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Mit klarem Verstand und wenig Herz

Sachsens CDU springt mit dem Ja zu Kenia über ihren Schatten. Viele Politiker haben dennoch Probleme mit dem Kompromiss, kommentiert Gunnar Saft.

Von Gunnar Saft
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©  [M] dpa / SZ

Die sächsische CDU musste diesmal über ihren Schatten springen – und sie sprang. Das erfolgreiche Votum, bei dem die Delegierten eines Sonderparteitages für eine künftige Regierungskoalition mit den Grünen und der SPD stimmten, ist kein überraschendes Ergebnis, dafür aber ein recht mühevolles.

Wie keine andere Partei stand der offizielle Gewinner der Landtagswahl vor dem Dilemma, dass ihm zum Weiterregieren nur eine realistische Option bleibt: Ein Dreierbündnis, zu dem neben dem bisherigen Koalitionspartner SPD erstmals auch die Grünen gehören. Etliche streng konservative CDU-Politiker im Freistaat empfinden das als Zumutung, da sie in den Grünen jahrzehntelang den klaren Gegenpol zu den eigenen politischen Auffassungen sahen. An den Gedanken, die kommenden fünf Jahre gemeinsam zu regieren, müssen sich viele Christdemokraten erst noch gewöhnen.

Doch davon, wie stark Sachsens Dauerregierungspartei inzwischen auf Unterstützung angewiesen ist, zeugt nicht zuletzt der ausgehandelte Koalitionsvertrag. Grüne und SPD punkten dort deutlich mehr. Der CDU bleibt vor allem die Genugtuung, weiter den Regierungschef zu stellen sowie die Verantwortung für die meisten Schlüsselministerien behalten zu haben. Unterm Strich ist das recht wenig, um mit großer Begeisterung für Kenia zu stimmen. Wer allerdings im CDU-Lager die Situation nach der Wahl emotionslos analysiert, weiß, dass man sich für die bestmögliche Lösung entschieden hat.

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