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Mit Rad und Zelt zu Orten und Menschen

Eine Dresdener Familie besucht regelmäßig die Lausitz. Zuletzt hat sie Halt in Hoyerswerda gemacht.

So sieht es aus, wenn Frank abfahrbereit ist. An seinem und den anderen Fahrrädern, die auch im Alltag benutzt werden, ist alles verstaut, was während der Urlaubstage gebraucht wird. Zwei Zelte hat die Familie unter anderem dabei.
So sieht es aus, wenn Frank abfahrbereit ist. An seinem und den anderen Fahrrädern, die auch im Alltag benutzt werden, ist alles verstaut, was während der Urlaubstage gebraucht wird. Zwei Zelte hat die Familie unter anderem dabei. © Foto: Juliane Mietzsch

Hoyerswerda. Das Lausitzer Seenland bietet allerlei Möglichkeiten für Touristen und auch Einheimische – ob für einen Nachmittag oder einen Tag oder eine Woche. Und gerade in diesem Jahr werden verstärkt die Angebote in der näheren Umgebung für viele interessanter.

Doch eine vierköpfige Familie aus Dresden verbringt schon seit vielen Jahren einen Teil ihres Urlaubes in der Region zwischen Bautzen und Spremberg. Sie sind dabei mit ihren Fahrrädern unterwegs und entdecken ständig Neues – Orte und Menschen. Denn es ist ein anderes Reisen, als wenn vor dem Ankommen eine mitunter lange Autofahrt steht. Vater Frank sieht im Radfahren einen gewissen Vorteil: „Alle müssen dasselbe machen, um an das Ziel zu kommen.“ Als die beiden Kinder noch kleiner waren, gehörte auch ein Anhänger zu der Ausrüstung. Mittlerweile sind auch die Kinderräder belastbarer und so ist das Gepäck gleichwohl auf alle Familienmitglieder aufgeteilt.

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In diesem Sommer begann die Route nach einer Zugfahrt in Ortrand. So ist es leichter, denn Dresden mit dem Rad zu verlassen, schränkt die Möglichkeiten ein. Von Ortrand ging es nach Hermsdorf, wo das erste Nachtlager aufgeschlagen wurde. Auf vergangenen Touren hat die Familie in Jugendherbergen oder auch schon in einem Baumhaus auf der Kulturinsel Einsiedel geschlafen. Doch diesmal sind die Zelte eingepackt. Nicht überall gibt es aber Campingplätze und das sogenannte Wildcampen ist verboten. Unter anderem laut Paragraph 28 des Sächsischen Naturschutzgesetzes ist das Zelten kein Bestandteil des Betretungsrechtes und somit untersagt. Frank gibt zu bedenken, dass Plätze für Wohnmobile und Autos bestehen, aber auch mehr für andere Fortbewegungsmöglichkeiten gedacht werden muss.

Doch es gibt bereits Alternativen und eine davon heißt 1NiteTent (tent = engl. für Zelt). Dabei handelt es sich um eine Plattform, auf der private Anbieter ihre Grundstücke und Gärten als Übernachtungsplatz für eine oder mehrere Zelte und Nächte zur Verfügung stellen können. Bereits für die erste Nacht hat Vater Frank in Hermsdorf einen Anbieter auf der Karte auf der Website ausfindig machen können. Eine gute Erfahrung, wie er im Nachhinein erzählen kann. Seine Frau ergänzt, dass sie staunt, wie offen Menschen sind, wenn sie zunächst Fremden Zutritt zu ihrem Privatraum gewähren. Aufgrund ihrer Erfahrung vermuten sie, dass zum Beispiel Besucher eines Campingplatzes eher dazu neigen, in ihrer eigenen Blase zu sein. Aber nun kommen sie unweigerlich ins Gespräch mit Leuten. Diese Begegnungen hätte es sonst wahrscheinlich nicht gegeben. Nun ging es weiter an den Senftenberger und anschließend an den Partwitzer See. Am Gräbendorfer See war die Suche nach einem Schlafplatz schwerer, weil der Campingplatz ausgebucht war, aber ein Tauchverein auf dem nahegelegenen Grundstück erlaubte der Familie, dort ihre Zelte aufzuschlagen. Und auch dieser Kontakt bleibt im Kopf, denn ein Wiederkommen schließen sie nicht aus. „Man muss zum Tauchen nicht nach Kroatien reisen.“

Dass Erlebnistourismus auch ganz groß geschrieben wird, verstehen Frank und seine Frau. Aber an den Seen suchen sie die Nähe zur Natur. „Die naturbelassenen Gegenden waren total schön.“ So ergibt sich eine gewisse Verantwortung, denn „als Tourist habe ich es in der Hand“. Unterwegs haben sie luxuriöse Hausboote gesehen, was die Frage aufwirft, „was für Leute das anzieht“. Scheinbar absurd sei die Kombination aus hochmoderner Ausstattung, die Unterhaltung verspricht und die unmittelbare Nähe zum See, die bestenfalls Echtheit und Ruhe bedeutet.

Auf dem Rückweg geht es über Kleinkoschen und Schwarzkollm nach Hoyerswerda, von wo aus der Zug zurück nach Hause nach Dresden genommen wird. Und die letzte Nacht wird wie die erste organisiert: über 1NiteTent. Eine Familie in der Altstadt stellt den Garten zur Verfügung. Es ist das erste Mal, dass sich jemand auf das Angebot gemeldet hat. Es besteht schon seit einigen Monaten. Frank wäre gerne zeitlich noch etwas ungebundener unterwegs, aber schätzt auch die Verlässlichkeit, die er hat. Mittlerweile sind die Zelte mit geschickten Handgriffen schnell auf- und am nächsten Morgen abgebaut. Die Sanitäranlagen werden genutzt, aber alles andere wird dankend abgelehnt. „Wir sind beinahe autark unterwegs.“ Auch der Kaffee wird beim Frühstück auf der Wiese dort gekocht.

Rückblickend sind verschiedene Begegnungen mit Tieren bei den Kindern hängengeblieben und natürlich die Menschen, zu denen sie auf dieser Reise einen Zugang gefunden haben. Manchmal spontan zu einer Schaffnerin oder Eisverkäuferin oder zu den Gastgebern.

1NiteTent

Die Idee ist zwei Oberlausitzern zu verdanken. Anfang Juli 2018 ging die Plattform online. Eintragen kann sich jeder, der ein Grundstück besitzt oder frei darüber verfügen darf. Die Übernachtung ist kostenfrei. Der Gastgeber macht die Regeln. Willkommen sind Gäste aus aller Welt.

http://www.1nitetent.com/

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