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Mit Ford Focus durch die Wüste

Mit zwei betagten Autos fahren vier junge Männer aus Hartha bis nach Gambia. Ganz für den guten Zweck.

Von Marvin Graewert
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Adrian Koch und seine Freunde habe für beide Kombis weniger als 500 Euro bezahlt. Dementsprechend viel gab es zu tun.
Adrian Koch und seine Freunde habe für beide Kombis weniger als 500 Euro bezahlt. Dementsprechend viel gab es zu tun. © Lars Halbauer

Hartha. Mit dem alten Ford aus der Garage bis nach Gambia fahren – so eine Idee kann einem nur während einer süffigen Bierrunde kommen. Doch für die vier Freunde aus Hartha und Geringswalde ist es alles andere als eine Schnapsidee: Innerhalb von zwei Monate machen sie zwei betagte Ford-Fokus TÜV-fertig, bauen in den Kofferraum ein Bett ein und aufs Dach einen Gepäckträger. Die Reise kann losgehen.

Ihre Route führt über Straßen, die bis vor kurzen nur mit Militärkolonne zu befahren waren, durch die Sahara und eine Bundesstraße, die bei Flut überspült wird – insgesamt 7.000 Kilometer. Doch aus dem Mund von Adrian Koch klingt es, als planen sie einen Italienurlaub.

Dass Sandro Voland, Samuel Wüst, Thomas Grüpner und Adrian Koch so entspannt auf den Roadtrip blicken, liegt zum einen daran, dass sie sich blind aufeinander verlassen können und zum anderen, weil sie die Rallye nicht alleine meistern müssen. Gemeinsam mit 50 anderen Teams nehmen sie im März an der „Dresden-Dakar-Banjul“-Challenge teil. Mit dem Ziel, innerhalb von drei Wochen die gambischen Hauptstadt Banjul zu erreichen. „Das wird ganz schön eng“, erzählt Koch grinsend.

Die Autos müssen in Afrika bleiben

Denn damit das funktioniert, müssten sie jeden Tag mindestens 500 Kilometer zurücklegen. Ganz schön schwierig, schließlich soll es bei den Stopps in Frankreich, Spanien, Marokko, Mauretanien und Senegal nicht zu kurz kommen, mit „der ganzen Autokolonne die Strände zu bevölkern“.

Solange alle ankommen, gibt es keine Regeln. „Doch als Anfänger werden wir uns an die empfohlene Strecke halten“, erklärt Koch. Denn auch, wenn alle vier Teammitglieder in der Automobilindustrie arbeiten und es im Team Stock-Car und Auto-Cross-Erfahrung gibt, warten auf einer solchen Mammut-Rallye ganz neue Herausforderungen.

Luxus sieht anders aus: Für drei Wochen wird ihr Schlafplatz so aussehen.
Luxus sieht anders aus: Für drei Wochen wird ihr Schlafplatz so aussehen. © privat

Allein zum Vergnügen sind die Jungs aber nicht unterwegs: Ihre Mission ist es, die hergerichteten Kombis in Gambia zu versteigert. Die Erlöse fließen in Projekte vor Ort. Zum Beispiel in eine Schule, eine Tischlerei und natürlich eine Kfz-Werkstatt. Wohin genau, das entscheiden die Teilnehmer direkt vor Ort, nachdem sie Führungen durch die verschiedensten Hilfsprojekte bekommen haben.

Doch bis es losgeht, wartet in Hartha noch jede Menge Arbeit. Zumindest fianziell fielen die beiden Fords da gar nicht so sehr ins Gewicht. Nicht mal 500 Euro haben die beiden Autos gekostet, die schon fast zwanzig Jahre und jeweils 300.000 Kilometer auf dem Buckel haben – da waren sogar die Startgebühr und die vielen Impfungen teurer.

Bei so günstigen Autos musste umso mehr Arbeit in Umbau und Instandsetzung gesteckt werden: Allein der Unterbodenschutz musste komplett erneuert werden, um den Strapazen in der Wüste standzuhalten. Dafür haben sie sogar eine Halle in Hartha angemietet.

Denn auch, wenn die beiden Autos bald nur noch auf gambischen Straßen unterwegs sind, brauchen sie zum Rallye-Start TÜV. Doch die vier jungen Männer liegen gut in der Zeit. Das erste Auto hat die Plakette schon bekommen – beim zweiten fehlt nur noch der letzte Schliff.

Zumindest die schwierigste Aufgabe ist jetzt schon geschafft. Ihre Eltern haben sich mittlerweile an den Gedanken gewöhnt, ihre Kinder drei Wochen lang auf unbefestigten Straßen zurückzulassen.

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