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Mit offenen Augen – Bilder, die leben

Konrad Bittner fotografiert in der Natur – im unscheinbaren Detail zeigt er die große Form.

Von Udo Lemke

An der Wand im Foyer des Großenhainer Kulturschlosses reihen sich Nahaufnahmen von Löwenzahnblüten, im Volksmund Pusteblumen genannt. Keine gleicht der anderen. Da gehen die Fallschirme der Samen wie Sonnenstrahlen nach außen, hier bilden sie – nass geworden – zackige Muster und dort ein abstraktes Gitter. Es ist diese unerschöpfliche Vielfalt der Natur, die große Form im unscheinbaren Detail, die es Konrad Bittner angetan hat.

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Schloss Wackerbarth – Konrad Bittner hat das Muster von Tischen, Stühlen, Rasenflächen und der Kegel und Kugeln der Sträucher gesehen und festgehalten. Foto: Konrad Bittner
Schloss Wackerbarth – Konrad Bittner hat das Muster von Tischen, Stühlen, Rasenflächen und der Kegel und Kugeln der Sträucher gesehen und festgehalten. Foto: Konrad Bittner

Der 1954 in Großenhain Geborene stellt seit vier Jahren regelmäßig seine Natur- und Landschaftsaufnahmen aus. Die derzeitige Ausstellung im Großenhainer Schloss ist bereits seine 30.! Außerdem hat er Dauerausstellungen in der Großenhainer Rehaklinik und in einer Arztpraxis der Stadt. Mit seinen Fotografien zeigt Konrad Bittner indirekt ein Stück von sich selbst. Früher war er Bergsteiger, Rettungsschwimmer, kein Tag verging ohne Sport. Und 1992 war er auf dem Matterhorn, „das ist der schwerste Berg der Alpen“. Doch dann, vor zwei Jahren, wurde binnen Sekunden alles vollkommen anders. Denn der Transporter der Firma, bei der er als Steinmetzhelfer arbeitete, wurde von einem Lastwagen gerammt, Konrad Bittner durch die Scheibe geschleudert: „Heute kann ich nicht einmal mehr Fahrrad fahren und nur noch drei Kilo heben.“

Mit seinen Fotografien kann er sich zeigen, deshalb sind sie so wichtig für ihn. „Ich bin froh, dass ich darin Trost finde.“ Aber auch andere finden ihn in diesen sorgfältig gewählten Ausschnitten der lebendigen Natur. Das Detail ist Konrad Bittner immer wichtiger geworden, auch weil es den Betrachter dazu anhalte, sich intensiver mit einem Bild zu beschäftigen, erklärt er. Es gibt Aufnahmen, die sich erst auf den zweiten Blick erschließen, etwa die roten Eichenblätter unter dem grünen Algenschleier in einem Moritzburger Teich, oder die roten Föhnwolken, die wie ein Gebirge im Himmel treiben.

Wenn Konrad Bittner raus in die Natur geht, dann nicht zuerst, um sie zu fotografieren, sondern, um sie mit allen Sinnen aufzunehmen. „Die Fotos sind ein Nebeneffekt, ich versuche mit ihnen meine Erlebnisse mit anderen zu teilen, deshalb heißen die meisten meiner Ausstellungen auch ,Mit offenen Augen‘. So wie ab ersten Advent wieder in der Großenhainer Marienkirche. Im Schloss präsentiert Konrad Bittner seine Fotos noch bis 7. November.

Die Ausstellung ist zu den Schlossöffnungszeiten zu sehen, sonst kann an der Kasse der Schlüssel geholt werden.