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Mit Ecken ohne Kanten

Sechs Cheftrainer und neun Torhüter – Thomas Köhler hat bei Dynamo viel erlebt. Doch im Juni endet sein Vertrag.

© Lutz Hentschel

Von Tino Meyer

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Ein Buch könnte er schreiben über seine Zeit bei Dynamo, so viel habe er erlebt, sagt Thomas Köhler – und meint damit allein seine Tätigkeit als Torwarttrainer. Der zweite Band wäre das, denn chronologisch betrachtet müsste sich Teil eins zunächst mal mit Köhlers aktiver Laufbahn in Dresden beschäftigen. „Mein halbes Leben bin ich schon hier“, sagt der 47-Jährige, was aus seiner Sicht gefühlt sicher stimmt, im imaginären Buch korrekterweise aber mit elf Spielzeiten angegeben werden müsste.

Seit viereinhalb Jahren kümmert sich Köhler nun um die Torhüter. Oder anders ausgedrückt: sechs Cheftrainer lang. Matthias Maucksch, Ralf Loose und interimsweise Steffen Menze, Peter Pacult, Olaf Janßen und nun Stefan Böger – das ist nicht nur zahlenmäßig beachtlich, dahinter verbirgt sich in Sachen Arbeitsstil und Charakter ziemlich alles, was die Branche bietet.

Doch egal, wer wie was zu sagen hat, Köhlers Grundregel bleibt unberührt: „Ich bin total loyal“, sagt der gebürtige Thüringer, will das aber nicht missverstanden wissen. Ein Abnicker ist er keinesfalls. „Ich versuche mich einzubringen, habe die Fußballlehrerlizenz und schon selbst Mannschaften trainiert. Ich denke, halbwegs einen Plan habe ich auch“, erklärt Köhler, der beim Trainerlehrgang 2004 übrigens neben Jürgen Klopp saß. Und er verweist unter anderem auf seine Doppelfunktion, als er von 2010 bis 2013 zudem Dynamos Reserve-Team betreut hat.

Viele Kapitel voller Verletzungen

Viereinhalb Jahre Köhler bedeuten aber auch neun verschiedene Torhüter im Profi-Kader. Eine ungeheuer große Zahl ist das, erst recht auf dieser von Konstanz und Kontinuität geprägten Position. Seitenfüllende Kapitel würde Köhler also schreiben können, die immer wieder von Verletzungen erzählen und im Fall von Dennis Eilhoff gar im Karriere-Ende gipfeln.

Für Köhler hat das wenig mit Pech zu tun, sondern eher mit dem erhöhten Risiko, dem Torhüter schon im Training ausgesetzt sind. An das Gefühl einer gebrochenen Hand, wie es Benjamin Kirsten derzeit erlebt, kann auch er sich noch gut erinnern. Der Tritt von Matthias Sammer während seiner Anfangszeit als Aktiver in Dresden Ende der 1980er-Jahre hat Köhler sechs Wochen Gips beschert – und der Vorfall sicher das Potenzial für eine schöne Anekdote im ersten Buchband.

Kirsten dagegen, das Spieler-Pendant zu Köhler und sogar bereits seit 2008 bei Dynamo, hat nach vier Wochen schon wieder Bälle fangen können. Nach der gestrigen Untersuchung darf er nun vollständig ins Mannschaftstraining einsteigen. Kirstens damit vergleichsweise kurzer Ausfall ist für Köhler jedoch auch rückblickend noch einmal die Bestätigung, „dass es gut ist, immer drei Torhüter im Kader zu haben“.

Was er nicht sagt: Zuletzt sind es bei Dynamo oft vier gewesen, auch jetzt wieder im Trainingslager in San Pedro del Pinatar. Während dies in der Vergangenheit jedoch meist auf Managementfehler zurückzuführen war, kann man die aktuelle Personalsituation zwischen den Pfosten fast schon als Luxus bezeichnen. Mit Kirsten und Markus Scholz sowie den im Laufe der Hinrunde verpflichteten Patrick Wiegers hat Dynamo drei Torhüter, die allesamt schon in der zweiten Liga gehalten haben und den Anspruch vertreten, die Nummer eins zu sein. „Das ist ein Konkurrenzkampf wie auf jeder anderen Position. Dem müssen sich alle stellen, auch die Torhüter. Doch wir können uns glücklich schätzen, dreieinhalb so gute Torhüter zu haben“, sagt Köhler.

Denn außerdem gibt es ja noch den 16-jährigen Markus Schubert, der im Sommer ein Angebot von RB Leipzig ablehnte. Dynamos vermeintlicher Mann für die Zukunft ist im Trainingslager erstmals öffentlich in Erscheinung getreten – und hat einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Spätestens in zwei Jahren, meint Köhler, könne Schubert zu den Profis aufrücken. „Er hat ein Riesenpotenzial.“

Die nahe Zukunft beginnt allerdings bereits jetzt – für Kirsten, Wiegers, Scholz und auch Köhler. Ihre Verträge laufen im Sommer allesamt aus. „Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich gern mit den Torhütern arbeite und gern bei diesem Verein bin“, erklärt der Torwarttrainer vielsagend. Ein paar Kapitel können schon noch dazukommen, ehe er vielleicht tatsächlich mit dem Aufschreiben beginnt.

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