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Mit der ersten Stunde

Viele Geschäftsleutereisten 1990 in die Region.Also bauten die Siegelsein Hotel in Pesterwitz.

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Von Marcus Krämer

Es war eine gute Zeit, um ein Hotel zu gründen, damals, nach der Wende. Sie kamen alle auf einmal: Geschäftsleute, Handelsvertreter, Bauleiter und viele andere, die sich in Ostdeutschland umschauen wollten. Gute Hotelzimmer waren knapp und sehr begehrt. „Am Anfang lief das Geschäft hervorragend“, erzählt Marko Siegel.

Der heute 42-Jährige stieg 1990 ins Geschäft seiner Eltern ein, zusammen mit seiner Schwester. Die Eltern hatten zu DDR-Zeiten eine Gaststätte in Pesterwitz bei Freital, die sie nach der Wende pachteten und weiterbetrieben. Bald entstand die Idee, ein Hotel anzubauen.

Seit 1992 betreibt Familie Siegel das „Pesterwitzer Siegel“: 26 Doppelzimmer, 50 Parkplätze, eine Sauna, fünf Kilometer entfernt von Dresden, auf der Höhe des Elbhangs. Die Siegels sind zufrieden. „Wir jammern nicht rum“, sagt Marko Siegel. Grund dazu hätte es oft gegeben. „Damals hätte man manches vielleicht kritischer sehen müssen“, sagt die Mutter Hannelore Siegel, 63, Inhaberin des Hotels. Wie überall waren auch in der Hotelbranche die Erwartungen zu euphorisch.

Mitte der 90er Jahre kam der Knick: Die Sondervergünstigungen für Ostdeutschland fielen allmählich weg. Die Geschäftsreisenden wurden seltener. „Das hat uns erst mal aus dem Plan geworfen“, sagt Marko Siegel. Seither bemüht sich Familie Siegel um Reisegruppen und Privattouristen.

Da die Siegels einen Familienbetrieb führen, haben sie mancher gefährlichen Versuchung widerstanden. Immer wieder hatten sie Angebote, zu expandieren und neue Objekte anzukaufen. Viele Unternehmen in Ostdeutschland haben sich auf diese Weise übernommen. Die Siegels hatten nicht die Zeit dazu. „Wir müssen von morgens bis abends ran“, sagt Marko Siegel. Ein bisschen Zeit wollte die Familie auch für sich selbst haben. Vielleicht ist es das Geheimnis des Erfolgs.