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Mit Vollgas durch die Garage

Trotz Corona-Krise: Kartpilot Jonas Ungnader misst sich mit internationaler Konkurrenz. Das nächste Mal am Sonntag in Mugello bei Ferrari.

Sitzt fast jeden Tag eine Stunde in der Garage im heimischen Rennsimulator und trainiert für seine Motorsportkarriere: der Sittener Kartpilot Jonas Ungnader.
Sitzt fast jeden Tag eine Stunde in der Garage im heimischen Rennsimulator und trainiert für seine Motorsportkarriere: der Sittener Kartpilot Jonas Ungnader. © Dietmar Thomas

Einmal mit Vollgas über den Nürburgring brettern, durch den Tunnel von Monaco preschen, allen Mut für das Durchfahren der Eau Rouge in Spa zusammennehmen, oder durch die Tamburello-Kurve in Imola kommen, ohne abzufliegen. Irgendwo ist das der Traum eines jeden Rennsportfan. Für den Sittener Kartpiloten Jonas Ungnader stellt das mittlerweile die Realität dar. Zumindest in der heimischen Garage, in der das Rennsporttalent auf dem Simulator trainiert und schon das erste offizielle Rennen bestritten hat.

Der Plan, den der Elfjährige und sein Vater Torsten in dieser Saison verfolgten, war eigentlich ein ganz anderer. Nach zahlreichen Testfahrten sollte am ersten Aprilwochenende auf der Kartbahn der 2019 neu eröffneten Motorsportarena in Mülsen bei Zwickau erfolgreich in die neue Saison gestartet werden. Erstmals vor den Augen zahlreicher Fans, die der junge Sittener zum ersten Rennen in der RMC-Clubsport-Serie eingeladen hatte.

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Saisonstart fällt aus

Dieser Aufgalopp war als Generalprobe für die Rotax Max Challenge Germany gedacht, bei der zwei Wochen später das Unternehmen „Meisterschaft“ in der Klasse Mini gestartet werden sollte. Doch dann kam die Corona-Krise und warf alle Vorhaben über den Haufen. „Ich finde das echt Mist, weil wir neben den Rennen ein Event für unsere Verwandten, Freunde und Sponsoren geplant hatten“, sagt Jonas.

Im Gegensatz zu vielen seiner Mitbewerber besitzt der Fünftklässler des Martin-Luther-Gymnasiums Hartha aber die Chance, seine Rennsportkarriere dennoch voranzutreiben. Vater Torsten gründete im vergangenen Jahr zur Förderung seines talentierten Sohnes die Firma Raceeffekt. Dafür wurden mehrere Hightech-Simulatoren angeschafft. Mit denen können Rennen auf den Strecken der gesamten Welt fast identisch nachempfunden werden. 

„Es handelt sich um Vollmotion-Rennsportgeräte, die der Realität sehr nahe kommen“, erklärt Torsten Ungnader. „Die Kurven-, die Beschleunigungs- und Bremskräfte werden simuliert “, fügt der Teamchef von MotoJo (MotorJonas) an.Es gibt über 100 verschiedene Fahrzeuge von Formel, TCR, GT und Formel 1 mit Original Setup vom Rennbetrieb, die man auf über 30 verschiedenen Strecken, lasergescannt vom Original in die Simulatoren übernommen, steuern kann.

Riesenauswahl am Rennwagen

Außerdem sind verschiedene Wetter- und Tagesoptionen möglich, da die Simulatoren mit der Strecke verbunden sind und die tatsächlichen Werte wie Temperatur und Witterung abrufen. Getriebe und Fahrwerk müssen entsprechend abgestimmt werden. Es wird der Reifenabbau simuliert und die Veränderung des Grips auf der Strecke, wenn sich darauf im Verlauf des Rennens Gummi ablagert. 

„Eigentlich unglaublich“, sagt Torsten Ungnader und fügt an: „Wir hatten zur Zusammenarbeit einen Dateningenieur hier. Der war total begeistert, was er alles an Werten herausfiltern konnte.“ Und auch mit dem ehemaligen Formel Masters- und Formel 3-Champion, sowie GP3- und GP2-Piloten Marvin Kirchhöfer, trainierte Jonas bereits auf den Geräten. „Es hat Spaß gemacht, ihn zu treffen. Das war richtig geil“, sagt Jonas Ungnader, der dem Leipziger, der seit 2017 im ADAC GT Masters unterwegs ist, irgendwann als Tourenwagenpilot nacheifern will.

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Nicht zuletzt dafür hat er mit dem Actoracer, so lautet die Bezeichnung des Simulators, beste Trainingsvoraussetzungen. Denn mit dem Einstieg in ein echtes Rennauto dauert es für den Elfjährigen natürlich noch fünf Jahre. 

„Wenn es geht, trainiere ich eine Stunde täglich und bereite mich auf eine Simracing-Serie vor“, erzählt der kommende Champ. „Da muss man nicht jedes Mal anderthalb Stunden zur nächsten Rennstrecke fahren. Es ist schon anstrengend, aber ich komme mit dem Tourenwagen im Simulator recht gut zurecht“, fügt er an.

Das setzte er nun auch in seinem ersten richtigen Rennen um, das er als Alternative zum ausgefallenen Saisonauftakt gegen teilweise professionelle und weitaus ältere Konkurrenz bestritt. Im Porsche 718 Cayman absolvierte er erst ein Rennen über 30 und nach fünf Minuten Pause ein weiteres über 45 Minuten. 

Als Rookie (Neuling) kam er dabei jeweils auf einem Mittelfeldplatz ein. „Im zweiten Rennen hat mich jemand versucht, fünfmal abzuschießen, was ihm dann auch gelungen ist. Ich hoffe, er ist hinterher dafür von der Rennleitung bestraft worden“, schimpft der Elfjährige auf die Konkurrenz wie ein Alter.

Ärger mit der Konkurrenz

Eines allerdings gibt der Sittener zu: „Auf Dauer ist es auch im Simulator sehr anstrengend. Vor allem das Konzentrieren, wozu im Rennsport 80 Prozent der Energie benötigt wird.“ So sei ihm nach den beiden Rennen das Laufen auch recht schwer gefallen, was ihm viele gar nicht glauben würden. 

„Es ist mittlerweile schon eine professionelle Szene, die sich entwickelt. Selbst Sebastian Vettel und andere Formel1-Piloten trainieren während der Corona-Krise an solchen Geräten und fahren sogar Rennen“, sagt Torsten Ungnader. Er ist sich sicher, dass es Jonas mit guten Auftritten in der Simracing-Serie perspektivisch leichter haben wird, bei einem Top-Team im Tourenwagenbereich unterzukommen.

„Am Simulator lernt man die Grundlagen. Zum Beispiel, auch wie man ein Auto abfängt, wenn über die Hinterachse rutscht“, sagt Jonas und dass er davon auch im Kartsport profitieren wird. Richtig fahren, findet Jonas aber ohnehin immer noch viel cooler. Weil dort echte G-Kräfte wirken und er mehr Adrenalin im Körper hätte. Und außerdem gäbe es am Ende manchmal auch einen Pokal.

Um im virtuellen Bereich zu gewinnen, wird der Sittener dennoch weiter auf dem Simulator trainieren und Rennen absolvieren. Das nächste bereits an diesem Wochenende auf dem hauseigenen Kurs von Ferrari in Mugello wo er seinen Porsche an den Start bringt. Dabei kann der Sittener ab 13.30 Uhr auf Youtube beobachtet werden. Die Verlinkung zum Livestream ist auf der Homepage zu finden. 

„Da will ich mindestens 18. werden. Durch Corona ist mir ja etwas mehr Zeit zum Trainieren geblieben. Da habe ich auch meine Ansprüche etwas höher geschraubt“, sagt Jonas Ungnader, der zudem vom ADAC Sachsen in die Landesauswahl des Digitalcups berufen wurde. „Eine tolle Sache, bei der er von erfahrenen Sportlern weiter lernen kann“, freut sich Vater Torsten Ungnader, der ausschließt, sich selbst ins Cockpit zu setzen. „Ich bin zu alt für solche Sachen. Jonas nimmt mir auf die Runde zehn Sekunden ab. Ich bin der Organisator. Und das ist gut so.“

Weitere Informationen gibt es unter www.raceeffect.de

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