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Mit selbst entworfenen Taschen zum Erfolg

Jacqueline Müller hat einen Job, um den sie viele Frauen beneiden. Sie selbst musste sich erst damit anfreunden.

Von Romy Kühr

Handtaschen in vielen Formen und Farben sind in den Regalen in Jacqueline Müllers Büro drapiert. Große und kleine, dezent schwarze und auffallend gelb-rot gemusterte. Der angenehme Geruch von Leder zieht durch den Raum. Die 28-Jährige hat einen Job, um den sie wohl viele Frauen beneiden. Sie designed Handtaschen. „Mein Metier war das eigentlich gar nicht“, lacht die junge Unternehmerin. Handtaschen habe sie früher nicht getragen. „Ich habe meistens das Portemonnaie in die Hosentasche gesteckt.“

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Trotzdem war sie begeistert von der Idee, Leder zu schicken Taschen zu verarbeiten. Auf die brachte sie 2009 ein Geschäftspartner. Ihn hatte die gebürtige Löbauerin bei einem ihrer Jobs als Projektmanagerin kennengelernt. Der Mann aus Süddeutschland stellte ihr eine Manufaktur in Tschechien vor, die Leder verarbeitet. Gemeinsam entstand dort die Idee, eine eigene Firma für Handtaschen zu gründen. So wurde Jacqueline Müller die Inhaberin von Hajn Lederwaren. „Der Name Hajn stammt vom Inhaber der tschechischen Manufaktur. Ich habe ihn übernommen, denn er ist prägnant und lässt sich gut aussprechen.“ Die studierte Projektmanagerin entwirft die Modelle, genäht werden die Taschen in der Manufaktur in Tschechien, in der Nähe von Prag und seit diesem Jahr auch in einem Betrieb in Budapest in Ungarn. Mit ihren Skizzen reist sie regelmäßig nach Prag und Budapest, um ihre Entwürfe in Auftrag zu geben. „Die Osteuropäer sind für ihre gute Qualität bekannt beim Nähen und speziell bei der Verarbeitung von Leder“, sagt die Handtaschendesignerin. Das ist ihr wichtig. „Ich will keine Massenware verkaufen. Ich weiß, wo die Sachen herkommen und stehe voll dahinter.“

Im ehemaligen Ausbildungszentrum des Internationalen Bundes (IB) an der Spreedorfer Straße hat sie sich mit ihrer jungen Firma niedergelassen. Auch einige andere kleinere Betriebe haben sich in dem großen Gebäude eingemietet, das trotzdem noch zu großen Teilen leer steht. Ein Betrieb produziert Geflügelfleisch für China-Imbisse, es gibt eine Änderungsschneiderei und kleine Werkstätten. Für Jacqueline Müller war die Nähe zu Tschechien ausschlaggebend für den Standort. „Zur Post nach Jirikov ist es nicht weit, dort holen wir unsere Ware ab, die aus der Manufaktur geliefert wird.“ Das geht schneller, als wenn die Post nach Deutschland weiter geliefert würde. „So können wir innerhalb von einem Tag Bestellungen liefern.“

Anfangs arbeitete Jacqueline Müller nur nebenbei als Taschendesignerin und war weiterhin als Projektmanagerin unterwegs. In diesem Jahr aber hat sich das Unternehmen so gut entwickelt, dass es die junge Frau voll und ganz einnimmt. Der gute Erfolg kostete allerdings viel Geduld und einen langen Atem. „Sich in der Modebranche einen Namen zu machen, ist nicht einfach“, erzählt Jacqeline Müller. Mehrere Jahre musste sie warten, bis sie mit ihrer Firma einen Platz auf der wichtigsten Lederwarenmesse in Deutschland, der „Internationalen Lederwarenmesse“ in Offenbach, bekam. In diesem Jahr hat es endlich geklappt. „Jetzt haben wir dort einen festen Standplatz.“ Trotzdem sei es immer noch schwer, Kunden zu finden. Jacqueline Müller verkauft ihre Taschen ausschließlich an Fachhändler und Schuhgeschäfte. Die meisten haben allerdings ihre festen Lieferanten. „Wenn man aber einmal einen Fuß in der Tür hat, klappt es gut.“ Mittlerweile hat sie Kunden in ganz Deutschland sowie in Österreich, der Schweiz und Holland. 2013 hat sie sogar eine Eigenmarke „Jacqueline Pesca“ - das ist abgeleitet von ihrem Mädchennamen - entworfen. Diese Taschen sind bunt und sportlich und bestehen aus Rauhleder. „Das mag ich am liebsten“, sagt Jacqueline Müller. Bei den Kunden seien vor allem Taschen aus Elchleder beliebt. „Das ist besonders weich.“

Fast alles macht sie selbst und mit der Hilfe von Freunden und Familie, von den Fotos für den Onlineshop bis hin zum Aufbau des Standes auf den Fachmessen, die sie regelmäßig besucht. Eine Mitarbeiterin hilft ihr im Büro.

Trotz der vielen Arbeit sagt die junge Frau voll Überzeugung: „Es ist wirklich ein Traumjob. Ich kann kreativ sein, bin viel unterwegs, auch im Ausland - das ist genau das, was ich immer wollte.“ Und mittlerweile trägt Jacqueline Müller auch selbst Handtaschen. Natürlich ihre eigenen.

hajn-online.de

Jeden Mittwoch ist bei Hajn Lederwaren in der Spreedorfer Straße 7 für Besucher von 8 bis 18 Uhr geöffnet