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Mit der Motorsäge in den Kampfeinsatz

Ein Novum: Die Bundeswehr hilft in Sachsens Wälder im Kampf gegen die Borkenkäfer-Plage. Auch zwischen Radeberg und Stolpen.

Tobias Sperlings Einsatzgebiet ist in den kommenden Wochen der Neustädter Forstbezirk: Hier zeigt der Oberstabsgefreite wie man Borkenkäferlarven austrocknet. Dazu muss man an den Bäumen die Rinde entfernen. Eine kräftezehrende Arbeit.
Tobias Sperlings Einsatzgebiet ist in den kommenden Wochen der Neustädter Forstbezirk: Hier zeigt der Oberstabsgefreite wie man Borkenkäferlarven austrocknet. Dazu muss man an den Bäumen die Rinde entfernen. Eine kräftezehrende Arbeit. © René Plaul

Radeberg. Für die sechs Soldaten der Offizierschule des Heeres ist es ein ungewöhnlicher Einsatz. Das findet auch Sven Schubert. Aber es sei einer, der unbedingt nötig sei, so der Hauptfeldwebel, Im Kampf gegen diese Borkenkäferplage, die in dieser Form bisher in Deutschland so noch nie aufgetreten ist, müsse man einfach zusammenstehen, steht für den Bundeswehrangehörigen fest.

Schubert und seine fünfköpfige Gruppe starteten gestern ihren Kampf gegen den Borkenkäfer. Und zwar im zwischen Radeberg und Stolpen gelegen Forstbezirk Neustadt. Dort werden sie in den kommenden Wochen die Mitarbeiter des Sachsenforstes unterstützen. Ihnen dabei helfen, befallene Fichten zu fällen, sie zu entrinden und Borkenkäferlarven mit Pflanzenschutzmitteln zu beseitigen. Eine Aktion, die im Übrigen auch das Interesse des tschechischen Fernsehens weckte. Auch in den Wäldern des Nachbarlandes wütet der Borkenkäfer.

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Im Freistaat Sachsen werden seit Anfang dieser Woche insgesamt rund 60 Soldaten in den sächsischen Wäldern eingesetzt, um die Borkenkäferplage einzudämmen. Dass die Bundeswehr zum Einsatz kommt, ist ein Novum. Aber aus Sicht von Forstexperten und den verantwortlichen Politikern ein absolutes Muss. Denn durch die langanhaltenden Dürreperioden der vergangenen beiden Jahre, durch heftige Stürme hat sich vor allem in den Fichtenwäldern Sachsens eine Borkenkäferplage von bisher ungeahntem Ausmaß entwickelt. Geht es nun darum, die von den Schädlingen befallenen Bäume schnellstmöglich aus dem Wald zu holen, um die Ausbreitung des Borkenkäfers einzudämmen. Viele Waldbesitzer sprechen bereits von einer „Jahrhundertkatastrophe“.

Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) war es, der die Bundeswehr zur Hilfe rief. Seit zwei Tagen sind in den sächsischen Staatsforsten Bundeswehrsoldaten im Borkenkäfereinsatz. Ein Großteil arbeitet derzeit im Erzgebirge, in den Forstbezirken Bärenfels, Chemnitz und Marienberg. Koordiniert werden diese Einsätze durch das Landeskommando Sachsen.

Hauptfeldwebel Sven Schubert erzählte, dass er und die anderen Soldaten aus der Region stammten. Da, so Schubert weiter, sei es auch ganz selbstverständlich, dass man in solch einer Lage die Region unterstütze. Der Revierleiter des Neustädter Forstbezirkes ist jedenfalls froh über diese Hilfe. „Mir stehen ja nur drei Waldarbeiter zur Verfügung“, so Michael Blaß. Voraussichtliche Dauer dieses Borkenkäfereinsatzes für die Soldaten: rund drei Wochen. Es sei aber möglich, so ein Mitarbeiter der Pressestelle des Landeskommandos, das diese Aktion nicht nur personell, sondern auch zeitlich ausgeweitet werde. Die Kosten des Bundeswehreinsatzes in den Wäldern trägt der Freistaat.

Rechtlich legitimiert ist dieser Einsatz durch den Artikel 35 des Grundgesetzes. Danach können sich Landes- und Bundesbehörden gegenseitig Amtshilfe leisten. Für Schubert und die übrigen Soldaten der Offizierschule des Heeres stehen auf jeden Fall kräftezehrende Wochen an. „Wir sind von frühmorgens bis zum Abend hier im Wald unterwegs“, so der Hauptfeldwebel. Die Bundeswehr unterstützt den Staatsbetrieb Sachsenforst bei der Bekämpfung der wahrscheinlich größten Borkenkäfervermehrung, die jemals in den hiesigen Wäldern stattgefunden hat. Wenn „wir in Sachsen gebraucht werden“, so Oberst Klaus Finck, Kommandeur des Landeskommandos Sachsen. „sind wir da und helfen.“

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