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Mit Maggi schmeckt das Leben

Im Weihnachtsgeschäft vor 100 Jahren ist Maggi ein Verkaufshit. Allein in Radeberg wurde in neun Filialen die Gewürzmischung angeboten.

© dpa

Von Hans-Werner Gebauer

Mit einem Weihnachtsgedicht wurde die Werbekampagne vor 100 Jahren für eine damals auf den Markt gekommene Würzmischung in Radeberg und Umgebung angekurbelt. In der Radeberger Zeitung ist zu lesen:

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Du lieber, guter Weihnachtsmann,

O höre meine Bitte an:

Ich wünsch mir eine Küchenschürze

Und auch ein Fläschchen Maggi’s Würze.

Dazu noch Magg’S Suppen viele,

Weil ich so gerne Hausfrau spiele,

Und schön, wie Muttchen, koch ich dann,

Bist Du einst hungrig, Weihnachtsmann,

So komm zu mir und sei mein Gast,

Fein schmeckt, was Du bescheret hast.

Es folgten Informationsgespräche und Veranstaltungen für alle interessierten Personen. Dazu gab es Gratisproben, Kochwettbewerbe und Maggi- Rezepte.

In großen Werbeanzeigen wurde aufgelistet, dass Maggi 16 Staatsdiplome, 6 Staatsehrenpreise, 12 Großpreise, 20 Ehrendiplome, 99 Ehrenmedaillen und 31 Ehrenpreise bisher einheimsen konnte. Wenn das nicht überzeugte.

Und so sandte man die Emissäre des Maggikonzerns aus. In unserer Gegend waren es die Vertreter der Firma Curt Casten aus Niederlößnitz (Erzgebirge), die mit Lichtbildervorträgen für die Maggi-Produkte warben. Im Mittelpunkt stand die neu errichtete Fabrik in Singen (Baden). Imposante Fabrikanlagen und eine unglaubliche soziale Absicherung der Arbeiter, die zum Beispiel bezahlten Urlaub erhielten, waren die Höhepunkte der Vorführungen. Ferienheime für Arbeiter und die neu geschaffene Säuglingsmilchküche in Singen überzeugten. Der Chronist des Vortrags in Weixdorf schreibt: „Die Reklame war eine durchaus vornehme und unaufdringliche“. Wer bis dahin Maggi nur vom Hörensagen kannte, war überzeugt. In praktisch jedem Ort des Radeberger Landes und in neun Filialen in Radeberg war Maggi ein echter Weihnachtsknüller.

Der 1912 verstorbene Begründer und Erfinder der Maggiwürze, der Schweizer Julius Maggi, hätte seine helle Freude gehabt. Er hatte sich schon 1886 den späteren Dramatiker und Schriftsteller Frank Wedekind als Berater für Werbung geholt. Wedekind entwarf nachstehenden Text: „Die Poesie ist die Würze des Lebens, der Witz die der Unterhaltung und Maggi’s Suppen und Speisenwürze diejenige eines guten Mittagstisches. Maggi immer eine gute Suppe!

Was Kritiker auch zum Spott anregte – so zum Beispiel: Nenne ein sächsisches Universalgewürz mit fünf Buchstaben! Maggi. Die Weihnachtskampagne im Radeberger Land, die vier Wochen lang intensiv betrieben wurde, hatte den Slogan: Mit Maggi schmeckt das Leben.

Lesen Sie als nächste Weihnachtsgeschichte: Königsberger Marzipan, ein süßes Erlebnis des Weihnachtsfestes vor 100 Jahren.