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Mit Messer und Gabel in der Hand beim Essen eingeschlafen

Marco Kalwak aus Roda sorgt bis Ende September auf der Expo in Japan für deutsche Gemütlichkeit. Wöchentlich mailt er der SZ seine Erlebnisse.

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Eine ereignisreiche Expo-Arbeitswoche liegt hinter dem 33-jährigen Restaurantmeister Marco Kalwak aus Roda. Was genau den Deutschen Meister im Servieren so fasziniert hat, möchte die SZ ihren Lesern nicht vorenthalten. Also, was gib’s Neues, Herr Kalwak? Wie Sie vielleicht wissen, teilen wir unseren Pavillon mit den Franzosen. Die gemeinsame Ausgestaltung ist ein gelungenes Arrangement aus Politik und Wissenschaft. Beide Nationen hatten vergangene Woche (Deutschland am 13. und Frankreich am 14. April) ihren großen Nationentag. Hochrangige Politiker eröffneten unseren Pavillon mit einem Festakt. Verständlich, dass da enorm viel Vorbereitung notwendig war und eine gewisse Anspannung beim Personal herrschte. Während die Franzosen ihren Festakt in der Oper von Nagoya abhielten, fand der deutsche Festakt in Meiji Mura statt. Meiji Mura ist ein Outdoor Museum mit einer landschaftlich wunderschönen Ausstellungsfläche bei Innoyama, zirka 50 Kilometer entfernt von der Expo. Auf diesem Gelände befinden sich 67 Bauwerke aus der Geschichte Japans der letzten 100 Jahre. Angefangen von Fabrikhallen über Schulen und Kliniken bis zu Postämtern und Gefängnissen. Unter anderem befindet sich dort das Imperial-Hotel, welches einst in Tokio stand. Dieses geschichtsträchtige Hotel wurde 1920 nach einer Zeichnung des amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright erbaut. Es dient jetzt als Museum. Denn hier hatte man 1946 den Friedenspakt zwischen den Großmächten Russland und Japan unterzeichnet. Initiator dieses Zusammentreffens war kein Geringerer als der damalige US-Präsident Roosevelt. Für die Japaner ist dieser Ort sehr wertvoll. Genau deshalb hatte man sich entschlossen, den Staatsempfang hier abzuhalten.

Plausch mit Minister Clement

Rund 700 Gäste waren eingeladen. Eröffnet wurde der Festakt von Deutschlands Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement. Im Verlauf dieses großartigen Abends hatte ich die Gelegenheit, ein paar Worte mit ihm zu wechseln. Es ist schon erstaunlich, wie viel Menschlichkeit dieser Mann noch besitzt, trotz seines Postens in der Politik. Bestärkt wurden meine Gedanken, als er kurz vor der Abreise noch einmal in die VIP-Lounge kam, um sich persönlich für die Betreuung zu bedanken.

Zurück zu unserem Restaurant. Hier stehen die Japaner in Zweierreihe und warten 45 Minuten, um bei uns speisen zu können. Die Japaner sind sehr fleißig und ständig im Stress. So passierte es, dass ein Geschäftsmann mit Messer und Gabel in der Hand vor seinem vollen Teller eingeschlafen war. Außer dem Essen liebt der Japaner unser Bier. Er trinkt gern, viel und schnell. Dass ihn die alkoholische Wirkung aus den sowieso zu großen Schuhen haut, ist eigentlich vorprogrammiert. Und so sieht man des Öfteren, in Anzug gekleidete Herren die Straßen entlang taumeln. Übrigens: Der Bierumsatz in Japan ist genauso groß wie der in Deutschland. Nur teilen sich den hier ganze vier Firmen. In Deutschland sind es vergleichsweise rund 800 Firmen. Apropos Umsatz. Den muss ich schließlich auch bringen. Deshalb möchte ich mich jetzt verabschieden. Also, bis nächste Woche, Ihr Marco Kalwak.