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„Mit mir gibt es in Strehla Bürgerentscheide“

B 182, Bürgernähe, Tourismus: AfD-Kandidat Olaf Hentschel über seine Ziele als möglicher neuer Bürgermeister.

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Herr Hentschel, Sie haben als erster Kandidat ihren Hut in den Ring geworfen. Was treibt Sie an, den Chefsessel im Strehlaer Rathaus anzustreben?

Ich habe in vielen Gesprächen mit Strehlaern gehört, dass der Amtsinhaber nicht mehr sehr beliebt ist. Viele Bürger haben in letzter Zeit kein Gehör mehr beim Bürgermeister gefunden.

Und das würde mit Ihnen anders?

Aber zu hundert Prozent! Ohne Bürgernähe geht es nicht. Ich werde als Bürgermeister auch nur so viel wie nötig am Schreibtisch sitzen. Ansonsten werde ich draußen vor Ort sein, um zu sehen, was Fakt ist und die Leute bedrückt. Und ich kann Ihnen sagen: Mit mir als Bürgermeister wird es Bürgerentscheide geben. Wichtige Entscheidungen für die Stadt fällt dann nicht mehr nur der Stadtrat. Da werden die Bürger gefragt, da gibt es für mich überhaupt keine Frage. Die Leute sollen mitreden.

Sie wollen vorm Haushaltsbeschluss die Bürger befragen?

Nein, da nicht. Bei wichtigen Entscheidungen, die Strehlas Zukunft betreffen. Zum Beispiel, ob ein Anleger für die Fahrgastschifffahrt für Strehla her soll.

Wie soll so eine Abstimmung ablaufen?

So etwas kann man sicherlich schlicht und einfach über das Amtsblatt machen. Man muss es nicht komplizierter machen, als es ist. Ich sehe da überhaupt keine Probleme.

Sie waren 30 Jahre Polizist. Was qualifiziert Sie für das Amt des BM?

Ich habe einen Fachhochschulabschluss und war 25 Jahre im gehobenen Dienst, bringe also Führungserfahrung mit. Und ich habe in dem Beruf gern mit und für die Bürger gearbeitet. Das habe ich, glaube ich, auch anderen Kandidaten voraus.

Angenommen, Sie gewinnen die Wahl. Was wollen Sie als Erstes anpacken?

Das Allerwichtigste ist die Ortsumgehung. Damit steht und fällt die Zukunft Strehlas, da bin ich mir sicher. Aber zuletzt hat sich nicht viel getan, außer, dass ein Plakat aufgehängt wurde. Das hängt aber auch schon seit Jahren, ohne, dass etwas passiert.

Und wie wollen Sie dafür sorgen, dass etwas passiert?

Ich habe Anfang 2015 ein vierseitiges Schreiben an den Präsidenten des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr geschickt und alle Probleme mit der B 182 in Strehla noch einmal geschildert. Die Antwort war natürlich nicht zufriedenstellend. Aber ich werde sie zum Anlass nehmen, weitere Maßnahmen einzuleiten. Auch über die AfD-Abgeordneten im Landtag. Eins ist klar: Es kann nicht so bleiben, wie es ist.

Sie glauben, Sie können in Sachen Ortsumgehung etwas bewegen?

Ich bin jemand, der sich da auch vor das Bundesverkehrsministerium setzt und dort so lange bleibt, bis er den Bescheid für den Bau der Straße in der Hand hat. Da sterbe ich nicht an Herzdrücken.

Ist das wirklich so einfach?

Einfach ist das sicher nicht. Aber ich glaube, bis jetzt mangelt es bei dem Thema an Durchsetzungskraft. Man muss loslegen. So habe ich das bei der Polizei auch schon gemacht, deswegen hatte ich dort nicht viele Freunde in der höheren Führungsebene. Ich sehe es so: Ein Bürgermeister ist dem Wohl seiner Bürger verpflichtet. Wenn es hart auf hart kommt, muss er Ämtern und Ministerien so lange auf die Füße treten, bis er eine Genehmigung in der Hand hat – oder Hausverbot bekommt.

Von der Ortsumgehung mal abgesehen: Welche Ziele haben sie außerdem?

Eigentlich könnte Strehla gut vom Tourismus leben. Das muss belebt werden. Wenn wir mehr Touristen haben, ist das auch gut für Gaststätten und Pensionen. Eigentlich für den gesamten Mittelstand in der Stadt. Aber wie gesagt: Alles hängt mit der B 182 zusammen. Wenn die Umgehung da ist, kann die Stadt wieder aufblühen. Kommt sie nicht, gibt es uns bald nicht mehr, weil wir dann nach Riesa gegangen sind.

Das hört sich nach Gemeindefusion an.

Die wird es mit mir aber mit Sicherheit nicht geben. Ich will, das Strehla eigenständig bleibt.

Apropos bleiben: Behalten Sie im Falle eines Wahlsiegs ihr Kreistagsmandat?

Natürlich. Das ist wichtig und es sitzen ja auch viele andere Bürgermeister im Kreistag. Ein Bürgermeister als Kreisrat kann sehr viel mehr für seine Stadt erreichen.

Sie sind in der AfD, einer jungen Partei. Hat man da die nötigen Beziehungen?

Ja, ich denke schon. Unsere Landtagsfraktion steht da voll hinter uns. Auf Landesebene werden viele Vorschläge von uns zum Beispiel nur abgelehnt, weil sie von der AfD kommen, nicht, weil sie falsch sind.

Wenn Sie Stadtchef werden: Wie lange brauchen Sie, um sich einzuarbeiten?

Da ich sehr zielstrebig bin, wenn ich etwas anpacke, würde ich glatt behaupten: Den wichtigsten Teil der verwaltungstechnischen Aufgaben hätte ich nach spätestens 100 Tagen im Griff.

Sie leben seit vier Jahren in Strehla, sind bisher stadtpolitisch nicht in Erscheinung getreten. Kennt man Sie in der Stadt überhaupt?

Ich denke schon. Kürzlich habe ich meine ersten Flyer verteilt, meine Plakate hängen in der Stadt. Bald ist die zweite Flyerrunde dran. Ich denke, wer mich bis jetzt noch nicht kennt, der kennt mich spätestens dann. Interview: Eric Weser