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Mit Fernglas und Kamera hinaus in die Natur

Am Wochenende bauten die Naturschützer aus der Region auf dem Görziger Sportplatz zum 50. Mal ihr Zeltlager auf.

Von Manfred Müller

Es war, als wollte selbst die Natur der Feldstation zum 50. Jahrestag gratulieren. Während die Teilnehmer am Samstagmorgen aus ihren Zelten krabbelten, kreiste überm Görziger Sportplatz ein Schwarzstorch. Die versteckt lebenden Tiere bekommt man nur sehr selten zu Gesicht. Schnell waren die Kameras gezückt, um die außergewöhnliche Begegnung festzuhalten. Mit 59 Teilnehmern war die Jubiläumsveranstaltung in Görzig außerordentlich gut besucht. „Nach der Wende sind so viele Traditionen den Bach runtergegangen“, sagt Organisations-Chef Thomas Kramp. „Unsere nicht.“ Die Erfinder der Feldstation sind der 79-jährige Konrad Eichhorn und der 71-jährige Werner Hanisch. Die beiden Enthusiasten aus Zabeltitz wollten etwas von ihrer Liebe zur Natur an die Schüler im Ort weitergeben. Sie gründeten deshalb in den 1960er Jahren die Arbeitsgemeinschaft „Junge Naturforscher“, die sich vor allem dem Aufbau von Nistkastenrevieren im Röderauwald widmete. Das Material wurde aus Schuttlöchern zusammengesucht, alte Nägel geradegeklopft. Dann ging es, die Leiter auf dem Rücken, mit dem Rad und dem Fahrradanhänger in den Wald. Anschließend wurden die selbst gebauten Nistkästen in Zabeltitz, Raden und Bauda straff kontrolliert und die Brutergebnisse protokolliert. „In den 1980er Jahren machte unsere Jugendgruppe eine Auszeichnungsreise zur zentralen Naturschutz-Lehrstelle in Graal-Müritz“, erinnert sich Konrad Eichhorn. „Dort wurde ein Foto gemacht, das anschließend auf allen Bahnhöfen hing.“

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Vor dem Start zur Exkursion: Die Teilnehmer der Nabu-Feldstation hatten diesmal ihr Camp auf dem Görziger Sportplatz aufgeschlagen.Fotos: K.-D. Brühl
Vor dem Start zur Exkursion: Die Teilnehmer der Nabu-Feldstation hatten diesmal ihr Camp auf dem Görziger Sportplatz aufgeschlagen.Fotos: K.-D. Brühl

Irgendwann genügten den jungen Leuten die zwei bis drei Wochenstunden in der Natur nicht mehr. Sie wollten ein bisschen mehr Abenteuer – auch mal bei Nacht draußen bleiben. Und so entstand der Gedanke, einmal im Jahr ein gemeinsames Zeltlager zu veranstalten. Zu Pfingsten 1965 wurde zum ersten Mal draußen übernachtet. Das Grundanliegen der Feldstation ist über die Jahrzehnte gleich geblieben – junge Menschen für den Naturschutz zu begeistern. Aber mit den Jahren kam auch eine fachliche Komponente hinzu. Es wurden viele Daten erhoben, die der Ausweisung von kleinen Schutzgebieten, sogenannten Flächennaturdenkmalen, dienten. Die Initiatoren gewannen für die Exkursionen viele Fachleute, die ihr Wissen über die gefundenen Pflanzen und Tiere an die Teilnehmer weitergaben.

Ob Schmetterlinge, Vögel, Fische, Lurche, Fledermäuse oder Biber – immer findet sich ein Experte, der Interessantes und Wissenswertes über die Art zu berichten weiß. Der wissenschaftliche Anspruch der Feldstationen ist über die Jahre noch ausgebaut worden. Dem trägt ein straff organisiertes Programm Rechnung. Tagsüber geht es vom Zeltlager aus in mehreren Gruppen zu Fuß in ausgewählte Zielgebiete. Die Beobachtungen werden festgehalten und später ausgewertet. Wenn die Witterung günstig ist, gibt es abends sogenannte Nachtfänge, etwa zur Bestimmung von Faltern oder zur Beringung von Fledermäusen.

Die naturwissenschaftliche Feldstation wird von Ende Mai bis Anfang Juni in der Nähe von ökologisch besonders wertvollen Flecken am Röderlauf errichtet. Es gibt sieben Stammplätze zwischen Großenhain und Tiefenau, dann beginnt der Rhythmus wieder von vorn. „Es hat sich über die Jahre schon allerhand verändert“, erzählt Thomas Kramp. „Früher wurde im Gemeinschaftszelt mitten im Naturschutzgebiet übernachtet – heute hat jeder sein eigenes Zelt, und wir suchen uns einen Platz außerhalb der geschützten Zonen. Wir wollen Vorbilder sein.“

Ein bisschen Luxus muss sein

Die Feldstation verfügt heute über Wasser- und Stromanschluss, ein Toilettenhäuschen und bekommt das Abendessen von einer Cateringfirma geliefert. Auch wenn das Lagerfeuer aus Brandschutzgründen heute in einer Feuerschale entzündet werden muss – ein Hauch von Abenteuer ist dem Camp trotzdem erhalten geblieben. „Auf einer der Exkursionen habe ich meinen ersten Wespenbussard abgelichtet“, erinnert sich Naturfotograf Friedheim Richter. „Unsere Feldstation ist immer für eine Überraschung gut.“