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Mit der Geige auf Talentesuche

Auf der Suche nach Talenten zieht der frischgebackene Leiter der Kreismusikschule schon mal mit der Geige durch Kindereinrichtungen im Kreis. Denn Thomas Stapel (39) liebt Musik und will diese Liebe an Kinder und Jugendliche vermitteln. Eines seiner Ziele: die Ensemble- und Orchesterarbeit im Kreis weiter zu entwickeln.

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Von Annett Preuß

„Machen schlaue Leute Musik oder macht Musik schlau?“ Darüber fachsimpelt Thomas Stapel gerne. Denn der 39-jährige gebürtige Görlitzer, Komponist, Textdichter und Dirigent ist überzeugt, dass sich kaum eine andere Beschäftigung so positiv auf die geistige und soziale Entwicklung eines Menschen auswirkt wie die mit einem Instrument. Beim Musizieren müsse man viele Sinne einspannen, erst recht in der Gruppe.

Mädchen und Jungen im Kindesalter an Musik heranzuführen, ist deshalb auch der wichtigste Grund, warum sich Thomas Stapel zum 1. August um die Stelle als Schulleiter der Kreismusikschule bewarb, eine Funktion, die er seit dem Jahr 2002 schon kommissarisch inne hatte. „Es war eine bewusste Entscheidung“, sagt er. Und ihm sei klar gewesen, dass zu seinen Aufgaben viel Papierkram gehöre und das eigene künstlerische Schaffen aus Zeitmangel zwangsläufig in den Hintergrund trete. „Doch hier wird Basisarbeit geleistet“, sagt er. Die sei in der medienüberfrachteten Gesellschaft wichtiger denn je. „Nicht jeder, der ein Instrument lernt, soll Berufsmusiker werden“, sagt er. „Doch wer soll später einmal Konzerte oder Theater besuchen, wenn wir jetzt nicht den Grundstein legen?“

Rund 1 200 Kinder und Jugendliche werden von Weißwasser bis Reichenbach an 38 Orten unterrichtet. Zum Kollegium gehören mehr als 40 Honorarkräfte. Wie die meisten der außerdem zehn fest angestellten Mitarbeiter arbeitet auch Stapel verkürzt. „Ich bin ein Drei-Viertel-Schulleiter.“ Das sei ihm recht, um selbst noch ein bisschen kreativ arbeiten zu können. So soll zu den Weihnachtskonzerten im Musiktheater Görlitz sein Werk „Und kerzenhelle wird die Nacht“ uraufgeführt werden.

Niesky als größte und zentral gelegene Regionalstelle ist jetzt die Hauptstelle, die Leiter der drei Regionalstellen in Weißwasser, Niesky und Reichenbach sind Verantwortliche. Für Stapel heißt das nicht, dass er ihnen ins Handwerk pfuscht. „Sie arbeiten selbstständig wie bisher.“ Doch bestimmte Aufgaben liegen nun auf seinem Tisch: der Haushaltsplan, beispielsweise, Öffentlichkeitsarbeit, auch Vertragsgestaltung oder die Erarbeitung eines einheitlichen Inventarverzeichnisses. „Das reicht bis dahin, dass ich mich ins Auto setze und in Königshain alte Schulbänke abstaube, die wir in Reichenbach dringend brauchen, für die aber kein Geld da ist.“ Er arbeite da nach dem Motto: „Wenn man was will, muss man es selbst machen.“

Neben den administrativen Aufgaben lässt er es sich nicht nehmen, so wie voriges Schuljahr in Kindereinrichtungen des Kreises auf Talentesuche zu gehen. „Wir haben nicht nur ein Lied gesungen.“ Die Kinder durften an den Saiten der Geige zupfen und auch mal mit dem Bogen streichen. „Da sieht man schnell, wer sich für dieses Instrument eignet.“ Vom Einsatz der Brechstange hält Thomas Stapel jedoch nichts, weder bei den eigenen fünf Kindern noch bei der Suche nach Talenten. „Da wird nichts draus.“ Dass er in der Regel eine Geige im Gepäck hat, liegt nicht nur daran, dass Thomas Stapels eigene musische Ausbildung als Siebenjähriger mit diesem Instrument begann. Mittelfristig möchte er die Ensemble- und Orchesterarbeit der Kreismusikschule stärken und so die Regionalstellen enger zusammenführen. „Wollen wir ein Musical aufführen oder ein Stück im musiktheatralischen Bereich, brauchen wir ein kleines Streichorchester.“ Das aufzubauen, dauere drei, vier Jahre. Doch jetzt müsse damit begonnen werden. Deshalb suche er im Raum Niesky Nachwuchs, der Violine oder Violoncello lernt. Dass es Freude bereitet, im Orchester gemeinsam zu musizieren, zeigte das erste Probenlager in den vergangenen Osterferien. „Wir haben schon Nachfragen, ob wir das wiederholen.“