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Mit Wein und Kerzen zu neuen Kirchenglocken

120 000 Euro kostet die Sanierung des Geläuts. Die Cunewalder lassen sich allerhand einfallen, um das Geld aufzutreiben.

Von Katja Schäfer

Es gibt ihn als Weißen, als Roten und als Rosé. „Da dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein“, sagt Frank Johne und wirft einen prüfenden Blick auf die Flaschen. Sitzen die Etiketten des Cunewalder Glockenweines gerade? „Wir haben sie selbst aufgeklebt“, erzählt Johne. Mit wir meint er die Mitglieder des Glockenförderkreises. Neun Männer und Frauen engagieren sich darin, um Spenden für die Sanierung der Glocken der größten Dorfkirche Deutschlands einzuwerben, unter anderem durch den Verkauf verschiedener Dinge wie des Glockenweines, den der Förderkreis von einem Weinhändler bezieht und mit selbst gestalteten Etiketten versieht.

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Seit 60 Jahren hängen die drei jetzigen Eisenglocken im Kirchturm. „Bei der Mittleren ist das Joch angerissen“, berichtet Pfarrer Heino Groß. Deshalb läutet sie nicht mehr dreimal am Tag, sondern nur noch, wenn das ganze Geläut ertönt. Trotzdem führt um eine Erneuerung kein Weg herum. „Anfangs hatten wir überlegt, die Glocken nach und nach auszuwechseln. Doch da wäre der Aufwand zu groß, weil zum Beispiel jedes Mal wieder ein Kran hermüsste“, sagt Frank Johne. Also hat sich die Kirchgemeinde entschieden, alle drei Eisen-Glocken gegen Bronzeglocken zu tauschen. 120 000 Euro sind dafür und für das Ausbessern des Glockenstuhles, die Modernisierung der Elektrik und weitere Arbeiten veranschlagt. Zwar hoffen die Cunewalder auf Unterstützung vom Landeskirchenamt, doch den Großteil der Summe müssen und wollen sie selbst aufbringen.

Bisher kamen schon 17 500 Euro zusammen; ausschließlich aus kleinen Spenden. „Und das innerhalb so kurzer Zeit“, ist der Pfarrer froh und spricht von einem kleinen Wunder. Erst seit einem reichlichen halben Jahr stehen getöpferte Spendenglocken in Cunewalder Geschäften und wird zum Spenden aufgerufen. Der Förderkreis bündelt alle Aktionen und denkt sich ständig neue aus. Zuerst wurden gehäkelte Glöckchen verkauft. Vieles andere kam inzwischen hinzu. Zum Beispiel Holzglocken aus Seiffen, Kerzen aus Ebersbach, die ein Bild der Kirche ziert, und bedruckte Leinenbeutel. „Um Fehler zu vermeiden und Anregungen zu bekommen, haben wir uns bei den Kirchgemeinden in Hochkirch, Malschwitz und Neukirch informiert, die solche Projekte durchgezogen haben. Überall wurden wir gut unterstützt“, erzählt Karl Michler, der sich gemeinsam mit seiner Frau im Förderkreis engagiert. Gerade ist ein neuer Flyer fertig geworden. Er wurde ebenso wie das Logo des Förderkreises von Markus Schuster gestaltet. Der junge Mann kennt sich von Berufs wegen damit aus, erledigt diese Arbeiten jedoch ehrenamtlich, da er Mitglied des Förderkreises ist. Auch an dem runden Aufkleber hat er mitgewirkt, der auf das 222-jährige Jubiläum der Kirche in zwei Jahren hinweist. „Es wäre schön, wenn wir bis dahin die neuen Glocken hätten, aber das ist ein sehr enges Ziel“, sagt der Pfarrer. Nach einer Glockengießerei Ausschau halten wollen die Cunewalder frühestens, wenn sie die Hälfte der Summe zusammenhaben. Dieser Tage beginnen Mitglieder des Förderkreises damit, von Firma zu Firma zu gehen und um Spenden zu bitten.

Spenden: Glockenförderkreis Cunewalde, Konto 4200378208, Volksbank Löbau-Zittau, BLZ 85590100; Verwendungszweck „Spende Glockensanierung“;

www.cunewalde-pfarramt.de/glocken.html