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Mit mehr Komfort mehr Mieter gewinnen

Das Jahr 2014 war kein einfaches für die WGH. Trotzdem wurde eine halbe Million Euro investiert und es geht weiter.

Von Sylvia Mende

Auch wenn es etwas gedauert hat. Die Wohnungsgenossenschaft Hartha (WGH) hat ihr Versprechen gehalten. Diejenigen, die sich bereiterklärten in den Block Herbst an der Nordstraße zu ziehen, weil ihr Haus abgerissen wurde, haben einen Balkon bekommen. Und nun werden die Treppenhäuser malermäßig instand gesetzt. Nun prüft der Vorstand der WGH, ob die Wohnungen am Haus Winter auch Balkone bekommen und die leerstehenden Wohnungen auf Vordermann gebracht werden. Immerhin muss bei diesem Vorhaben mit einer Investitionssumme von 300 000 Euro gerechnet werden.

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Das fällt der WGH, die im Jahr 2013 in eine wirtschaftliche Schieflage gekommen war (DA berichtete) nicht leicht. Trotzdem will sie für ihre Mieter etwas tun, um das Wohnen in der Genossenschaft attraktiv zu machen – für die langjährigen Genossenschaftsmitglieder genauso wie für neue. Insgesamt investierte die WGH eine halbe Million Euro.

Ein Teil des Geldes floss ins Haus Nummer 33 an der Nordstraße. Hier ließ sie vier Wohnungen in Ordnung bringen. In allen wurden die Bäder saniert – zwei bekamen eine Dusche und zwei weitere eine Badewanne. Der Fußboden in den Wohnungen wurde verlegt, die Türen und die Elektrik erneuert und eine Anschlussstation für die Gasheizung gebaut.

Seit etwas mehr als einem Jahr ist Jörg Keim Vorstand der WGH. Ihm ist es gelungen, die Liquidität der Genossenschaft wieder herzustellen. „Seit Frühjahr vergangenen Jahres können wir alle Rechnungen bezahlen und sind nicht mehr bestandsgefährdet“, so Jörg Keim. Das hatte die Wirtschaftsprüfung durch den Verband der Sächsischen Wohnungsgenossenschaft ergeben. Trotzdem sei die WGH für die Banken noch ein Sanierungsfall. Weitere Investitionen würden gründlich geprüft, so Keim. „Das vergangene Jahr war kein einfaches. Das Sanierungskonzept wurde bestätigt. Das war möglich, weil wir durch die Bank, dem Hauptgläubiger, begleitet worden sind“, sagte der Vorstand. Die Streitereien um die Mieterhöhung sind beendet. Teilweise wurde die Forderung nach einer höheren Zahlung zurückgenommen.

„Wichtig war, dass wir das Image wieder geradegebogen haben und neue Mieter, auch von außerhalb gewinnen konnten“, so Keim. Der Vermietungsprozess sei in Gang gekommen, müsse aber weiter angekurbelt werden. Immerhin beträgt der Leerstand 26 Prozent. Von den 583 Wohnungen der Genossenschaft sind 422 vermietet. „Unser Hauptgegner ist die demografische Entwicklung“, so Jörg Keim. Wenn es um die Akquise neuer Mieter geht, setzt die WGH auf den neu gestalteten Internetauftritt und auf Vermietungsaktivitäten. Das heißt, die Mitarbeiterin hat mehr Freiräume, kann bei der Miete oder der Ausstattung verhandeln.

„Wir sind beim Tagesgeschäft angekommen“, sagte der Vorstand. Da gehe es um die Abrechnung der Betriebskosten, die Behebung von Havariefällen und andere Dinge. Auch ein paar Steine, die auf Park- und Grünflächen lagen, und über die sich Mieter ärgerten, sind schon abtransortiert worden. Das betrifft die Döbelner Straße und die Straße der Jugend.

„In den letzten Jahren haben sich sehr viele Reparaturen angestaut. Dazu gehören die Treppen zu den Eingängen der Häuser an der Straße der Jugend 1 bis 7. Da muss etwas passieren. Das wissen wir“, so Jörg Keim.

Der Vorstand will vorerst keine Wohnhäuser mehr abreißen oder zurückbauen lassen. „Um eine Wohnung so stilllegen zu lassen, dass sie nicht mehr als eine solche gilt, ist der Aufwand einfach zu groß, die Investition zu teuer. Außerdem gehen so Möglichkeiten des Ausbaus verloren“, sagte Jörg Keim. Ihm ist es lieber, die Wohnungen zu vermieten. Immerhin kostet eine leerstehende Wohneinheit im Jahr 600 Euro. Diese Kosten muss die Genossenschaft tragen. Sie können nicht auf die Mieter umgelegt werden. „Da ist es doch besser, wir kommen den Mietinteressenten preislich entgegen“, so der Vorstand.

Auch die Mitglieder der Genossenschaft sind sich durch einige neue Angebote näher gekommen und fühlen sich heimischer und akzeptierter. So gibt es zum Beispiel auch in diesem Jahr wieder Alltagsbegleiter, die alleinstehenden Senioren Hilfe geben und die Begegnungsstätte wurde im Mai vergangenen Jahres eingeweiht. „Wir wissen, dass unsere Mieter immer älter werden. Deshalb unterbreiten wir ihnen diese Angebote. Bei den Wohnungen setzt die Genossenschaft auf altersfreundliches Wohnen. Es sind oft kleine Dinge, wie Haltegriffe, die das Leben erleichtern.