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Mit drei alten Autos fing es an

Jubiläum. Diesen Sommer können Freitals Taxifahrer auf 50 gemeinsame Jahre zurückblicken.

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Von Annett Heyse

Die Eintragung datiert vom 27. August 1956 im Genossenschaftsregister und war ein Routinevorgang. Eine Taxi- und Mietwagengenossenschaft des Kreises Freital wurde registriert, als Gründungsmitglieder stehen Alfred Liebsch, Rudolf Thomas und Walter Starke in der letzten Spalte.

Drei Reserveräder statt Gepäck

Gabriele Klopsch legt die Kopie mit alter deutscher Schreibweise zur Seite, fährt noch einmal mit der Hand darüber, um das Blatt zu glätten. Dann nimmt sie ein Foto aus einem Briefumschlag. Darauf ein dunkler BMW mit seinem Besitzer, vor 50 Jahren schon nicht mehr das allerneueste Modell. „Das ist schon verrückt. Mir kommt es so vor, als wäre es hunderte Jahre her“, sagt sie. Gabriele Klopsch sitzt im Aufenthaltsraum der Freitaler Taxifahrer, vor der Tür stehen zwei elfenbeinfarbene VW und Skoda. Sie ist seit 12 Jahren die Buchhalterin der Genossenschaft, ihr Mann ist einer der Taxiunternehmer. Man könnte auch sagen, die Klopschs sind mit der Genossenschaft verheiratet.

Deshalb haben sie einmal die Unternehmensgeschichte aufgelistet, auf die Freitals Taxifahrer nun zurückblicken können. Los ging es mit drei alten Fahrzeugen. Oft fielen sie mit Schäden aus und mussten von den Fahrern selbst repariert werden. „Es waren damals schwierige Bedingungen. Benzin gab es auf Zuteilung, Autos und Ersatzteile auch. Die Straßen waren miserabel“, hat die Buchhalterin in Gesprächen mit alten Taxifahrern herausgefunden. Für eine Fahrt nach Leipzig beispielsweise packte der jeweilige Chauffeur noch drei Ersatzräder zusätzlich ein, für Gepäck blieb da kaum Platz.

Auch die Adresse in der Dresdner Straße war nicht die Beste. Die Genossenschaft kam unter dem Dach der öffentlichen Toilette unter – eine Trockenkloanlage wohlgemerkt. „In Nebenräumen war die Fahrtenannahme untergebracht. Ab 1963 gab es sogar ein Telefon“, berichtet Gabriele Klopsch.

Trotz abenteuerlicher Umstände wuchs die Genossenschaft schnell. Bereits 1957 hatte sie 36 Fahrzeuge. Heute sind 25 Unternehmen mit 33 Fahrzeugen in ihr organisiert. Bernd Engelhardt ist seit 1991 der Vorstandsvorsitzende und als Fahrer seit Mitte der achtziger Jahre dabei. Vom Vater übernahm er Geschäft, Wagen und Konzession.

Zentrale verteilt Bestellungen

Bedächtig rührt Taxifahrer Engelhardt seinen Kaffee um und erklärt, wie das System funktioniert. Jeder Unternehmer der Genossenschaft arbeitet selbstständig. Dienstpläne sorgen dafür, dass jederzeit mehrere Fahrer im Einsatz sind, vor allem zu Spitzenzeiten wie Silvester oder Heiligabend. Organisatorisch zusammen laufen die Fäden in der Zentrale an der Dresdner Straße. Dort gehen rund um die Uhr die Bestellungen ein und werden über Funk an die Kollegen gemeldet. Vier Disponenten beschäftigt die Genossenschaft und unterhält 14 Taxistände im Stadtgebiet. Vor allen Bahnhöfen, im Weißeritzpark und am Krankenhaus stehen immer Taxen.

„Wir fahren überall hin. Auch wenn es nur kurze Wege sind“, wirbt Bernd Engelhardt. Dabei leisten seine Kollegen auch schon mal Lebenshilfe. Rezepte einlösen, Einkaufstaschen in den dritten Stock tragen – alles kein Problem.