merken
PLUS

Mit Strom unterwegs

Elektroautos sollen die Zukunft sein. Ein Wilsdruffer hat eins getestet: Sie sind leise, schnell und zu teuer.

Von Andrea Schawe

Den Zündschlüssel drehen, warten bis die Anzeige am Armaturenbrett mit einem grünen „Ready“ aufleuchtet und dann – nichts, das Auto gibt keinen Mucks von sich, nicht mal das leiseste Motorengeräusch. Das ist ungewohnt, nicht nur für den Fahrer, auch für die Fußgänger. Sie hören das silberne Elektroauto nicht. „Das ist ein bisschen wie in einem Spielzeugauto“, sagt René Hille. Der Wilsdruffer testete eine Woche lang ein Elektroauto für den Energieversorger Enso.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Klein, leise, schnell und mit Strom ist René Hille mit dem Mitsubishi im Landkreis unterwegs. Er testet den Wagen für den Energieversorger Enso. Fotos: Eric Münch (2)
Klein, leise, schnell und mit Strom ist René Hille mit dem Mitsubishi im Landkreis unterwegs. Er testet den Wagen für den Energieversorger Enso. Fotos: Eric Münch (2)

Der japanische Hersteller Mitsubishi hat bei dem i- MiEV darauf verzichtet, Motorengeräusche zu imitieren. Gut so, findet Hille. „Eigentlich ist es schön, wenn es so ruhig ist.“ Manchmal kann es nur auch gefährlich werden, auf einspurigen, engen Straßen oder für Fahrradfahrer. „Einen Rollstuhlfahrer, der auf der Straße fuhr, haben irgendwann Fußgänger auf mich aufmerksam gemacht“, erzählt Hille.

Die fehlende Geräuschkulisse ist vergessen, wenn der kleine Wagen an der Ampel allen davonzieht. Denn das Elektroauto beschleunigt überraschend schnell. „Ich habe schon Autos mit wesentlich mehr Leistung stehenlassen“, sagt Hille. Auch über die Straßen fegt der silberne Flitzer geschmeidig. Es fühlt und hört sich an wie in einer Straßenbahn.

Etwa 100 Kilometer Reichweite zeigt die Anzeige oben rechts auf dem Armaturenbrett an und das bei fast vollständig geladener Batterie. Bei jedem Bremsen rutscht der Zeiger der Verbrauchsanzeige in den linken Bereich. „Aufladen“ steht dort. Bei den Elektroautos geht nichts verloren, die Energie, die beim Bremsen entsteht, wird gespeichert. Deswegen bremst der Motor relativ stark ab. Auch beim Rollen lädt der Akku.

Wie weit man mit dem Elektroauto kommt, hängt vom Fahrstil ab, von der Zuladung und von der Geschwindigkeit. Das ist also nicht anders als bei dem normalen Benziner oder Diesel. Allerdings zehren bergige Strecken an der Batterie, genauso wie Heizung und Klimaanlage. „Die Scheinwerfer verbrauchen auch Strom, aber das hält sich in Grenzen“, sagt Hille. Der Bewegungsradius ist also geringer, große Ausflüge sind nicht drin. „Außer man macht alle 100 Kilometer eine halbe Stunde Pause“, sagt Hille. So lange dauert es, die Batterie wieder aufzuladen. Das geht nicht nur an den Zapfsäulen, sondern auch zu Hause. „Mit einem speziellen Kabel kann ich das Auto an jeder normalen Steckdose laden“, erklärt der Testfahrer. Das dauere mit etwa sechs Stunden aber wesentlich länger.

Der Mitsubishi, in dessen Kofferraum problemlos der Wochenendeinkauf passt, ist auch autobahntauglich. 130 Stundenkilometer schafft er locker. „Richtig interessant wird es aber erst, wenn die Autos 500 Kilometer weit fahren können“, sagt Hille.

Schon im vergangenen Jahr hat der Energieversorger E-Mobile testen lassen. Mit der Aktion will die Enso vor allem die Alltagstauglichkeit der Autos prüfen. Noch bis 1. Dezember sind deswegen insgesamt 18 Testfahrer jeweils eine Woche unterwegs. Ziel sei es, möglichst häufig eine von etwa 20 Stromtankstellen in der Region zu nutzen, so Enso-Sprecherin Claudia Kuba. Die Enso betreibt eine vor ihrem Firmensitz gegenüber des Dresdner Hauptbahnhofs und fünf weitere in Tharandt, Großenhain, Glashütte, Radeberg und Kurort Rathen. Die Drewag betreibt sieben öffentliche Ladestandorte, drei weitere kommen demnächst hinzu. Die meisten lassen sich jetzt bequem per Handy-App bedienen. Das funktioniert so wie beim mobilen Fahrschein für die Bahn.

Das perfekte Stadtauto, findet René Hille nach einer Woche testfahren. Der Bauingenieur fährt eigentlich einen Benziner, einen alten Volkswagen Golf. „Ich könnte mir ein Elektroauto super als Zweitwagen vorstellen“, sagt er. Auch fürs Car-Sharing wären Elektroautos perfekt. Das Problem ist der Preis. Der getestete Mitsubishi kostet über 30 000 Euro. Erst, wenn die Nachfrage steigt, soll der Kaufpreis sinken. Eine Million dieser abgasfreien Autos sollen nach den Wünschen der Bundesregierung bis 2020 zugelassen sein. Bis es so weit ist, kann es allerdings noch etwas dauern. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums sind derzeit gerade einmal 6 400 E-Mobile auf deutschen Straßen unterwegs – ein Marktanteil von 0,016 Prozent. Hille ist trotzdem begeistert. Demnächst will er sich das strombetriebene Modell von BMW anschauen.