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Mit Hochzeitsnacht altes Haus eingeweiht

Bertsdorf-Hörnitz. Seit fünf Jahren wohnt Familie Goldberg in einemkleinen Umgebindehaus an der Oberen Dorfstraße.

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Von Jan Lange

Zuerst wollten die Goldbergs das alte Umgebindehaus nicht übernehmen. Inzwischen ist die Bertsdorfer Familie aber froh, den Schritt doch gewagt zu haben. Fünf Jahre ist dies nun her. Zuvor lebte Andre Goldbergs Urgroßvater in dem Haus. „Nach seinem Tod 1998 wollte mein Großvater das Umgebindehaus eigentlich verkaufen“, erzählt der gelernte Zimmermann, der zurzeit eine zweijährige Umschulung zum Feinwerkmechaniker absolviert.

Doch Werner Goldberg, der in Bertsdorf ein eigenes Umgebindehaus besitzt, fand keinen Käufer. Ein Grund war sicher auch der ziemlich schlechte Zustand des Gebäudes. „Seit dem Krieg ist nichts mehr daran gemacht worden“, ist sich Andre Goldberg sicher. Doch weiter verfallen sollte das unter Denkmalschutz stehende Haus auch nicht. So wurde ein Familienrat einberufen, alle Mitglieder stellten sich vor das Umgebindehaus und überlegten, was mit dem Besitz passieren könnte. „Meine Mutter bot es allen Kindern an“, berichtet der 27-Jährige weiter. „Ich übernahm es dann schließlich.“ Als Andre Goldberg 19 Jahre alt war, wollte ihm seine Mutter schon einmal das uralte Haus überschreiben. „Damals fühlte ich mich aber noch zu jung, lebte außerdem allein und hatte noch keine eigene Familie“, so der Bertsdorfer.

Nach der Übernahme wurden im Flur erst einmal 20 Zentimeter vom Fußboden entfernt und in der Wohnstube die Hälfte der Deckenbalken rausgenommen, damit An-dre Goldberg, der immerhin 1,85 Meter misst, überhaupt aufrecht laufen kann. An die erste Nacht im neuen Domizil kann er sich noch gut erinnern, schließlich war es gleichzeitig seine Hochzeitsnacht. „Nachdem wir erst einmal alles entrümpelt hatten, begannen wir mit der Sanierung des Schlafzimmers, da dies der kleinste Raum war“, erzählt der 27-Jährige.

Doch die Arbeiten dauerten knapp zwei Monate – länger als erwartet –, da der Einschub unterm Fußbodenbelag total morsch war und komplett entfernt werden musste. Ihre Hochzeitsnacht wollten die beiden aber unbedingt hier verbringen, auch wenn das Umgebindehaus noch eine reine Baustelle war und das Schlafzimmer im Obergeschoss nur über eine Leiter erreicht werden konnte.

In den folgenden Monaten wurde dann Zimmer für Zimmer erneuert. Das wichtigste war dabei aber ein Bad – bisher verfügte das Umgebindehaus nur über eine einzige Waschstelle in der Wohnküche. „Während des Einbaus gab uns nur Duschkabinen im Flur“, erinnert sich Cornelia Goldberg. „Mein Mann war der einzige, der damit zurecht kam.“ Was fehlte, war aber nicht nur ein Bad. Auch eine Heizung mussten die Goldbergs erst einmal einbauen, zudem die Elektrik im gesamten Haus erneuern und sämtliche Fenster auswechseln. „Auf der Giebelseite wollte ich eigentlich Plastefenster haben, aber da machte der Denkmalschutz nicht mit“, erzählt der gebürtige Bertsdorfer, der nach über 15 Jahren Waltersdorf und drei Jahren Großschönau nun wieder in seinen Geburtsort zurückgekehrt ist.

Auch wenn die Goldbergs seit Weihnachten 2000 in dem Bertsdorfer Umgebindehaus wohnen, sind die Umbauarbeiten noch nicht beendet. Nachdem der Hausherr im Herbst vorigen Jahres die Gartenseite verputzt hatte, soll nun noch ein Pflasterweg ums Haus entstehen. „Im Juli mache ich zwei Wochen Urlaub, das muss langen.“