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Mit Tatütata in die Vergangenheit

Beim Jubiläum 90 Jahre Feuerwehr kommt so manch historisches Detail zum Vorschein. Das lockt Besuch aus der Ferne an.

Von Tina Soltysiak

Die Straße zwischen Naunhof und Beiersdorf ist von Schaulustigen gesäumt. Tatüütataaa – die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren lassen es sich nicht nehmen, die Sirenen ertönen zu lassen. Rund 20 Löschzüge von der traktorengezogenen Motorspritze aus dem Jahr 1924 bis hin zum modernsten Feuerwehrauto gibt es beim Umzug anlässlich des 90-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Naunhof/Beiersdorf zu bestaunen. „Dass solch eine Masse von Leuten zuschaute, hat uns wirklich erstaunt, damit hätten wir nicht gerechnet“, sagt Ortswehrleiter Frank Andrä. Die Fahrzeuge zusammen zu bekommen, sei kein großes Problem gewesen. Die historische Handruckspritze und die nach wie vor funktionsfähige Motorspritzevon1924 sind im Besitz des Feuerwehrvereins, die anderen Fahrzeuge stellen befreundete Wehren aus Döbeln, Niederstriegis und Leisnig. Steffen Brückner von der Niederstriegiser Wehr ist in einen olivgrünen DDR-Feuerwehr-Schutzanzug gekleidet. „Es ist schon, bei solchen Veranstaltungen andere Kameraden treffen und Erfahrungen austauschen zu können“, sagt er. Das schätzt und auch die Geselligkeit schätzt Konrad Jentzsch. Seit mehr als 50 Jahren ist der 70-Jährige bereits Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr. „Angefangen habe ich in Börtewitz, seit rund zehn Jahren bin ich in Beiersdorf dabei“, erzählt er. Er rücke auch noch zu Einsätzen mit aus. „Ich lasse den Jüngeren den Vortritt, aber wenn Not am Mann ist, fahre ich mit raus.“

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In ihrer 90-jährigen Geschichte hat die Wehr, die zu Gründungszeiten 1924 noch Freiwillige Feuerwehr Beiersdorf/Nicollschwitz hieß, zahlreiche Kameraden hervorgebracht. Ein Foto der Gründungsmitglieder und der Auszug des ersten Feuerwehrstatuts erinnern daran. Das Archiv des Feuerwehrvereins ist dank Ortsvorsteher Michael Heckel am Sonnabend wieder ein Stückchen angewachsen. „Wir räumen gerade das Archiv vom Gemeindeamt in Bockelwitz aus und da haben wir alte Dienstausweise gefunden. Die will ich heute übergeben“, sagt er. Heckel klappt jedes Dokument auf, verliest Namen: „Paula Fiedler.“ „Das ist meine Oma“, sagt Frank Andrä. Erfreut sich, den bereits leicht vergilbten Ausweis in der Hand halten zu können. „Das ist echt interessant zu sehen, wie lange sie in der Wehr war und das alte Foto.“ Dieselben Gefühle empfindet Wolfgang Neureiter, als er seinen ersten Dienstausweis überreicht bekommt. Der 70-Jährige ist 1961 in die Beiersdorfer Wehr eingetreten. Die Kameraden erinnern sich an die größten Einsätze. Die liegen noch gar nicht so lange zurück: „In den 70er-Jahren hab es einen großen Brand einer Strohscheune. Und die Hochwasser 2002 und 2013 haben uns tagelang auf Trab gehalten“, erzählt Frank Andrä.

Beim Jubiläumsfest ist für Jung und Alt etwas dabei. So warten die Kinder darauf, dass in der Hüpfburg endlich genügend Luft ist, um losspringen zu können. Zudem gibt es Vorführungen von der Spreiztechnik und vom Löschen eines brennenden Autos. „Meine Enkel machen dabei mit“, erzählt Steffi Mönch, die extra aus der Nähe von Frohburg nach Beiersdorf gekommen ist. Die Kinder der Kita Börtewitz haben am Freitagabend ihre Zuckertüten vom Dach des Gerätehauses herabgelassen bekommen. Im Gegenzug sind sie am Sonnabend aufgetreten. Bis tief in die Nacht hinein haben die Kameraden gemeinsam mit Kollegen und Gästen gefeiert. „Die Ortswehren sind abgemeldet, falls irgendwo etwas passiert, müssen die Leisniger ran“, erzählt Frank Andrä, bevor er im Festzelt verschwindet.