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Mit Tessa durch Görlitz

Die US-Amerikanerin mag die Stadt. Sie will sie bald auch anderen zeigen. Dafür muss sie aber auf die Schulbank.

Tessa Enright fühlt sich in der Görlitzer Nikolaivorstadt sehr wohl. Die gebürtige Amerikanerin kam der Liebe wegen an die Neiße. Sie hat sich aber nicht nur in ihren Mann verliebt, sondern auch in die Stadt. Diese Begeisterung möchte sie künftig als Gäst
Tessa Enright fühlt sich in der Görlitzer Nikolaivorstadt sehr wohl. Die gebürtige Amerikanerin kam der Liebe wegen an die Neiße. Sie hat sich aber nicht nur in ihren Mann verliebt, sondern auch in die Stadt. Diese Begeisterung möchte sie künftig als Gäst © Gabriela Lachnit

Tessa Enright hat sich entschieden – für ihren Mann und seinen Geburtsort Görlitz. Die Amerikanerin aus Phönix/Arizona in den USA lebt seit zweieinhalb Jahren an der Neiße. In der Nikolaivorstadt kaufte sie mit ihrem Mann ein Haus und sanierte es. Genau in diesem Teil der Stadt wollte sie leben. Das war die Antwort auf die Frage ihres Angetrauten, als er ihr die Stadtteile vorstellte und wissen wollte, wo Tessa Enright sich in Görlitz wohlfühlen würde. „Die Nikolaivorstadt ist so wunderschön, ich mag die Art der Gebäude, die Fassaden, hier kann man die Geschichte der Stadt regelrecht fühlen“, sagt sie.

Die Begeisterung für die Stadt brachte sie auf die Idee, künftig Stadtführungen auf englisch anzubieten. Deswegen hat die 34-Jährige bereits mehrere Kurse an der Volkshochschule Görlitz besucht, die für künftige Gästeführer angeboten werden. In diesem Herbst will sie bei weiteren Kursen ihr Wissen über Görlitz vertiefen. Tessa Enright plant, im kommenden Frühjahr die Gästeführerprüfung abzulegen, in Englisch, um dann künftig Touristen an ihrer Liebe für die Stadt teilhaben zu lassen.

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Katrin Prenzel, die Leiterin der Görlitzinformation, wartet schon darauf. Denn die Einrichtung braucht immer wieder neue Stadtführer. Außer im Januar, Februar und im November kommen viele Touristen nach Görlitz und wollen aus fachkundigem Mund Wissenswertes über die Historie und Menschen, die einst hier lebten, erfahren. Die Leiterin ist „heilfroh, dass etliche ältere, langjährige Gästeführer noch für uns tätig sind.“ Einige gehen auf 80 Lebensjahre zu und wollen kürzer treten, weil es die Gesundheit beispielsweise nicht mehr erlaubt, bei Hitzetagen wie zuletzt täglich zwei Stadtführungen zu leiten. Es werden dringend Stadtführer gesucht. Auch in anderen Städten der Oberlausitz wie Bautzen, Zittau und Löbau fehlen Gästeführer, sagt Frau Prenzel und betont „das ist kein typisch Görlitzer Problem.“

Um das zu lösen, kooperiert Görlitzinformation seit einigen Jahren intensiv bei der Gewinnung von Gästeführern mit der Volkshochschule Görlitz (VHS). Dort werden Kurse für künftige Gästeführer angeboten. Dabei wird nicht nur über Görlitzer Geschichte und Baustile, über die Oberlausitz, Nordböhmen und die Nachbarstadt Zgorzelec informiert, sondern es gibt viele Hinweise, wie man zum Beispiel eine Stadtführung konzipiert und wie sich Gästeführer stimmlich rüsten können. Außerdem erfahren sie, wie man eine neu erstellte Führung am besten in ihrem Verlauf festlegt. Vieles sei dabei zu beachten, unter anderem Straßenquerungen und die Wegführung. Wer in Görlitz Stadtführungen anbieten möchte, muss seine Eignung mittels einer Prüfung nachweisen. Diese Prüfung nimmt die Europastadt Görlitz-Zgorzelec GmbH (EGZ) ab.

Die Wissensvermittlung in englisch funktioniert in Görlitz für Touristen oder andere Besucher der Stadt, auch wenn sie nicht aus dem englischsprachigen Raum kommen. „Norweger oder Litauer zum Beispiel nutzen gern eine Führung in englisch, denn in norwegisch oder litauisch können wir sie nicht anbieten“, erklärt Katrin Prenzel. Vor einiger Zeit habe Görlitzinformation regelmäßig, eine Zeit lang sogar täglich, öffentliche Stadtführungen in Englisch angeboten. Das wurde aber eingestellt, weil es sehr wenig oder gar keine Nachfrage dafür gab. Katrin Prenzel kann sich aber vorstellen, dass es künftig wieder mehr Bedarf geben wird. Mit Tessa Enright könnte dann eine versierte Muttersprachlerin zur Verfügung stehen.

Die Amerikanerin in Görlitz ist bereits sehr aktiv bei der Vorbereitung ihrer künftigen Stadtführungen. Für Freunde und Bekannte hat sie das im privaten Rahmen und unentgeltlich bereits ausprobiert. Über soziale Netzwerke hat sie eine Englisch-Gruppe gegründet. Dort sind Menschen dabei, die in Görlitz und Umland leben und aus dem englischsprachigen Raum kommen. In ihrem Blog „Tessa aproves“ erzählt sie in Englisch über Görlitz und das Umland. Sie animiert zu Wanderungen rund um Löbau und im tschechischen Hejnice (Haindorf) genau so, wie sie über Tagesausflüge nach Boleslawiec (Bunzlau) und Frydlant (Friedland) berichtet. „Ich unternehme kleine Tagesausflüge, um mein neues Zuhause und die Umgebung zu erkunden. Ich bin immer auf der Suche nach einem neuen Ort, den ich entdecken kann“, sagt Tessa Enright und lässt die Internetgemeinde an ihren Entdeckungen teilhaben.

Informationen zum Gästeführerkurs gibt es kostenfrei am 9. September, ab 17 Uhr, in der VHS, Langenstraße 23, Anmeldung ist erwünscht.

web www.tessa-aproves.com; www.vhs-goerlitz.de

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