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Großenhain

Mitarbeiter haben Recht auf Abkühlung

Die nächste Hitzewelle mit 37 Grad ist unterwegs nach Sachsen. Ein Wetter, auf das sich die Menschen einstellen sollten.

Hier werden Träume eines jeden Arbeitnehmers wahr: Wenn die Hitze mit über 37° C durch aufgeheizte Büros wabert, wäre ein Platz im Wasser ideal.
Hier werden Träume eines jeden Arbeitnehmers wahr: Wenn die Hitze mit über 37° C durch aufgeheizte Büros wabert, wäre ein Platz im Wasser ideal. © A. Hübschmann

Landkreis. Vergangene Woche ging Mallorca in die Offensive. Deutschlands 17. Bundesland grüßte im Internet mit wolkenverhangenem Himmel, aber einer unschlagbaren Botschaft: „Ihr in Deutschland habt zwar die Temperaturen, wir aber das Mittelmeer“. Eine wässrige Tatsache, welche die Adressaten momentan aber nicht so stören dürfte. Leichte Kleidchen, laue Nächte und Badespaß sorgen zurzeit für Urlaubsgefühle direkt vor der Haustür. Allerdings: Zumindest an den Wochentagen ist für Schulkinder und Arbeitnehmer vornehmlich schwitzen angesagt. Laut Hochrechnung der Meteorologen soll es nach dem Wochenende besonders heftig werden: Aus Nordafrika rollt die nächste Hitzewelle mit bis zu 37 Grad an. Die SZ sprach mit Amtsärztin Petra Albrecht, wie man die bevorstehende Zeit schadlos überstehen kann.

Frau Albrecht, Schüler und all jene, denen jetzt noch keine Ferien vergönnt sind, empfinden die hochsommerlichen Temperaturen eher als belastend. Was kann man tun, um sich das Leben in Schule und Büro zu erleichtern?

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Die heiße Luft bleibt draußen, wenn rechtzeitig die Fenster und Vorhänge geschlossen beziehungsweise Jalousien, Rollos oder Rollläden heruntergelassen werden. Um Wärmequellen zu reduzieren, empfiehlt es sich, unnötige Beleuchtung und ungenutzte elektrische Geräte beziehungsweise Netzteile abzuschalten. Das spart gleichzeitig Energie. Mobile Klimageräte sind nicht zu empfehlen, denn sie verbrauchen 20- bis 50-mal mehr Strom als Ventilatoren und verbreiten schnell Keime aus dem Befeuchterwasser, wenn es nicht regelmäßig ausgetauscht wird. Um einen Hitzestau zu vermeiden, sollte am frühen Morgen, spätabends oder nachts gelüftet werden. Quer- oder Stoßlüften sorgen am ehesten für Abkühlung und vertreiben die Feuchte. Das Wichtigste in diesen heißen Tagen ist aber natürlich, viel zu trinken. Und zwar nicht nur, wie für normale Temperaturen empfohlen, anderthalb bis zwei Liter, sondern, sofern keine gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen, lieber drei Liter. Der ideale Durstlöscher ist dabei Leitungswasser. Da der Körper durch das Schwitzen an den heißen Tagen auch Mineralstoffe verliert, sollte man zwischendurch auch mineralhaltige Getränke wie Saftschorlen, Tees, Suppen oder Brühen trinken. Ungünstig auf den Stoffwechsel wirken sich dagegen zuckerhaltige Getränke aus. Deshalb lieber den Saft mit Wasser mischen. 

Petra Albrecht, Amtsärztin des Landkreises, hat einige Tipps, um die heißen Tage gesund zu überstehen. 
Petra Albrecht, Amtsärztin des Landkreises, hat einige Tipps, um die heißen Tage gesund zu überstehen.  © lra

Neben der ausreichenden Flüssigkeitszufuhr setzen die hitzeerprobten Südländer auf leichte Kost. Ein auch hierzulande sicher probates Mittel, oder?

Natürlich, auf jeden Fall! Optimal bei Hitze sind dabei mehrere kleine und leichte Mahlzeiten, die man über den Tag verteilt zu sich nimmt. Hierfür eignen sich beispielsweise Gemüsepfannen, Salate oder auch einfach mal ein Stückchen Obst für zwischendurch. Besonders empfehlenswert sind wasserreiche Früchte. Gurken, Tomaten und Zucchini bieten sich genauso an wie Pfirsiche oder Erdbeeren. Schwer bekömmliche und auch weniger nachhaltige Speisen wie Wurstplatten oder eine deftige Schweinshaxe sollte man – so schwer es auch fallen mag – besser vermeiden.

Wie warm dürfen die Räumlichkeiten sein, damit der Kreislauf während des Lernens oder der Arbeit nicht die Rote Karte zeigt?

Das ist tatsächlich kein unwesentlicher Punkt! Hitzefrei kennt man ja vielleicht noch aus der eigenen Schulzeit. Aber auch im Büro gibt es einen Punkt, an dem Hitze als unzumutbar eingestuft wird. Denn auch erwachsene Arbeitnehmer müssen sich nicht jede Temperatur gefallen lassen. Der Gesetzgeber hat im Jahr 2011 sogenannte Temperaturschwellen festgelegt, an denen Chefs aktiv werden müssen. Zwar gibt es nach wie vor keinen rechtlichen Anspruch auf ein klimatisiertes Büro. Aber laut Arbeitsstättenregel müssen Arbeitgeber ihren schwitzenden Mitarbeitern ab einer Raumtemperatur von 26 Grad Linderung verschaffen. Einen Pool oder ein fest installierter Eiswagen sind sicher nicht damit gemeint, aber eben die bereits erwähnten Sonnenschutzsysteme wie Jalousien oder Markisen. Und privat gilt die Beachtung dieser Temperaturgrenze natürlich auch! Besonders, wenn noch ganz kleine Kinder im Haushalt leben.

Wir leben nun nicht in Spanien oder Italien, wo der Tagesablauf an die Hitze angepasst ist. Mit welchen Empfehlungen können wir uns durch die heißen Stunden retten?

Das Beste ist natürlich tatsächlich, den Tagesablauf an die Temperaturen anzupassen. Das bedeutet also praktisch, kräftezehrende Aktivitäten in die Morgen- oder kühleren Abendstunden zu verlegen. Ansonsten darf sich ruhig auf die Ratschläge von einst besonnen werden: kühles Wasser über die Handgelenke laufen lassen, eine feuchtkühle Kompresse auf die Stirn oder den Nacken aufzulegen beziehungsweise ein Thermalwasserspray auf das Gesicht und die Arme aufzutragen.

Vielen Leuten ist es aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit gar nicht möglich, sich ausschließlich in kühlen Räumen aufzuhalten. Wie können sie sich vor der Sonnenstrahlung schützen?

Lichte und nicht einengende Baumwollkleidung in hellen Farben ist ideal. Ein Ratschlag, über den der Straßenbauarbeiter freilich lachen wird. Mir ist klar, hier gilt immer, wer es kann. Ein angemessener UV-Schutz sollte aber machbar sein. Also eine Sonnenbrille, Sonnencreme für alle nichtbedeckten Hautstellen und einen breitkrempigen Sonnenhut mit Nackenschutz.

Schließen sich körperliche Belastung, Sport und die drohenden 36 Grad generell aus?

Angesichts solcher hoher Temperaturen sollte wirklich auf körperliche Anstrengungen verzichtet werden. Das gilt besonders für die heißen Mittagsstunden. Wer Sport treiben will, tut das am besten nur morgens oder zur Not auch abends, wenn es etwas kühler ist. Wer dies nicht berücksichtigen kann und während der Hitze körperlich arbeiten muss, sollte dafür umso mehr trinken. Optimal sind ein halber bis ein Liter pro Stunde.

Die wenigsten Landkreisbewohner werden eine Klimaanlage in den eigenen vier Wänden installiert haben. Wie kann ihnen trotzdem zu erholsamem Nachtschlaf verholfen werden?

Ich finde, man sollte trotz aller damit einhergehenden Belastungen das Beste aus solchen Sommertagen machen. Nach der Schule oder Arbeit Baden gehen, kalt duschen, und wenn möglich im Garten oder auf dem Balkon schlafen.

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