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Mit Schnaps auf Erfolgskurs

Die Kirschauer Spirituosenmanufaktur von Martin Wagner wächst. Er kauft zwei Brennanlagen, baut eine Halle und hat ein neues Produkt.

© Steffen Unger

Von Katja Schäfer

Kirschau. Eng geht es zu bei der Sächsischen Spirituosenmanufaktur. Die gemieteten Räume an der Kirschauer Friesestraße sind voll bis obenhin. In hohen Regalen stapeln sich Holzfässer und Edelstahlbehälter, Glasballons, Flaschen und Kartons. Auf dem Fußboden stehen dicht an dicht Plastikfässer, lassen nur einen schmalen Durchgang frei. „Darin ist Trester. Den habe ich gerade von Winzern aus Meißen geholt“, sagt Martin Wagner. Aus den Rückständen, die beim Auspressen von Weintrauben übrig bleiben, will er demnächst Trester-Brand machen. – Seit zwei Jahren ist der 34-Jährige mit seiner Sächsischen Spirituosenmanufaktur am Markt – und seitdem auf Erfolgskurs. „Alles hat sich viel schneller entwickelt, als gedacht. Die Mengen, die ich jetzt verkaufe, liegen deutlich über dem, was ich geplant hatte“, berichtet der Kirschauer stolz. Er reagiert darauf und erweitert sein Unternehmen.

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Handarbeit von Anfang bis Ende

Auf dem Gelände des ehemaligen Textilbetriebes Vegro in Kirschau, wo unlängst alte Gebäude abgerissen wurden, hat er 1 800 Quadratmeter gekauft. Dort will der Unternehmer eine neue Halle errichten. Baubeginn soll im nächsten Jahr sein. Zwei Brennanlagen finden künftig darin Platz. Sie sind schon bestellt. Bis der Neubau fertig ist, bringt der Unternehmer sie in einer ebenfalls auf dem ehemaligen Vegro-Gelände stehenden Halle unter, die er vorübergehend mietet. Bisher nutzt er die Brennanlage im Bierbrauhaus in Obergurig. „Im März sollen meine eigenen Anlagen in Betrieb gehen“, blickt Martin Wagner voraus, der ursprünglich den Beruf des Brauers und Mälzers erlernt hat, dann in die Spirituosenbranche wechselte und unter anderem in der Wilthener Weinbrennerei tätig war. Er hat zudem Wirtschaftsingenieurwesen und Management studiert und an der TU Dresden als wissenschaftlicher Mitarbeiter gearbeitet.

Mit der Produktion für seine Sächsische Spirituosenmanufaktur fing er schon 2014 an. Nachdem die ersten Schnäpse ausreichend lange gereift waren, startete vor zwei Jahren der Verkauf. Jetzt umfasst Wagners Sortiment rund 40 Sorten. Es reicht von Klassikern wie Birnen-Brand und Johannisbeer-Likör bis hin zu so ausgefallenen Dingen wie Mischbrot-Brand, Espresso-Geist oder Likör aus Grünen Walnüssen. „Alle Produktionsschritte erfolgen in echter Handarbeit“, betont Martin Wagner, dessen eigener Favorit der Sauerkirschbrand ist. Die Rohstoffe bezieht er so weit wie möglich aus der Region. Der 34-Jährige bewirtschaftet mehrere Streuobstwiesen, arbeitet aber auch mit Obstbauern zusammen. Verschiedene Beeren bezieht er zum Beispiel aus der Stolpener Gegend. „Verarbeitet wird nur das, was die Natur liefert“, sagt der Spirituosen-Spezialist. Deshalb hat er nicht jedes Produkt ständig im Angebot. Dafür aber immer wieder Besonderes. Zum Beispiel stellt Martin Wagner in Zusammenarbeit mit dem Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau den ersten Ananas-Geist her, für den Früchte aus regionalem Anbau Verwendung finden. Sie gedeihen in der Bad Muskauer Schlossgärtnerei. – Bei den Verpackungen setzt der Kirschauer Unternehmer auf nachwachsende Rohstoffe, unter anderem handgefertigte Geschenkkisten aus Erlenholz. Für alle seine Schnäpse „ist der Preis deutlich höher, als für Supermarkt-Produkte“, gibt Martin Wagner unumwunden zu. Trotzdem wächst die Nachfrage stetig. „Die Leute wissen zu schätzen, dass alles per Hand verarbeitet wird, dass nur natürliche Zutaten Verwendung finden, dass es keinerlei Zusätze wie Farbstoffe oder Aromen gibt“, kommentiert der Kirschauer.

Whisky muss noch reifen

Bisher arbeitet der Inhaber der Sächsischen Spirituosenmanufaktur, der vergangenes Jahr mit dem Lausitzer Existenzgründerpreis ausgezeichnet wurde, allein. Er kooperiert aber mit verschiedenen Partnern. Zum Beispiel lässt er Verpackungsarbeiten in Behindertenwerkstätten erledigen. Die gesamte Logistik will er im kommenden Jahr einem Dienstleister übergeben, um sich voll und ganz auf die Produktion von Bränden, Geisten und Likören konzentrieren zu können. Und auf sein neuestes Projekt – die Herstellung von Whisky. Etliche damit gefüllte Holzfässer lagern schon in Kirschau. „Den gibt es aber erst 2019 zu kaufen, weil er etliche Jahre reifen muss“, sagt Martin Wagner.

Seine anderen Produkte werden zum einen in mittlerweile rund 80 Gaststätten ausgeschenkt, unter anderem im Mönchshof in Bautzen, in der Blauen Kugel in Cunewalde und auf dem Bischofswerdaer Butterberg. Zum anderen gibt es die in Kirschau befüllten Flaschen an etwa 20 Stellen in Sachsen und Brandenburg zu kaufen, zum Beispiel in der Kleenen Schänke in Cunewalde oder im Bautzener Senfladen. Ein Großteil der Produkte der Spirituosenmanufaktur findet Absatz als Firmenpräsente. „Darauf habe ich mich spezialisiert“, berichtet der Kirschauer Gründer.