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Mit heiligem Dippold auf Tour

Dippoldiswalde. Ein neues touristisches Angebot gibt interessante Einblicke in das Leben und die Geschichte der Kreisstadt.

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Von Karin Grießbach

Der Mann mit langem weißen Bart sieht zwar gebrechlich aus, aber er schafft etliche Kilometer übers Dippser Pflaster und kann dabei noch unendlich viel reden. „Beim Stadtrundgang mit den Frauen von der Freiwilligen Feuerwehr Dippoldiswalde konnte ich selbst alteingesessenen Dippserinnen noch viele unbekannte Dinge über ihre Heimatstadt erzählen“, berichtet Dietmar Schulze. Er ist einer der beiden ehrenamtlichen Fremdenführer, die im Gewand des heiligen Dippold Besuchern und Einheimischen geschichtsträchtige Plätze und Gassen der Kreisstadt zeigen. „Täglich laufen viele Leute auf dem Kirchplatz über eine im Boden eingelassene Metallplatte hinweg. Nur wenige haben dabei die Inschrift bemerkt oder sie gar gelesen“, ist Wolfgang Ruhmich, der Zweite im Bunde, sicher. Sie gibt Auskunft darüber, dass an diesem Platz 1637 Kirchenglocken gegossen wurden.

Auch Ruhmich ist manchmal als Dippold unterwegs. „Die Idee für den Fremdenführer im Gewand des Namenspatrons unserer Stadt hatte Bürgermeister Ralf Kerndt. Er hat uns auch angesprochen“, berichten die Dippser unisono. Im Rahmen einer ABM-Stelle hatte Dietmar Schulze schon an der Erarbeitung einer im vergangenen Jahr erschienenen Chronik der Kreisstadt mitgearbeitet und sich so intensiv mit deren Geschichte beschäftigt. Er wollte die doch sehr zeitintensive Aufgabe eines Stadtführers aber nicht allein übernehmen. Vor der Wende arbeitete er mit Wolfgang Ruhmich im gleichen Betrieb, und so wurde aus den beiden ehemaligen Arbeitskollegen viele Jahre später wieder ein Team.

Im historischen Gewand

Veronika Wachholz, Inhaberin eines ortansässigen Modegeschäftes, und ihre Mutter Barbara nähten das Gewand. Als Vorlage dienten alte Schriften und die Figur, die gleich hinter dem Rathaus auf dem Kirchplatz steht. Dreieinhalb Meter blauer und einen halben Meter gelber Stoff wurden verarbeitet.

Ihren ersten Auftritt hatten die neuen Fremdenführer zum diesjährigen Stadtfest. Der Rundgang beginnt natürlich beim historischen Vorbild auf dem Kirchplatz. Dort bekommen die Besucher die Sage von dem Einsiedler erzählt, der in der Dippoldiswalder Heide vor sehr langer Zeit einmal gelebt haben soll und zum Namensgeber der Kreisstadt wurde.

Viele interessante Geschichten können die Fremdenführer ihren Zuhörern auch darüber erzählen, welche Bedeutung Schuh-, Bader- oder Wassergasse früher hatten. „Dippoldiswalde hat so viele interessante Plätze zu bieten, dass man den Rundgang locker über mehrere Stunden ausdehnen könnte“, erzählt Ruhmich. Aber keine Angst, auch wenn die beiden agilen Vorruheständler sich mit Fußball und Fahrradfahren fit halten, dauert ein Rundgang nicht länger als 90 Minuten und beschränkt sich im Wesentlichen auf den historischen Stadtkern. „Auch mit zu vielen Jahreszahlen darf man die Leute nicht bombardieren. Da schalten die Zuhörer schnell ab“, hat Dietmar Schulze festgestellt.

Viel spannender sind kleine Geschichten, wie die vom Wassermeister, der früher, als die Häuser noch nicht über eine eigene Wasserleitung verfügten, über die Sauberkeit an der Hauptschöpfstelle auf dem Obertorplatz wachte. Wenn Wolfgang Ruhmich mit Schulklassen unterwegs ist, passt er seine Ausführungen natürlich auch dem Alter der Zuhörer an.

Die Hitze der letzten Tage verlangte den beiden Stadtführern allerdings großes Durchhaltevermögen ab. „Unter dem blauen Gewand, der weißen Perücke und mit dem langen Bart kommt man schon nach wenigen Metern mächtig ins Schwitzen“, erzählt Dietmar Schulze. Aber Dank ihrer guten Kondition haben die beiden neuen Stadtführer auch diese Hürde bisher erfolgreich gemeistert.

Wer sich vom heiligen Dippold einmal die Stadt zeigen lassen möchte, kann sich entweder telefonisch im Bürgerbüro im Dippoldiswalder Rathaus melden

( 03504/6 49 00) oder direkt aber direkt bei Herrn Wolfgang Ruhmich

03504/61 31 84; oder Dietmar Schulze 03504/61 30 98