merken
PLUS

Mit Panoramablick

Die wahre Baumhausgeschichte: Familie Drechsler ist in ihrem roten Holzbau dem Himmel ein kleines Stück näher.

© Norbert Millauer

Von Beate Erler

April, April. Natürlich nicht wegen des Grundstücksmangels (SZ 1. April, Seite 14), sondern wegen der Lust am Basteln steht auf der Serkowitzer Straße ein leuchtend rotes Häuschen. Es schmiegt sich an den alten Walnussbaum, als sei es damit verwachsen. Im großen Haus gleich daneben wohnt Familie Drechsler, die sich ihren Traum vom „zweiten Eigenheim“ in den Wolken erfüllt hat. Überhaupt scheint es vielen Anwohnern in Serkowitz nicht nur ums Wohnen, sondern ums schönere Leben zu gehen: Unweit des Grundstücks der Familie Drechsler tuckert eine kleine Modelleisenbahn durch den Garten. Hobbybastler und Tüftler, wohin das Auge schaut.

njumii – Das Bildungszentrum des Handwerks
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.

njumii ist der Ausgangsort für individuelle Karrieren. Im Handwerk. Im Betrieb. Im Mittelstand. In der Selbstständigkeit.

Udo Drechsler ist einer von ihnen. Der gebürtige Radebeuler kann die Idylle auf seinem Grundstück nur am Wochenende genießen. Der Elektro-Ingenieur pendelt jede Woche nach Hamburg. Und an den Wochenenden wird dann gebastelt. „Mit einer Kletterwand und einer kleinen Aussichtsplattform in der Astgabel unseres Walnussbaumes haben wir angefangen“, sagt er. Aus dem anfänglichen Materialüberfluss an Holz, das so verbaut werden sollte, kam die Lust auf mehr: Ein kleines Haus zwischen den Ästen des Baumes mit Rundumblick auf die Weinberge von Radebeul. Besonders die Enkelkinder der Drechslers hat die Idee sofort begeistert. Alle wohnen sie unter einem Dach. „Wir wollten natürlich auch die Spielmöglichkeiten für unsere zwei Enkeltöchter erweitern“, erzählen Drechslers. Die zehnjährige Lina mag vor allem die rote Farbe des Baumhauses und nutzt es als Rückzugsort zum Schlafen, Entspannen und Lesen.

Über Jahre hat Udo Drechsler den Baum beobachtet. Er kennt ihn seit Kindertagen. „Ich musste natürlich prüfen, ob der Baum noch wächst, denn dann würde sich die Konstruktion verziehen“. Da konnte aber Entwarnung gegeben werden.

Viele Skizzen und Papiermodelle hat Udo Drechsler angefertigt, bis die endgültige Variante feststand. Inspiration für den Stil des Häuschens, der an die Strandhäuser Schwedens erinnert, hat er in Hamburg gefunden. „Da gibt es eine schöne Saunalandschaft, die ich regelmäßig besuche, und die haben diesen Schwedenstyle auch ein bisschen kopiert.“ An zehn Wochenenden im Sommer 2012 baute die Familie das Haus. Mit zirka 40 Quadratmetern der leichten, preisgünstigen Bretter aus Rauspundholz. Die Plattform darunter ist aus Lerchenholz. Die starke Gabel des über 70 Jahre alten Baumes bildet die Hauptstütze für die Gesamtkonstruktion. Stabile Leisten, die am Baumstamm befestigt sind, tragen die Plattform. Damit den Kindern beim Spielen nichts passieren kann, soll um die gesamte Plattform noch ein Geländer gebaut werden. Ideen für den weiteren Ausbau haben die Drechslers noch mehr als genug.

„Ich will unbedingt ein Sofa als Lümmelecke“, freut sich Lina. Im Baumhaus führt momentan noch eine Leiter hinauf zu einer Empore, die weiteren Platz bietet. Die Leiter soll durch eine Treppe ersetzt und die freie Fläche als Schlafplatz ausgebaut werden. „Wir haben noch so viele Ideen, zwei Jahre werden wir sicher noch an unserem Freizeitprojekt tüfteln können“, schätzt Udo Drechsler.

Doch nicht nur die Drechslers freuen sich über ihr neues Domizil. Da ein Abzweig des Elberadweges an ihrem Grundstück vorbei führt, hören sie immer wieder, wie auch andere begeistert sind. „Das ist ja mal ein schönes Baumhaus“, rufen die Radler im Vorbeifahren.