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Mit Kunststoffnetzen gegen Leistenbrüche

Beim Gesundheitsforum im Radeberger Krankenhaus wird es spannende Informationen über neue Operationsmethoden geben.

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Von Jens Fritzsche

Die Chancen, einen Leistenbruch zu erleiden, stehen sarkastisch gesagt für so ziemlich jeden Mann bestens. Leistenbrüche – und überhaupt Brüche der Bauchdecke – gehören zu den häufigsten Problemen der Deutschen. Deshalb wird Dr. Alojs Hantusch, der Chefarzt der Chirurgie der Radeberger Asklepios-ASB Klinik, im Rahmen des nächsten Gesundheitsforums des Krankenhauses am 3. Februar genau über dieses Thema sprechen. Die SZ traf den Radeberger Chirurgie-Chef vorab.

Herr Dr. Hantusch, was macht denn Leistenbrüche so spannend, daraus einen Vortragsabend zu machen?

Wir haben das Thema gewählt, weil die Behandlung von Leistenbrüchen deutschlandweit die häufigsten operativen Eingriffe sind. 220 000 Operationen pro Jahr sind in Deutschland Leistenbruch-Operationen. Sie sind damit wesentlich häufiger als beispielsweise Blinddarm-OPs – mit 138 000.

Auch in Radeberg?

Natürlich, das gilt auch bei uns. Wir absolvieren hier jedes Jahr gut 150 Leistenbruch-Behandlungen – das heißt also, wenn man die Wochenenden abrechnet, nahezu jeden Tag eine OP.

Wie kommt es zu dieser Häufigkeit? Eltern erklären ihren Kindern ja immer, sie sollen nicht so schwer heben, weil sie sich sonst einen Bruch heben… Übernehmen wir uns also zu sehr?

Nein, diese landläufige Meinung ist nicht richtig. Wer hart arbeitet, trainiert ja gleichzeitig auch seine Muskeln – also auch die Bauchdecke beispielsweise. Nein, die Gründe für Brüche bei Erwachsenen – wie Leistenbrüche – liegen vor allem im Altern des Körpers bedingt. Deshalb sind die meisten Patienten auch älter.

Was heißt das konkret?

Nun, das Bindegewebe, wie eben auch die Bauchdecken, werden mit dem Alter weicher und damit auch schwächer. Und dann kommt es eben an Stellen wie den Leisten, aber auch beispielsweise im Bereich des Nabels oder an Narben zu sogenannten Brüchen, die eigentlich Risse sind, wenn man es genau nimmt.

80 Prozent der Leistenbruch-Patienten sind Männer, zeigt ein Blick in die Statistik. Woran liegt das?

Wie gesagt, mit dem Alter werden bestimmte Stellen der Bauchdecke schwächer. Eine dieser Stellen ist der Kanal, in dem während der Entwicklung männlicher Babys noch im Mutterleib die anfangs im Körper liegenden Hoden in den Hodensack wandern. Dieser Kanal weitet sich mit dem Alter, wird weicher und es kommt zum Leistenbruch. Da Frauen diesen Kanal nicht haben, kommt es bei Frauen im Leistenbereich seltener zu Brüchen.

Müssen Sie als Chirurg – ketzerisch gefragt – denn immer gleich zum Messer greifen – können solche Brüche nicht auch ohne OP geheilt werden?

Die Operation ist tatsächlich die einzige Behandlungsmöglichkeit. Tabletten oder ähnliches helfen nicht, die gerissenen oder auseinander gewichenen Gewebe müssen genäht werden.

Behandlungsmethoden haben sich in den vergangenen Jahren ja nicht selten radikal verändert. Gilt das auch für „Klassiker“ wie Leistenbruch-OPs?

Auch hier hat es wirklich gravierende Veränderungen gegeben. In den vergangenen gut zwanzig Jahren kommt es verstärkt zum Einsatz von Kunststoffnetzen – was zu einer wesentlich besseren Stabilität der Bauchdecke führt, die durch eine einfache Naht nicht zu erreichen ist. So konnte auch das Wiederauftreten der Beschwerden auf einen fast kaum noch zu beachtenden Wert von 1,5 Prozent der Fälle gesenkt werden.

Diese neue Methode wird auch in Radeberg angewandt?

Ja, hier bei uns werden bei 90 Prozent der Leistenbruch-OPs Kunststoffnetze eingesetzt. Die haben übrigens noch einen anderen, enormen Vorteil.

Nämlich?

Durch die Kunststoffnetze ist es möglich, die Eingriffe mit sogenannter Knopfloch-Chirurgie zu absolvieren. Heißt, es bleiben nur kleine Narben und es ist eine wesentlich frühere Belastbarkeit der Patienten möglich. Statt früher bis zu zwölf Wochen Ausfall, können die Patienten heute schon nach gut zwei Wochen wieder mit voller Belastung arbeiten – was ja in der aktuellen Berufswelt ein sehr wichtiger Faktor ist.

Das Gesundheitsforum „Leistenbruch – und andere Brüche der Bauchdecke“ mit Chirurgie-Chef Dr. Alojs Hantusch beginnt am 3. Februar 18 Uhr im Konferenzraum im Obergeschoss der Asklepios-ASB Klinik Radeberg. Eintritt frei.