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Mit Geduld und ganz viel Wärme

Maik sitzt zeitlebens im Rollstuhl. Der Zwölfjährige friert schnell, besonders im Winter. Doch Hilfe ist dank Lichtblick in Sicht..

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Von Carina Brestrich

Maik braucht Wärme. Mehr als andere sie brauchen. Eingepackt in einen kuscheligen Hausanzug sitzt der Zwölfjährige aus Herwigsdorf im Rollstuhl. Sein Kopf wird durch eine spezielle Stütze gehalten. Trotz der dicken Wollschicht ist zu sehen, wie zerbrechlich-dünn der Körper des Jungen ist. Maik ist spastisch gelähmt. Sein Körper würde ohne die wollene Schutzschicht in kürzester Zeit auskühlen. Gerade jetzt im Winter, kann man ihn gar nicht genug einpacken, sagt seine Mutter Annegret Rötschke und fährt ihm durch das dunkelblonde Haar. Deshalb hat die 40-Jährige einen Wunsch für ihren Sohn. Doch den zu erfüllen, dafür war bisher das Geld nicht da.

Auf dem Küchentisch liegt ein Katalog mit Funktionskleidung für Rollstuhlfahrer. Er ist noch von der letzten Wintersaison. Schon im vergangenen Jahr hat Annegret Rötschke daraus einen beheizbaren Thermo-Schlupfsack herausgesucht. Der sieht aus wie ein Schlafsack, ist speziell isoliert und hält die Kälte fern. Ein schwarzes Modell soll es sein, für rund 370 Euro. „Dieses Jahr ist das Teil sogar noch teurer als voriges Jahr“, sagt Michael Wagner. Dabei wäre ein solcher Thermosack eine große Erleichterung. „Maik ist immer dabei, wenn wir unterwegs sind“, sagt Annegret Rötschke. Erst kürzlich war sie mit Maik und den beiden Schwestern, der zweijährigen Else und der siebenjährigen Sarah, auf dem Weihnachtsmarkt in Reichenbach. „Maik will nicht immer nur rumstehen in seinem Rollstuhl. Er wird unruhig, wenn wir immer nur an einem Ort sind. Er will Bewegung“, sagt Annegret Rötschke.

Der Start ins Leben war für ihren Sohn alles andere als problemlos: Maik kam per Notkaiserschnitt als Zwillings-Frühchen zur Welt, mehr als zwei Monate zu früh. Sein Bruder starb noch vor der Geburt. Als Maik geholt wird, müssen ihn die Arzte wiederbeleben. Ein dreiviertel Jahr konnten Annegret Rötschke und Michael Wagner ihr Kind nicht mit nach Hause nehmen. „Später erfuhren wir, dass unser Sohn eine Gehirnblutung hatte“, sagt Michael Wagner. Seitdem ist Maik körperlich und geistig behindert, kann nicht sprechen. Nur über seine Mimik, über Laute und sein Lachen oder Weinen ist ablesbar, wie es ihm geht. „Außerdem ist sein Sehvermögen sehr schwach“, sagt Annegret Rötschke.

Die 40-Jährige gelernte Hotelfachfrau ist mit Maik und Else zu Hause, geht nicht arbeiten, bekommt Hartz IV. Sie will rund um die Uhr für ihren Sohn da sein. „Maik braucht mich mehr als die anderen Kinder. Das ist nun mal so“, sagt sie. Einzig wenn Maik in der Schule in Großhennersdorf ist, kann sie sich anderen Dingen widmen, mit Else spielen, den Haushalt machen, einkaufen gehen. Manchmal hilft sie anderswo als Babysitter aus. Ihr Lebensgefährte und Vater von Maik, Michael Wagner, ist selbstständig, hat ein Abriss- und Reparaturunternehmen. Nebenbei kümmert er sich um das teils baufällige Haus in Herwigsdorf.

Dort wohnt die Familie seit fast fünf Jahren. Michael Wagner hat das Obergeschoss ausgebaut, einen Treppenlift eingebaut, ein Bad eingerichtet. Das größte Zimmer hat Maik bekommen. Drinnen steht ein behindertengerechtes Bett. Ein Stehständer, der Maik hilft zu stehen. Und eine Art Fahrrad, auf dem Maik festgemacht wird, damit seine Gliedmaßen bewegt werden können. „Wir versuchen, alles zu ermöglichen, damit Maik gut versorgt ist“, sagt Michael Wagner. Erst vor Kurzem stand die Jungfernfahrt mit dem neuen Schlitten an, den Maik bekommen hat. Er lässt sich im Schnee einfacher bewegen als ein Rollstuhl.

Viel von Maiks behindertengerechter Ausstattung hat die Krankenkasse ermöglicht, sagt Annegret Rötschke: „Wir haben da wirklich Glück.“ Vieles habe aber auch die Familie für Maik aus eigener Kraft geschaffen, sagt Michael Wagner. Das ist den beiden Eltern wichtig. Sie haben gelernt, dass man für vieles Geduld braucht. Und Maik hat das auch. So wird die Familie noch ein paar Jahre sparen, bis sie das Schienen-System für die Zimmerdecken bauen können, um Maik leichter von Raum zu Raum zu schieben. Nur ein Thermo-Schlupfsack, der wäre gerade jetzt nötig, wenn es kalt ist. Die Stiftung Lichtblick der Sächsischen Zeitung hilft in solchen Fällen schnell und unkompliziert. Aus dem Spendentopf wird Maiks neuer Thermo-Schlupfsack bezahlt. Maiks Mutter ist dankbar, wird ihn sofort bestellen: „Damit er auch rechtzeitig zu Weihnachten da ist.“