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Deshalb klemmen sich Bautzener eine  Poolnudel ans Rad

Viele Radfahrer in Bautzen fühlen sich bedrängt. Mit einer ungewöhnlichen Aktion macht nun der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club darauf aufmerksam.

So lang wie die Poolnudel ist, so viel Abstand müssten Autos mindestens halten, wenn sie Radfahrer überholen. Oft passiert das aber nicht. Martin Ritscher vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Bautzen fordert deshalb Konsequenzen.
So lang wie die Poolnudel ist, so viel Abstand müssten Autos mindestens halten, wenn sie Radfahrer überholen. Oft passiert das aber nicht. Martin Ritscher vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Bautzen fordert deshalb Konsequenzen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Etwas mulmig ist Martin Ritscher zumute, wenn er die Wallstraße entlangfährt. Wird ein unachtsamer Autofahrer in einem der parkenden Fahrzeuge vielleicht die Tür öffnen, wenn er vorbeifährt? Das könnte einen dollen Sturz bedeuten. Also weiter links fahren? Da kommen dann aber die fahrenden Autos gefährlich nahe.

So wie dem Sprecher des Bautzener Ablegers vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) geht es offensichtlich vielen Radfahrern in Bautzen. Das hat der Fahrradklima-Test gezeigt. Regelrecht erschrocken sei er gewesen, so erzählt es Martin Ritscher, als er die Freitextfelder des Tests auswertete, bei dem 259 Bautzener bewerteten, wie sicher sie sich beim Radfahren in der Stadt fühlen. Über 140 Kommentare hatten die Teilnehmer da abgegeben. „Viele Radfahrer fühlen sich im Verkehr mit Autos und auf den Schutzstreifen so unsicher, dass sie lieber auf Gehwegen fahren oder sich die alten Hochbordradwege zurückwünschen“, berichtet Martin Ritscher. „Die Radfahrer fühlen sich verdrängt, viele Autos überholen zu dicht.“

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Ritscher kann nicht verstehen, weshalb viele Radler deshalb die Hochbordradwege, also die mit dem Fußweg kombinierten Radwege, bevorzugen. Beispielsweise auf der Steinstraße ist so einer, und der hat es in sich: Er ist schmal und oft mit Hindernissen versehen. „Radwege in diesem Stil bergen ein viel höheres Unfallrisiko als Schutzstreifen“, erklärt Martin Ritscher – das Sicherheitsgefühl sei da vielleicht höher, aber die Realität sehe anders aus.

Ungewöhnliche Aktion

Mit einer ungewöhnlichen Aktion will nun der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Bautzen (ADFC) auf das Problem aufmerksam machen. Am Samstag, dem 15. Juni, lädt der Verein um 10 Uhr zur gemeinsamen Rundfahrt durch Bautzen ein, Treffpunkt ist der Reichenturm. Das Besondere daran: Die Radler brausen dann mit einer Poolnudel auf dem Gepäckträger durch die Stadt. Es ist eine Aktion, wie es sie bereits in einigen Städten gab – begonnen hat das Ganze ursprünglich in Toronto. Die Poolnudeln sind in etwa 1,50 Meter lang. Das entspricht dem Sicherheitsabstand, mit dem Radfahrer eigentlich überholt werden sollten. Sogar noch mehr Abstand als die Poolnudel vorgibt, wäre eigentlich nötig – die 1,50 Meter sollten gemessen werden ab dem Ende des Lenkers, erklärt Martin Ritscher. „Diesen Abstand halten aber die wenigsten ein.“ Zudem müssten die Radfahrer ja oft auch eher in der Mitte des Schutzweges fahren; parken neben der Straße Autos, wird ein Abstand von einem dreiviertel Meter zu den Autos empfohlen.

Fahren Radfahrer auf dem – Martin Ritscher nennt es Pinselstrichradweg –, heißt das noch lange nicht, dass Autofahrer auch direkt am Schutzstreifen entlangfahren können. Um Radler zu überholen, müssen sie mehr Abstand halten. Deshalb mehr Platz zu schaffen ist aber kaum möglich. Eine Lösung sieht Martin Ritscher trotzdem: „Da ist vielleicht ein bisschen Geduld gefragt. Sobald die Straße frei ist, können die Autofahrer ja ausscheren.“

Schutzstreifen werden ignoriert

Viele solcher Schutzstreifen gibt es in Bautzen. So zum Beispiel auf der Straße in Richtung Burk. „Dieser Schutzstreifen wird grundsätzlich von Autofahrern überfahren“, erzählt Martin Ritscher von seinen Erfahrungen. Auch auf der Wallstraße und auf der Steinstraße gibt es solche Wege, ebenso wie auf der Tzschirnerstraße, der Jordanstraße und auf der Dresdener Straße.

Rund 100 Unfälle mit Radfahrern gibt es laut Aussage der Polizei jedes Jahr in Bautzen. Allein vier Unfälle mit Schwerverletzten gab es bereits in diesem Jahr bis Mitte Mai, weitere sieben mit Leichtverletzten. Die Polizei erfasst die Unfälle, in die Radfahrer verwickelt sind, statistisch – enthalten sind jedoch auch die verletzten Verkehrsteilnehmer, die eventuell mit dem Auto oder zu Fuß unterwegs waren. Zehn Personen verletzten sich den Zahlen zufolge im Jahr 2018 bei einem solchen Unfall schwer, 55 leicht. Im Jahr zuvor waren die Zahlen noch höher. Besonders viele Unfälle habe es dabei auf Straßen gegeben, auf denen viele Kraftfahrzeuge und Radfahrer unterwegs seien. Die Polizei nennt die Löbauer, die Muskauer und auch die Dresdener Straße.

„Es wäre gut, wenn der Sicherheitsabstand gesetzlich verankert wird“, findet Martin Ritscher. Zudem müsste es regelmäßige Kontrollen geben – und die Zahl der Unfälle würde sich vielleicht verringern.

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