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Bautzen

Mit Sport-Ausrüstung gegen das Ladensterben

Aus Leidenschaft zur Bewegung hat André Schöne ein Geschäft in Schirgiswalde eröffnet. Er will damit in der Stadt ein Zeichen setzen.

In seinem Geschäft an der Bautzener Straße in Schirgiswalde bietet André Schöne alles, was Lauf- und Wintersportler an Ausrüstung brauchen. Bei der Beratung setzt der Hobbysportler vor allem auf eigene Erfahrungen.
In seinem Geschäft an der Bautzener Straße in Schirgiswalde bietet André Schöne alles, was Lauf- und Wintersportler an Ausrüstung brauchen. Bei der Beratung setzt der Hobbysportler vor allem auf eigene Erfahrungen. © Steffen Unger

Zuerst fällt der charmant gestaltete Türgriff ins Auge: Statt eines schnöden Knaufs öffnet ein antik anmutender Skistock die Tür zu Schirgiswaldes neuestem Laden. Dahinter strahlt Inhaber André Schöne dem Besucher entgegen. Umringt wird er von farbenfrohen Schuhen, Jacken, Helmen, Mützen. Die Wände aus als groben Brettern sollen dem Verkaufsraum das Flair einer Ski-Hütte verleihen.

Im Erdgeschoss seines Hauses an der Hauptstraße zwischen Schirgiswalde und Kirschau hat der begeisterte Wintersportler und Orientierungsläufer ein Geschäft mit dem selbsterklärenden Namen „Ski- und Laufsportladen“ eröffnet. Bis 1990 verkauften seine Eltern hier Backwaren, danach waren wechselnde Angebote in den rund 60 Quadratmeter großen Räumen untergebracht. „Ich habe schon allerlei hier unten gesehen“, sagt der dreifache Familienvater. Zuletzt stand der Laden längere Zeit leer. Das störte Schöne, der mit seiner Familie im Obergeschoss seines Elternhauses wohnt, gewaltig: „Ein Geschäft nach dem anderen macht hier in Schirgiswalde dicht. Du guckst nur noch in trübe, leere Schaufenster.“

Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Schon Mitte diesen Jahres, am 30. Juni, werden Weitere hinzukommen: Peter Skora, der ganz in der Nähe am Schirgiswalder Kirchberg einen Laden für Sportbedarf betreibt, wird in den Ruhestand gehen. Einen Nachfolger für das Geschäft gibt es nicht. Als André Schöne von diesen Plänen erfuhr, fasste er sich ein Herz: „Ich trage im Grunde kaum Risiko, das Haus gehört mir, ich muss keine Miete zahlen. Also dachte ich mir, ich eröffne selbst einen Laden und trete damit indirekt die Nachfolge von Skoras an. So bleibt wenigstens die Sparte Sportladen in der Stadt erhalten.“

Fünf Jahre ist es her, dass Schöne die Entscheidung getroffen und aus seinem Hobby ein zweites Standbein gemacht hat. Begonnen hat er gemächlich – mit einem Online-Shop als Testlauf. „Man muss sich ja erst einmal mit so vielen Dingen vertraut machen – Artikelbeschreibungen, Warenwirtschaft …“. Im November vergangenen Jahres eröffnete er dann den Laden.

Hauptberuflich Polizist

Unter Druck setzen wollte er sich dabei nicht. „Ich habe das alles hier nur in kaffeebohnengroßen Schritten entwickelt, auch keine Werbung zur Eröffnung gemacht“, sagt er und erklärt, weshalb er sich so viel Zeit lässt: „Ich arbeite als Polizist und habe nicht vor, daran etwas zu ändern.“ Die Stelle im öffentlichen Dienst, sagt er, sei gut bezahlt – davon profitierten letztlich auch seine Kunden: „Ich muss nicht zwingend jedem, der hier mit einem paar alter Skier reinkommt, neue andrehen. Ich kann die Kunden ordentlich beraten und die alten Skier noch einmal aufarbeiten. Das geht nur, weil ich nicht wirtschaftlich von dem Laden abhängig bin.“

An 36 Stunden in der Woche wird André Schöne deshalb auch künftig in seiner Uniform stecken. Den Ski- und Laufsportladen betreibt er in seiner Freizeit und öffnet deshalb nur montags, mittwochs und freitags zwischen 15 und 18 Uhr, außerdem an Samstagen von neun bis 12 Uhr. „An den Tagen, an denen ich nicht geöffnet habe, kann ich mich um die Kundenaufträge kümmern. So ist es leichter, eine gewisse Struktur in die ganzen Abläufe zu bringen. Und Zeit für meine Familie will ich schließlich auch noch haben.“

Dass es der Winter es in diesem Jahr milde angehen ließ, stimmt Schöne deshalb ganz froh: „Bei Winterwetter ändern die Leute auch ihr Einkaufsverhalten. Gerade vor den Winterferien wäre ich dann wahrscheinlich mächtig ins Rotieren gekommen und hätte riskiert, der Nachfrage nicht gerecht werden zu können.“

Skiwerkstatt im Keller

Über mangelnde Kundschaft kann Schöne sich dennoch nicht beschweren. Vor allem sein Dienstleistungsangebot ist gefragt: „Im Keller habe ich mir eine Skiwerkstatt eingerichtet, außerdem habe ich ein Seminar in Skiservice absolviert.“ Über zwei Maschinen zur Bearbeitung von Wintersportgeräten verfügt Schöne jetzt – eine davon mit extrabreitem Schleifstein, der auch das Aufarbeiten von Snowboards erlaubt. „Ein Gerät hat den Wert eines Klein-, das andere den eines Mittelklassewagens“, erklärt er seine größten Investitionen. Möglich wurden die dank Fördermitteln.

Welchen Betrag Schöne insgesamt in seinen Laden investiert hat, möchte er nicht verraten. Schluss sei aber noch längst nicht, sagt er und deutet auf einen grünen Vorhang. Der verbirgt derzeit noch den Blick auf den hinteren Teil des Geschäfts. „Diesen Raum möchte ich als Nächstes ausbauen und Platz schaffen für eine Umkleidekabine und eine vernünftige Verkaufsfläche für die Skistöcke.“

Im kommenden Jahr will er außerdem sein Sortiment an Wintersportartikeln, Laufbedarf und Outdoorsachen erweitern. Bei der Auswahl der Marken vertraut der ambitionierte Hobbysportler auf seine eigenen Erfahrungen: „Ich weiß genau, wie es sich anfühlen muss, in einem guten Laufschuh zu stecken.“ Um solide Empfehlungen aussprechen zu können, will er sich daher bei seinem Angebot auch nur auf Anbieter beschränken, deren Produkte er selbst getestet hat.

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