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Mit Eulen auf Kuschelkurs

Zoomitarbeiterin Kerstin Kunadt hat zwei Sperbereulen mit der Hand aufgezogen. Von Weibchen Olga muss sie sich nun trennen.

Von Juliane Richter

Wenn Olga und Sascha morgens um 5 Uhr nach Futter schreien, ist an Schlaf nicht mehr zu denken. Dann flitzt Zoomitarbeiterin Kerstin Kunadt durch ihr Haus und füttert zerteilte Mäuse oder Küken an die beiden Sperbereulen. Wirklich übel kann sie den beiden die morgendlichen Schrei-Attacken nicht nehmen. Zu sehr sind sie ihr ans Herz gewachsen.

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Seit dem 22. April zieht sie die beiden mit der Hand auf. Die Eulenmutter war an diesem Tag verstorben, vermutlich wegen zu großer Strapazen. Denn statt der üblichen vier bis acht Eier hatte sie zwölf Eier abgelegt. Daraus schlüpften fünf ständig hungrige Küken. Zu viel für die Mutter. Auch zwei ihrer Küken überlebten nicht, ein weiteres wird nun in einer Einrichtung für Flugshows aufgezogen.

Olga und Sascha haben es bei Kerstin Kunadt ganz gut getroffen. Auf alle Fälle ist auch Abwechslung garantiert. Tagsüber sind die beiden mit im Vogelrevier im Dresdner Zoo, und am Nachmittag nimmt die 49-Jährige sie dann mit nach Hause. Dort dürfen sie im Haus umherfliegen. Dabei hat sich mittlerweile eindeutig gezeigt, dass der Junge ein wenig das Nachsehen hat. Ihm fehlt es im Vergleich zur Schwester noch deutlich an Körpermasse.

„Wenn er sich nicht zu einer richtigen, ausgewachsenen Eule entwickelt, dann bleibt er eventuell bei mir“, sagt Kerstin Kunadt. Denn so ein Mickerling, wie sie ihn liebevoll nennt, hätte in einem anderen Zoo wohl kaum Chancen. Zumal die Weibchen unter den Sperbereulen ohnehin immer etwas größer sind. Dass er sich gegen ein kräftiges Weibchen ausreichend behaupten kann, bezweifelt die Zoomitarbeiterin. Einen viel fitteren Eindruck macht hingegen Schwester Olga. Die ist nahezu ausgewachsen und mittlerweile eigenständig. Für sie sieht sich der Zoo mittlerweile nach einem Platz in einer anderen Einrichtung um. In Dresden kann sie nicht bleiben, weil die Fortpflanzung mit dem Vater, der schon seit vielen Jahren im hiesigen Zoo lebt, verhindert werden soll. Stattdessen wollen sich die Mitarbeiter nach einem anderen Weibchen auf die Suche machen und dann noch einmal die Zucht auf lange Sicht probieren.

In der freien Wildbahn kommen die Sperbereulen in Nadelwäldern von Norwegen bis Kamtschatka sowie in Alaska und Kanada vor. Dort ernähren sie sich hauptsächlich von kleinen Wirbeltieren, die sie tagsüber jagen.