten die Brötchen eben zu ihm rollen. Nachhaltigkeit lautete  sein Hintergrund. Linus begann zu tüfteln und kam damit groß raus. Gemeinsam mit seinem Onkel, der eine Metallfirma  hat, setzte er die Idee später in die Praxis um. 

Und nun steht seine Brötchenrutsche in zahlreichen deutschen Bäckereien -  auch in Kamenz. "Die Bäckerei-Genossenschaft bot sie uns an, wir haben länger überlegt, sie ist nicht ganz preisgünstig", sagt Chefin Bianka Kahre. "Doch  sie hat sich schon längst bewährt und gelohnt!" Zum einen werde einiger Müll vermieden,  es gingen viel weniger teure  Papiertüten über die Theke, und man tue so  etwas  für die Umwelt. Und nicht erst seit Corona-Zeiten hat die Konstruktion, die an der Theke hängt, auch noch einen hygienischen Aspekt. Die Kundschaft freut es. Wenigstens ein positiver Lichtblick.

Schwere Zeiten durch Fernwärmebau

Denn die Zeiten sind schwierig, auch für die Bäckerei Kahre. Corona sorgt für Unsicherheit. Und dann noch der monatelange Straßenbau an der Oststraße. Grund dafür ist die aufwendige Fernwärme-Erschließung des Kamenzer Gründerzeitviertels. Anwohner und Gewerbetreibende müssen viel Geduld haben.

Neben der Bäckerei trifft es vor allem die Fleischerei Minkwitz und den Dönerladen Hollywood. "Sicherlich sind wir zwischenzeitlich auch über Schleichwege oder bis zur Sackgasse erreichbar, doch an der Ampelkreuzung steht immer noch, dass man nicht stadteinwärts Richtung Bahnhof abbiegen kann. Das verunsichert viele, denn das ist unsere Hauptzufahrtsstraße", sagt Lutz Kahre.

Café nach Monaten wieder geöffnet

Workshops für Kindergartengruppen, Schulklassen, ab und zu ein Kindergeburtstag oder ein privates Brotback-Seminar – so sah der Alltag der Kahres  neben dem Tagesgeschäft in der Bäckerei bis Mitte März aus.  Und das mittlerweile seit zehn Jahren. Dann kam die Krise. "Wir haben alles ziemlich ruhig überstanden. Gegessen muss ja immer werden. Die Kundschaft schätzt trotz allem eine handgefertigte Semmel, die Brotvielfalt und den Service im Haus", sagt Bianka Kahre, die das Geschäft leitet. 

Nur das kleine angeschlossene Café blieb zu. Die Enge, die strengen Corona-Hygiene-Regeln -  es musste umgedacht werden.  "Aber nun öffnen wir auch vielfachen Wunsch der Kundschaft wieder. Vor allem die alten Leute konnten sich monatelang nicht zum Kaffee-Kränzel treffen. Ab sofort geht es wieder los",  freut sich Bianka Kahre.

Und Ede? Der geht gerade stolz mit dem Einkauf  aus dem Laden. "Wir hatten auch  schon vor Corona viele  Kunden von Stoffbeuteln überzeugt, und dass es die bessere Variante ist - für die Umwelt und damit für uns alle", sagen die Kahres. 

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