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Mit Schlauchboot auf Spree und Schöps

Frank Krautz in Döschko bietet seit 2006 touristische Routen an – Besucher kommen aus dem In- und Ausland.

Frank Krautz in Döschko bietet seit 2006 touristische Routen per Schlauchboot an.
Frank Krautz in Döschko bietet seit 2006 touristische Routen per Schlauchboot an. © Foto: Andreas Kirschke

Blaue Libellen sirren munter auf ein Schilfbüschel. In den Bäumen singen Amsel-Hähne ihr Morgenlied. Fast glasklar mutet das Wasser am Uferrand der Spree unweit des Ruhlmühler Wehrs an. Nördlich davon tummeln sich Bleie, Hechte und andere Fische quicklebendig im Wasser. „Diese Natur ist einzigartig. Ich kann sie jeden Tag neu entdecken“, beschreibt Frank Krautz seine Heimat Döschko. Seit 2006 bietet er für alle Generationen touristische Schlauchboot-Routen auf Schöps und Spree an. Besucher kommen aus dem In- und Ausland.

Erinnern an sorbische Großeltern

Der 55-Jährige lebt mit seiner Frau Andrea (54) und der Familie auf dem Anwesen „Dubina“ der Großeltern väterlicherseits Martha und Wilhelm Krautz. Die Großeltern lebten von Landwirtschaft. Auf den Feldern in Richtung Tzschelln bauten sie unter anderem Kartoffeln, Roggen, Spargel und Erdbeeren an. Sieben Kühe gehörten zum Hof. Die Großeltern versorgten den Ort mit Milch und mit Butter. „Der Sandboden war wenig ertragreich: viel Fläche, viel Arbeit, wenig Ertrag. Dennoch haben meine Großeltern die karge Landschaft gut bebaut“, entsinnt sich der Enkel. In seiner Kindheit baute er mit den anderen Jungen kleine Spielboote und Wasserräder aus Rinde. Die gelangten dann in die Spree. „Der Tag war meist schneller herum, als wir merkten“, erzählt Frank Krautz. „Wir Kinder badeten gern in der Spree. Und im Winter gingen wir Eis laufen.“ Frank Krautz lernte nach der Schulzeit in Zerre und in Burgneudorf BMSR-Mechaniker. Bis 1991 arbeitete er in seinem Beruf im Tagebau Spreetal. In der Freizeit frönte er oft seiner Leidenschaft: Musik. Seit 1991 betrieb er die Diskothek „Dringende Musikalische Hilfe“ (DMH). Er baute sich eine mobile Ton- und Licht-Anlage. In Mannheim erwarb er die Lizenz für Unterhaltungs-Veranstaltungen. Seit 1991 besteht seine Veranstaltungsfirma „Trendline“. Frank Krautz organisierte bundesweit bereits Dorffeste, Stadtfeste und Messen. „Die langen Fahrten waren auf Dauer sehr kräftezehrend und pure Selbstausbeutung“, meint er heute. „So steuerte ich um. Ich wollte künftig etwas in der Heimat organisieren. Ich wollte zurückkehren zu meinen Wurzeln.“

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Wie war das doch in der Kindheit?

Frank Krautz erinnerte sich an die Kindheit: Aus Plastetonnen, Holzstämmen und Stricken hatten sich die Kinder einst kleine Flöße gebaut. Aus Lkw-Reifen entstanden kleine Boote. „An der Dubina-Wiese setzten wir die Reifen ins Wasser ein. Wir ließen uns dann darin einfach die Spree flussabwärts treiben.“ 2003 organisierte sein Freund Uwe Schmaler aus Sprey eine Schlauchboot-Route für die Lausitzer Eishockey-Füchse Weißwasser. Die Tour kam an. Krautz entwickelte eine Idee: Schlauchboot-Touren auf Schöps und Spree als sanfter Tourismus für alle Generationen! „In Bayern kaufte ich mein erstes Boot. Es war ein 37 Jahre altes NVA-Armeeboot aus DDR-Zeiten. Passend für zwölf Personen; gut erhalten.“ Im Juni 2006 organisierte er die erste Schlauchboot-Tour für eine Seniorengruppe aus Hoyerswerda. Von der Panzerfurt Tzschelln aus führte die Route zum Wehr Ruhlmühle. Unverhofft riss unterwegs ein Loch ins Boot. Die Senioren reagierten geistesgegenwärtig und ohne Panik. Mit einer Keksschachtel schöpften sie das Wasser immer wieder aus. Sie schafften es ohne Probleme bis zum Ziel. „Dass ich eine so schöne Tour mitten durch die Natur noch erleben darf ... Danke“, meinte später ein Teilnehmer zu Frank Krautz. Das rührte den Organisator. Ihm fiel auf: mit seiner Arbeit „erntete“ er jetzt weit mehr Herzlichkeit und Offenheit als in seiner früheren Bühnen-Tätigkeit. „Das treibt mich heute an. 20 Mal ein herzliches «Dankeschön» ist mir mehr wert als die Beleuchtung und Beschallung für Promis wie Andrea Berg auf der Bühne zu ermöglichen.“ Nach und nach kaufte Frank Krautz weitere Boote. Aus originalen „Rafting-Booten“ baute er robuste „Flussfahrzeuge“ für Schöps und Spree. Rund 30 Schlauchboote verschiedener Größen gehören heute zur Firma. Möglich sind Touren mit mehreren Booten bis zu 250 Personen Gruppenstärke. Nach und nach pachtete er Einsetz-Stellen in Sprey, Boxberg, Kringelsdorf und Tzschelln. Nach und nach entwickelte er Touren. Seine Lieblings-Route führt von Kringelsdorf nach Boxberg. „Dort fließen Weißer Schöps und Schwarzer Schöps vereinigt“, erläutert er. Die Strecke ist von der Natur her einzigartig. Trauerweiden ragen bis in den Schöps hinein. Selbst der Spreewald kann da nicht mithalten. Die Strecke startet oberhalb von Kringelsdorf und endet am früheren Drahtseilwerk Boxberg. Teilnehmer können noch weitere Routen entdecken. Die „Kleine Spree Tour“ dauert 1,5 bis 2,5 Stunden. Rund 3,7 Kilometer führt sie von ehemals Tzschelln bis Ruhmühle (Wehr). Vor allem für Senioren, Familien mit kleinen Kindern und Schulklassen eignet sie sich. – Die Route „Von Sprey bis Ruhlmühle“ wiederum passt gut für Vereine, für Jugendclubs, für Junggesellen-Abschiede und für weitere Anlässe. – Die Route „Natur Pur Tour“ beginnt nahe der B 156 bei Boxberg. Sie führt durch die Ortslage Sprey bis Ruhlmühle (Wehr). Diese Fahrt dauert rund vier Stunden. Sie lädt ein zum Entdecken vielfältiger Natur mit Pflanzen- und Tier-Welt.

Boot um Staustufe herumtragen

Die „Abenteuer-Tour“ dauert rund fünf Stunden. Sie ist mit Überwinden einiger Hindernisse verbunden. Sie eignet sich für Mutige, für Ausdauer-Sportler, für Unentwegte, für Abenteuer-Suchende. „Die beliebteste Tour ist die Route zwischen Sprey und Ruhlmühle“, sagt Frank Krautz. „Nur zu dieser Tour können Picknick, Floßbau und Floßfahrt dazugebucht werden.“ Die Route beginnt an einer befestigten Stelle am Schwarzen Schöps. Es folgt ein landschaftlich reizvoller Abschnitt mit Heidewald. Das Flussbett des Schöps ist sehr schmal. Mitunter müssen die Teilnehmer ihre Köpfe einziehen, um nicht mit den Rändern Bekanntschaft machen zu müssen. Nach rund zwei Kilometern fließt der Schöps in die Spree. Der Fluss ist hier in langen Abschnitten begradigt. Doch die Natur erobert sich ihr Territorium nach und nach zurück. In Höhe der früheren Ortslage Tzschelln liegt eine Staustufe von circa vier Metern. Dort ist heute ein Wasserkraftwerk mit Fischtreppe angesiedelt. Die Teilnehmer müssen ihr Schlauchboot auf der rechten Seite 167 Meter tragen und später an der sichtbaren Einstiegsstelle wieder einsetzen. Im alten Flusslauf der Spree sind die Ufer dicht bewachsen. Spree und Heide bilden dort eine Einheit. Sie sind mitten in der Natur vereint. „Ein naturbelassenes Terrain, noch nahezu unberührt“, meint Frank Krautz. „Schließlich kommen die Teilnehmer in Ruhlmühle (Wehr) an.“ Von März bis Ende Mai konnte er corona-bedingt keine Touren anbieten. Er nutzte die Zeit für notwendige Reparaturen. Seit Ende Mai läuft das Geschäft langsam wieder an. Jetzt häufen sich wieder die Nachfragen. Besucher suchen die Nähe zur Natur.

Bootstouren auf Schöps und Spree

Lage: Der Festplatz an der Ruhlmühle befindet sich, umgeben von Wäldern, außerhalb (ca. 1,5 km) der Ortslage Neustadt in der Gemeinde Spreetal direkt an der Spree. Auf dem ca. 10.000 m² großen Festgelände organisieren und betreuen die Anbieter Veranstaltungen jeder Art. Übernachtung ist möglich. Alle Bootstouren enden hier.

Touren: Man kann Angebote buchen wie „Floßbau & Floßfahrt“, Quadtouren und Bootstouren zuzüglich diverse Verpflegungspakete. Es gibt allein acht Bootstouren von der kürzesten, der „Kleine Spree-Tour“ (1,5 h), bis zur längsten, der „Drei Flüsse-Tour“ (Tagesausflug). Mindestteilnehmerzahl zwei Personen. Sind 3-8 Personen unterwegs, sind Kosten von 12 Euro bis 25 Euro einzuplanen, zuzüglich Verpflegung oder eventuelle Transportleistungen. Preise und Tourumfänge sind detailliert der Internetseite zu entnehmen.

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