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Mit Mutzbraten gegen Corona

Die Gaststätten sind noch geschlossen, doch die Vorfreude auf den Neustart ist groß. Heute: Michael Horn von der Muldentalklause in Westewitz.

Michael Horn, Chef der „Muldentalklause“ in Westewitz, bereitet einen der Renner seines Restaurants zu: Mutzbraten aus dem Holzbackofen.
Michael Horn, Chef der „Muldentalklause“ in Westewitz, bereitet einen der Renner seines Restaurants zu: Mutzbraten aus dem Holzbackofen. © Lars Halbauer

Großweitzschen. Die Stühle sind an den Zaun gelehnt, die Tische weggestellt, die Sonnenschirme zugeklappt. Normalerweise ist der Freisitz der „Muldentalklause“ in Westewitz ein Anziehungspunkt für Ausflügler und Wanderer, wenn es Frühling wird. Jetzt herrscht, trotz des herrlichen Wetters, aufgrund der sächsischen Allgemeinverfügung zur Corona-Krise Ruhe. 

Lediglich Spaziergänger, Radfahrer oder Familien, die mit ihren Kindern frische Luft tanken, verirren sich vereinzelt ans Muldenufer. Im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten bietet Geschäftsführer Michael Horn diesen aber zumindest Softeis, Getränke und kleine Snacks auf die Hand an. „Das was geht“, sagt er.

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Der zum Betreiben des Objekts benötigte Umsatz ist damit natürlich nicht zu machen. Deshalb schaut Michael Horn, bei aller Vorfreude auf den Neustart, durchaus skeptisch auf die kommende Zeit.

Außengeschäft fehlt

„Uns fehlt natürlich das Außengeschäft. Wir hatten richtig schöne Tage“, sagt Horn. Januar, Februar und März wären ohnehin umsatztechnisch immer die schwächsten Monate. Mit Ostern würde der Betrieb dieses Minus durch die Feiertage normalerweise aufholen. „Aber das ist nun auch noch weggefallen“, sagt der Wirt und fügt an: „Deshalb wird es bei mir langsam gefährlich. Denn wenn wir hier erst im Juni oder Juli aufmachen dürfen, dann ist die Saison so gut wie rum, zumal der Mai eigentlich der umsatzstärkste Monat ist.“

Geholfen hätten seinem Betrieb erst einmal die 9.000 Euro Soforthilfe von der Sächsischen Landesregierung. „Die waren ruckzuck da, das muss man auch mal sagen. Das hat vom Antrag her nicht einmal eine Woche gedauert“, sagt Horn. Allerdings hätten diese Summe die laufenden Kosten schon mal aufgefressen. 

Und wenn das Geld alle würde, und der Gastronomiebetrieb nicht starten kann, bliebe demnächst nur die Alternative, einen Kredit bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) zu nehmen. „Den muss man natürlich zurückzahlen“, weiß Michael Horn, der die größte Gefahr darin sieht, mit seinem Ausflugslokal den nächsten Winter zu überstehen.

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Wenn es wieder losgeht, dann nicht so, wie es mal war“, sagt er und mutmaßt, dass die Personenzahl in der Gaststube eingeschränkt wird. Zumal würden, neben Himmelfahrt und Pfingsten im Mai, neben anderen Gesellschaften, auch Jugendweihefeiern ausfallen. Und sollte es erneut ein heißer Sommer werden, wäre das für die Gastronomie in dieser Situation erst recht kontraproduktiv. 

„Dann ist es auch die Frage, ob es wieder richtig anläuft nach der Krise. Ob die Leute wieder in die Gaststätten gehen“, so der Wirt. „Um zu überleben, zumindest für mich allein reicht das jetzt, auch wenn das Softeis keinen großen Umsatz bringt“, so Horn. 

Seine Frau sei in Kurzarbeit, die weiteren Mitarbeiter wären saisonbedingt zum 1. April eingestellt worden. Das sei nun allerdings nicht der Fall. „Ich hätte ihnen einen Arbeitsvertrag gegeben, doch das hätte für niemanden einen Sinn ergeben.“ Aber auch den Softeisverkauf wird Michael Horn nur öffnen, wenn es Sinn macht.

Softeis bei schönem Wetter

„Bei schönem Wetter von mittags bis gegen 17 Uhr und am Wochenende generell. Bei schlechtem Wetter allerdings nicht“ sagt er und fügt an: „Das muss reichen für meine Krankenkasse, die Miete und meine zwei Kinder.“ Pessimist sei er dennoch nicht, denn er hätte auch schon andere Zeiten erlebt. Probleme sieht er dagegen vor allem, seine Angestellten wieder in Lohn und Brot zu bringen, wenn die Muldentalklause mit reduzierter Gästezahl öffnen dürfe. 

Da sei die Politik nochmals gefordert, denn er wäre ja nicht der einzige Unternehmer, dem es so geht. „Große Außer-Haus-Veranstaltungen fallen ja alle weg. Ohne die trägt der Laden aber nicht vier, fünf Mann, da hier nur am Wochenende richtig Betrieb ist“, sagt Horn und weiter: „Das wird das Problem werden.“ Nur wenn nach der Krise viele Leute weiter in die Gaststätten gehen, würde es helfen, die Probleme der Gastronomen zu verkleinern.

Vieles steht auf der Kippe

Allerdings ständen selbst viele Hochzeitsfeiern derzeit auf der Kippe. „Weil die Brautleute nicht wissen, wie viele Leute sie im Juni einladen dürften“, erklärt Horn. Drei Hochzeiten wären deshalb schon komplett abgesagt worden, weitere Interessenten wollen abwarten. „Das zieht sich wie ein Faden bis zum Schulanfang durch“, sagt Horn und fügt an: „Mal schauen, wo die Reise hingeht. Aber vielleicht wird es ja auch anders, als wir alle denken.“

Und so hofft Michael Horn, dass seine Renner wie Rinderrippen, Ente oder Mutzbraten aus dem Holzofen auch weiterhin ihre Abnehmer finden werden. Auf Bestellung bereitet er diese ebenso weiter zu, wie andere Gerichte, die dann abgeholt werden müssten. 

Für die Leser von Sächsische hat er zudem einen Tipp, wie sie in der Zeit der Corona-Krise dennoch nicht auf solche Leckereien verzichten müssen und verrät das Rezept vom Mutzbraten, den er nicht nach Thüringener Art mit Schweinefleisch aus der Schulter, sondern mit Kammstücken zubereitet, weil er dann saftiger bleibt.

Mutzbraten vom Kamm

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  • Zutaten: Schweinekamm, Salz, Pfeffer, Senf, Majoran, Öl.
  • Zubereitung: Den Schweinekamm in größere Würfel schneiden und mit Salz, Pfeffer, Majoran und Öl marinieren. Dabei den Majoran und den Senf mischen, damit der Majoran nicht verbrennt. Alles durchmengen und einen Tag stehen lassen. Mit Tomatenmark aufs Blech legen und im Backofen bei 200°C zweieinhalb Stunden mit einem Gefäß mit Wasser backen. Durch diesen Tipp bleibt der Braten saftig. Den Bratensud mit Kaffee und Schwarzbier abschmecken. Den Mutzbraten mit frischen Majoran bestreuen, mit Klößen und Sauerkraut servieren.

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