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Mit Unterschriften gegen die Schließung

Die Zauckeroder Bibliothek soll schließen und nach Deuben umziehen – zum Nachteil der Kinder. Dagegen regt sich Widerstand.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Andrea Schawe

Freital. Ihr zehnjähriger Sohn liebe Bücher, auch die fünfjährige Tochter besuche regelmäßig die Bibliothek im Zauckeroder „Oppelschacht“, sagt Andrea Thäder-Voigt. Doch das könnte im Sommer vorbei sein. Denn die Zauckeroder Bibo soll genauso wie die Kinderbibliothek in Deuben schließen und in die neue Zentralbibliothek umziehen. „Vor allem für Kinder und Rentner wird es dadurch schwieriger, Bücher auszuleihen“, sagt Thäder-Voigt. Sie müssten in Zukunft zwangsläufig in die Bibliothek fahren, weil Deuben zu Fuß nicht zu erreichen sei.

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Auch andere Zauckeroder protestieren gegen die Schließung. Die Eltern der Kitas und Grundschule in Zauckerode seien entsetzt, heißt es. Um die Schließung in Zauckerode zu verhindern, hat Andrea Thäder-Voigt eine Unterschriftenaktion gestartet. Bisher sammelte sie über 60 Unterstützer. Die Liste wurde kürzlich der Verwaltung übergeben.

Der Stadtrat hatte im November beschlossen, eine neue Freitaler Zentralbibliothek im Deubener City-Center an der Ecke Dresdner Straße/Bahnhofstraße zu eröffnen. Auf den 1 200 Quadratmetern im ersten Obergeschoss sollen sich ab Sommer 2016 sowohl die Erwachsenen- als auch die Kinderbibliothek befinden. In die untere Etage könnte Gewerbe einziehen, so der Plan der Stadt. Früher befand sich die Bibliothek genau nebenan auf dem Gelände des neuen Technologiezentrums.

Mehr Laufkundschaft am neuen Standort erwartet

Nach dem neuen Konzept soll die Zentralbibliothek vor allem ein Bildungszentrum sein. Eine Idee ist, dass die Volkshochschule mit in das City-Center zieht. Mehr als 4 000 Nutzer hatte die Bibliothek im vergangenen Jahr, 714 davon waren neue Benutzer, 165 Kinder unter sechs Jahren. Etwa 100 000 Medien werden pro Jahr entliehen. In der Hauptbibliothek in der Panschau-Galerie und den zwei Zweigstellen in Zauckerode und Deuben stehen etwa 60 000 Bücher, CDs, Zeitungen und DVDs zur Verfügung.

Die Stadt verspricht sich am neuen Standort mehr Laufkundschaft als in der Panschau-Galerie. Der Busbahnhof ist in der Nähe, genauso wie das Weißeritzgymnasium. Der Vorteil für die Stadt ist, dass die Bibliothek an dem neuen Standort ihre Kräfte bündeln könnte. Das spart Personalkosten und Zuschüsse.

„Die Kinder in Zauckerode und Umgebung bleiben jedoch auf der Strecke“, sagt Andrea Thäder-Voigt. Die Idee einer modernen Zentralbibliothek, um den Stadtteil Deuben wirtschaftlich zu beleben und ein Bildungszentrum zusammen mit der Volkshochschule zu konzipieren, klinge erst einmal toll. „Dass gleichzeitig aber die in Zauckerode und Deuben schließen sollen, ist schade“, sagt die Saalhausenerin. „Dadurch geht ein Stück Lesekultur verloren.“ Es sei zwingend notwendig, Bibliotheken auch an anderen Standorten zur Verfügung zu stellen. „Nur so können Bücher und Medien für alle Menschen erreichbar sein.“

Umzug steht noch nicht endgültig fest

Die Biologin befürchtet, dass auch die Kitas in Zauckerode und Umgebung ab Sommer weniger mit der Bibliothek zusammenarbeiten könnten. Ihre Tochter besucht die DRK-Kita „Zwergenland am Birkenwald“. „Die Kinder leihen sich jetzt mit ihren Erziehern monatlich ein Buch aus“, sagt sie. „Ab Sommer wird es schwieriger oder gar nicht mehr möglich sein, bis zur geplanten Zentralbibliothek zu fahren.“

Die Sprach- und Leseförderung von Kindern bis drei Jahre und im Vorschul- und Grundschulalter ist aber der Schwerpunkt der Bibliothek. Zusammen mit Kitas, Tagesmüttern und Grundschulen in der Region arbeitet sie daran, den Anteil der Kinder, die einen auffälligen Sprachgebrauch haben, zu verringern. „Ob ein Kind eine Sprach- und Leseförderung erhält, hängt davon ab, ob die Eltern mit den Kindern überhaupt bis zur geplanten Zentralbibliothek kommen“, sagt Thäder-Voigt. In Zauckerode könnten die Kinder das kostenfreie Angebot, sich über Bücher zu bilden, fußläufig, ohne Abhängigkeit von Bus oder Auto, nutzen.

Noch steht der Umzug der Zauckeroder Bibliothek nicht endgültig fest. „Wir führen intern noch Gespräche“, sagt Rathaussprecherin Inge Nestler. Es gebe noch einige Sachen zu klären. Details wollte sie nicht nennen. Bevor die Bibliothek ins City-Center einziehen kann, müssen auch die Räume noch umgebaut werden. Dafür sind etwa 275 000 Euro eingeplant.