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Hoyerswerda

Mit Flex, Meißel, Fäustel und Knüpfel

Bei Hoyerswerdas Bildhauersymposium ist Marcel Müller Mitorganisator und nebenbei selbst ein bisschen formend tätig,

Der Fäustel sieht im Grunde aus
wie ein Hammer.
Marcel Müller
benutzt ihn für
gröbere Arbeiten.
Der Fäustel sieht im Grunde aus wie ein Hammer. Marcel Müller benutzt ihn für gröbere Arbeiten. © Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Im weitläufigen Park des Hoyerswerdaer Seenland-Klinikums steht eine Skulptur aus Stein und Holz, die hoch aufragt. Unten findet sich eine Öffnung, ein sogenanntes Summ-Loch. 

Man kann sich hinknien, den Kopf hineinstecken, vor sich hin summen und die Resonanz auf sich wirken lassen. Steinbildhauer-Meister Marcel Müller hat einen weiteren Summ-Stein auf Basis eines Findlings für einen Spielplatz im heimischen Groß Särchen gefertigt. Und dann steht da im Hof des Hoyerswerdaer Schlosses diese steinerne Sitzbank. Als Müller beim 11. Internationalen Bildhauersymposium vor drei Jahren mit dem jetzt im Klinikums-Park stehenden Kunstwerk fertig war, hatte er noch etwas Zeit. Also machte er sich daran, aus Resten von Postaer Sandstein die besagte Bank zu fertigen. Es gab seither immer mal Nachfragen im Schloss, ob man sie kaufen kann. Die aktuelle Antwort lautet: Kann man nicht! Aber Marcel Müller hat sich diese Woche damit beschäftigt, eine zweite Bank anzufertigen. Der moldawisch-österreichische Bildhauer Dumitru Verdianu brauchte für sein „Entenküken“ deutlich weniger Material als zur Verfügung stand. Die Bank fällt quasi ab.

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Marcel Müller ist dieses Jahr kein offizieller Teilnehmer des Symposiums, sondern einer der Mitorganisatoren. So, wie Jürgen von Woyski einst auf den Lautaer Steffen Springer setzte, ist Müller nun für seine Bildhauer-Kollegen da. Werden neue Flex-Blätter gebraucht, organisiert er sie. Muss das schwere Material bewegt werden, fasst er mit zu oder ordert einen Kran. Und für die Elftklässler des Foucault-Gymnasiums, die mit den Profis gemeinsam tätig sind, greift er schon mal zur Flex, wenn grobe Arbeiten zu erledigen sind. „Er ist eine große Hilfe“, sagt Lehrerin Ines Lenke.

Marcel Müller hat die letzten Tage im Zoo genossen. „Die Atmosphäre ist sehr entspannt“, findet der 41-Jährige. Morgens etwa treffen sich alle Bildhauer zum gemeinsamen Frühstück im Schlosshof. Am Donnerstag ging es am Abend zum Italiener im Ratskeller. Und die Gäste sind alles andere als fordernd, kümmern sich auch schon mal selbst. Als beispielsweise Olaf Klepzig ein Werkzeug fehlte, machte er sich mir nichts dir nichts auf den Weg zum Globus-Baumarkt und zu Manderscheid. Also hat Marcel Müller Freiräume für die Bank. Er arbeitet natürlich mit der Flex, aber auch mit Meißel und Fäustel – oder mit Meißel und Knüpfel. Während der stählerne Fäustel mit größerer Kraft auf den Meißel trifft, ist der hölzerne Knüpfel eher etwas sanfter. „Man kann also feiner arbeiten“, erklärt Marcel Müller. Für die richtigen Formen sorgen Zahneisen und Spitzeisen. 

Im Gegensatz zu den „offiziellen“ Symposiumsteilnehmern hat Müller sich für seine Bank kein Modell gefertigt – wobei das Vorbild ja gewissermaßen im Schlosshof steht. Unterschied: Der nun verwendete Reinhardtsdorfer Sandstein ist weicher als der Postaer von 2016, lässt sich also leichter bearbeiten. Was man von den Sandstein-Plastiken jedoch generell nicht sagen kann, ist, dass sie leicht wären. Nicht einmal die Schüler-Arbeiten sind einfach anzuheben. Marcel Müllers Bank, schätzt ihr Schöpfer, wiegt wohl eine gute Tonne.

Die öffentliche Finissage des 12. Internationalen Bildhauersymposiums beginnt am Montag, dem 1. Juli, um 16 Uhr. Treffpunkt dazu ist das Schloss am Schloßplatz 1.