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Mit Tablet und PC zur Visite

Die Krankenakte verschwindet vom Büroschrank in den Computer. Was das bringt und wie es funktioniert.

Chefarzt Dr. Markus Schütz und Sonja Scholz in der Dippoldiswalder Klinik: Sie kommen zur Visite nicht mehr mit einem Papierstapel unterm Arm.
Chefarzt Dr. Markus Schütz und Sonja Scholz in der Dippoldiswalder Klinik: Sie kommen zur Visite nicht mehr mit einem Papierstapel unterm Arm. © Karl-Ludwig Oberthür

Manche Patienten im Krankenhaus dürften sich schon ein bisschen wundern, wenn die Tür aufgeht und zur Visite mit dem Schwarm in Weiß auf einmal noch ein Wagen mit kleinen und großen Computern hereinrollt, der Visiten-PC. „Sie fragen sich dann, muss das denn sein, dass der Arzt jetzt auch noch auf dem Tablet herumtippt?“, sagt Dirk Köcher und lächelt. Der Geschäftsführer der Helios Weißeritztal-Kliniken fügt hinzu: „Das müssen wir natürlich kommunizieren.“

Denn sein Haus stellt mehr und mehr von der Papier- auf die elektronische Patientenakte um. Ein Prozess, den seine Vorgängerin Ursula Zufelde schon vor 15, 20 Jahren eingeleitet hat und der nunmehr unter dem Dach des Helios-Konzerns zunehmend vorangetrieben wird. Die Weißeritztal-Kliniken verabschieden sich Schritt für Schritt vom Papier und erstellen die Dokumentationen, die hier lebenswichtig sind, am Computer.

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Begonnen wurde damit in der Intensivstation, es folgten Notfallambulanz und Beatmungsgeräte. Die Klinik in Dippoldiswalde arbeitet seit Ende April bereits als Erste auf den Normalstationen digital. Dieses und nächstes Jahr sollen alle anderen auch am Standort in Freital folgen.

Köcher sieht darin klare Vorteile für Patienten und Mitarbeiter, vor allem in einer Zeit, wo Dokumentationen zunehmen. Statt zu Papier und Stift zu greifen, wird dafür immer mehr digitale Technik genutzt. „Die ist standardisiert und die Schrift immer leserlich“, erläutert der Klinik-Chef. „Die Diagnose erfolgt außerdem dadurch schneller und ist sicherer.“

Köcher erläutert das an zwei Beispielen. Wenn ein Patient nach einem schweren Unfall am Wochenende eingeliefert wird und zur Diagnose eine Computertomografie notwendig ist, musste der Arzt in Bereitschaft gerufen werden, sich erst ins Auto setzen. Dann entschied er vor Ort, was zu tun ist. Jetzt kann er sich von zu Hause mit Dienstgerät, das zur Verfügung gestellt wird, in die Klinik einloggen und in Echtzeit die Ergebnisse auswerten.

Oder ein anderes Beispiel: Genau wie Röntgenbilder können auch Laborwerte am rollenden Visiten-PC noch am Krankenbett oder unterwegs auf dem Tablet angezeigt werden. Und nicht nur das. Sind beispielsweise Blutwerte kritisch, werden diese auf dem Bildschirm farblich markiert. „Damit können auch schneller andere Ärzte mit eingebunden werden“, sagt Köcher.

Von dem Fall einer Katastrophe, wie sie 2002 passierte, gar nicht zu reden. Bei der Jahrhundertflut stand auch das Klinikum in Freital unter Wasser und spülte alle Patientenakten mit fort. Das, so Köcher, könne durch die Digitalisierung nicht mehr passieren. Die Daten seien sicher, selbstredend nicht nur vor Naturkatastrophen, sondern auch vor externen Zugriffen, versichert Köcher.

Sollte es zu Stromausfällen kommen, wäre die Medizin auch nur bedingt eingeschränkt. Zum einen verfügen die Weißeritztal-Kliniken über Notstromaggregate und die einzelnen technischen Geräte noch mal separat über Akkus. „Ich kann mich nicht an einen größeren Netzausfall erinnern“, sagt Köcher. Zum anderen könnte jederzeit wieder ins analoge Verfahren gewechselt werden. „Wir haben das Ausfallsystem in Papierform“, das dann einfach wieder vorübergehend angewandt wird. Bis 2021 soll es bundesweit einen digitalen Datenstamm geben, der untereinander ausgetauscht werden kann. Das würde eine neue Stufe bedeuten und die medizinische Versorgung durch die Vernetzung von Kompetenzen verbessern, auch Mehrfach-Untersuchungen vermeiden.

Den nächsten Schritt können die Weißeritztal-Kliniken jetzt machen. Denn sie haben knapp 118 000 Euro vom Freistaat aus einem Zehn-Millionen-Paket zur Digitalisierung von sächsischen Krankenhäusern bekommen, wie die CDU-Landtagsabgeordnete Andrea Dombois informiert. Damit könne eine moderne digitale Infrastruktur auf- und ausgebaut werden. Köcher ist froh über die finanzielle Hilfe, in dem Fall sogar eine 100-prozentige Förderung: „So ein Programm ist einzigartig in Deutschland.“ Er will das Geld unter anderem dafür einsetzen, um Geräte wie Notebooks, Laptops und Tablets zu erneuern bzw. den Bestand zu erweitern. Zudem soll künftig mit Spracherkennung gearbeitet werden, also mit Technik, die das gesprochene Wort in geschriebenen Text wie einen Arztbericht umwandeln kann. Das entlastet, ersetzt aber nicht den Arzt, versichert Köcher.

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