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Mit der Ferkeltaxe ins Seenland

Bis September sollen acht Eisenbahn-Sondertouren gen Hoyerswerda starten Gestern gab es die Premiere.

© Kerstin Unterstein

Von Kerstin Unterstein

Sonntagmorgen, kurz nach 9 Uhr, auf dem Kamenzer Bahnhof. Vier junge Leute warten noch längere Zeit auf den nächsten Zug nach Dresden, der ja nur im Zwei-Stunden-Takt verkehrt. Plötzlich sind auch sie erstaunt, dass genau 9.14 Uhr aus dem Tunnel ein hellgrüner Triebwagen auftaucht. Nach einem kurzen Stopp setzt sich das Fahrzeug, in dem gut 20 vergnügte Leute sitzen, wieder in Betrieb – allerdings nicht zurück gen Landeshauptstadt, sondern in die andere Richtung. Unwillkürlich werden Erinnerungen an den Tag der Sachsen Anfang September 2011 wach, als die Züge bis Hoyerswerda verkehrten und über 4 000 Fahrgäste beförderten. Während die jungen Leute eher zufällig den besonderen Augenblick verfolgen, hat ihn Kamenz unbemerkt verschlafen: Am Sonntag sorgte die erste Erlebnisfahrt der Seenlandbahn dafür, dass die „Ferkeltaxe“ der Ostsächsischen Eisenbahnfreunde 8.30 Uhr in Dresden-Neustadt abfuhr und nach Stationen in Pulsnitz, Kamenz, Straßgräbchen-Bernsdorf, Wiednitz und Hosena 10.14 Uhr Hoyerswerda erreichte.

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Eine Gruppe befreundeter Familien stieg in der Pfefferkuchenstadt zu und war quasi der Garant dafür, dass diese erste der insgesamt acht bis Anfang September geplanten Touren überhaupt stattfinden konnte. Darüber war gestern nicht nur Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel, der natürlich mit an Bord war, besonders froh. Er kann und will sich nicht damit abfinden, dass es keinen Personenverkehr über die Schiene in seiner Stadt geben soll, wie das seit 1998 der Fall ist. Nach den wunderbaren Erfahrungen zum Tag der Sachsen sucht er nach Wegen, wie die Strecke wieder belebt werden kann. Mit der Seenlandbahn hat sich jetzt ein Pilotprojekt entwickelt, das nicht nur die Menschen mit dem Zug von Dresden nach Hoyerswerda bringt, sondern ihnen als Komplettpaket auch die Seenland-Region vorstellen möchte. Damit verbindet Habel ebenso wie Landrat Michael Harig, der das gestern in einem Pressegespräch betonte, die Hoffnung, dass „aus touristischen Angeboten doch wieder ein Normalverkehr wird.“ Allerdings sind sich beide ebenso sicher, „dass dafür ein dickes Brett noch lange weiter gebohrt werden muss“. Für die touristischen Angebote sind mit dem Tourismusverband Lausitzer Seenland und dem Tourenveranstalter iba-tours gleich mehrere Partner im Boot, hinzu kommen zahlreiche Sponsoren und Unterstützer. Sören Hoika, Betriebsleiter von iba-tours, machte jetzt auch Lust auf die weiteren Touren, die „recht gut gebucht“ würden. Man hoffe auf 35 Teilnehmer pro Erlebnisfahrt, gehe allerdings auch davon aus, dass mal eine Tour abgesagt werden müsse. Die Angebote seien so breit gefächert und ja absolut neu, dass man erst die Geschmäcker der Dresdner, vielleicht aber auch Pulsnitzer und Kamenzer, kennenlernen müsse. Zudem brauche ein touristisches Angebot schon drei Jahre, um sich durchzusetzen. Die Fahrten zu Tagebauen und Kraftwerken würden aber auf jeden Fall stattfinden. Hoika hegt zudem die Hoffnung, dass das Geld bis ins kommende Jahr reicht und die Zahl der Sponsoren weiter steigt.

Und die elf Pulsnitzer? Sie erlebten neben einer spannenden Zugfahrt eine Fahrradtour durch Hoyerswerda, zum Scheibesee sowie zu den Fabrikfestspielen nach Knappenrode mit einer tollen Führung. Chauffiert wurden sie in dem historischen Triebwagen aus den 1960er-Jahren von Jens Schulze. Für den Großröhrsdorfer wurden dabei Erinnerungen wach, denn er fuhr früher auch Reisezüge auf dieser Strecke – gern würde er das wieder tun.