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Mitfliegen ist wieder erlaubt

Auf den Großenhainer Flugplatz ist normales Leben zurückgekehrt. Hobbyflieger treffen wieder auf Fluggäste und -schüler. Zwischenzeitlich entstand Erstaunliches.

Jörg Kroschel ist gerade mit seiner Flieger gelandet.
Jörg Kroschel ist gerade mit seiner Flieger gelandet. © Kristin Richter

Großenhain. Die Anzeigetafel im Tower auf dem Flugplatz lässt keinen Zweifel: Hier starten und landen derzeit täglich mehrere Maschinen. Die Flugschulen Born2fly und Flieger August gehen in die Luft. Hobbyflieger sind für den Start registriert, und sogar die Segel- und Gleitschirmflieger haben ihren Betrieb nach der Corona-Zwangspause wieder aufgenommen. 

Bernd Fiedler, der Chef im Tower, der Mann, der alles steuert, musste jedoch auch während der strikten Beschränkungen nicht ins Homeoffice. "Der Verkehrslandeplatz war immer offen. Die Hobbyflieger konnten auch allein oder mit einem Angehörigen starten", heißt es. Bis zum 21. Mai gab es 41 Starts. "Allerdings ist der Flugbetrieb im Lockdown um zwei Drittel im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen", so Fiedler. 

Charlotte Meentzen
Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint
Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Auf dem Flugplatz-Tower wird die Kamera für ihren Einsatz fit gemacht
Auf dem Flugplatz-Tower wird die Kamera für ihren Einsatz fit gemacht © Kristin Richter

Nun ist er wieder öffentlich. Und die ersten Gäste lassen auch nicht lange auf sich warten. Dr. Cremers aus Dresden ist mit seiner Tochter auf dem Weg zum Tower. Zum 70. Geburtstag hat der Senior einen Rundflug geschenkt bekommen. Jetzt freut er sich und ist aufgeregt, wie er sich wohl da oben fühlen wird.

Auch Dr. Ronald Heynowski, Referent im Landesamt für Archäologie, steigt zu einem Piloten von "Born2fly" in die Maschine. Die Archäologie Sachsen arbeitet schon seit mehr als zehn Jahren mit Jan Meißner und seiner Flugschule zusammen. Diesmal geht es in die Oberlausitz Richtung Bautzen. Während des etwa zweieinhalbstündigen Fluges werden zahlreiche archäologisch relevante Stellen fotografiert. "Das Landesamt wird bis zur Getreideernte etwa einmal pro Woche zu einem Rundflug starten", informiert Dr. Heynowski. Mit der Ernte ende die Sichtbarkeit der für die Archäologie wichtigen Bodenstrukturen in dieser Saison.

Fast wie auf den Großflughäfen.
Fast wie auf den Großflughäfen. © Kristin Richter

Ganz privat ist Jörg Kroschel gestartet und auch wieder gut in Großenhain gelandet. Einem Studienfreund hat der Dresdner diesmal Dresden und die Sächsische Schweiz von oben gezeigt. "Ein schöner Flug", ist der Süddeutsche begeistert. Jörg Kroschel lehrt als Professor an der Hochschule Zittau/Görlitz. Der Privatflieger hat den Großenhainer Flugplatz in seinen Roman "Wellcome to hell" eingebunden. "Über Pfingsten fliege ich mit meiner Frau ins Ruhrgebiet", erzählt er freimütig. Drei Stunden dauere der Flug. Schneller als mit Bahn oder Auto. Nur das Wetter muss mitspielen. 

Das hat an diesem verlängerten Wochenende nach Himmelfahrt den Gleitschirmfliegern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Gleitschirmschule Paradopia aus Dresden wollte Schnuppertage für Neuinteressenten durchführen. Doch witterungsbedingt mussten sie abgesagt werden. Über Pfingsten wollen die Paraglider um Ausbildungsleiter und Fluglehrer Gunter Mühle erneut Anlauf nehmen. "Zu Himmelfahrt  konnten sie leider auch nicht fliegen, da war ihre Seilwinde kaputt", weiß Karl-Heinz Lohse. 

Jens Pfützner zeigt in der Halle von Ronald Größner ein historisches Flugzeug.
Jens Pfützner zeigt in der Halle von Ronald Größner ein historisches Flugzeug. © Kristin Richter

Der Riesaer gehört zu den Segelfliegern. Obwohl auf dem Flugplatz Riesa-Göhlis ansässig, nutzen die Freunde der Lüfte auch in Großenhain eine Flugzeughalle. "Den ganzen Winter haben wir unsere Maschinen geputzt und die Technik verbessert", sagt Lohse. Seit April werde wieder geflogen. Auch in der Woche - wenn das Wetter passt. Denn die Segelflieger sind auf gute Thermik angewiesen. Mehrere Freizeitsportler teilen sich ein Flugzeug, das hier in Großenhain einen eigenen Starter hat und nicht extra geschleppt werden muss. Fünf Großenhainer sind laut Karl-Heinz Lohse in dem 40 Mann starken Riesaer Verein. Der Großenhainer Segelflugclub ist vor Jahren darin aufgegangen. 

Thomas Seidel und Ralf Kruse vom Fliegerservice August der Starke bzw. der Flugschule August erreichen wir telefonisch in Dresden. "Die Flugausbildung läuft wieder in Großenhain, aber Rundflüge lohnen sich noch nicht", sagt Thomas Seidel. Zwei Passagiere dürfen derzeit nur befördert werden, drei Gästeplätze hat das Flugzeug der Dresdner Firma. Die gewerblichen Flieger hoffen auf die weitere angekündigte Lockerung ab 6. Juni. Doch zu Pfingsten könnten sich auch schon Gäste in Dresden oder Großenhain für einen Aero-Trip melden.   

Diese Antonov der Hanseflug GmbH steht zum Verkauf.
Diese Antonov der Hanseflug GmbH steht zum Verkauf. © Kristin Richter

Auf dem abgesperrten Flugplatz-Bereich treffen wir Wolfgang Bothur von der Betreibergesellschaft. Der Unternehmer startet gerade sein neues Quad, um zu seinen Flächen in der Nähe zu fahren. Bothur freut sich, dass nun wieder mehr Leben auf dem Platz ist. 

In der benachbarten Halle von Ronald Größner ist es allerdings recht still. Die größte Flugzeughalle des ehemaligen Fliegerhorstes dient hauptsächlich als Abstellfläche. Hier sind neben kleinen und großen Flugzeugen auch Wohnwagen, Boote und Pkw abgestellt. Jens Pfützner, ein Freund des Hallenbesitzers, repariert gerade etwas. Die über 3.700 Quadratmeter große Halle von 1935 - größer als die 2.000 Quadratmeter große Halle des Fliegenden Museums - kaufte Größner vor zehn Jahren kurz vor dem Tornado. Sie ist als Ausstellungshalle seines "Sächsischen Vereins für historisches Fluggerät" (SVhFG) gedacht. Zwei eigene kleine Flugzeuge stellt Größner hier unter.   

"Wenn du gehst - Licht aus"

Gewaltiger ist die große blaue Antonov AN2 der Hanseflug GmbH. Wie Jens Pfützner erzählt, soll sie für 135.000 Euro verkauft werden. Den Winter über stand sie hier und harrt nun eines Besitzerwechsels. Auch eine graue Antonow AN2 steht dem anderen Flugzeug in Sachen Größe nicht nach. An der Tür ist noch in russischer Sprache eingeritzt: "Wenn du gehst - Licht aus."

Das Fliegende Museum von Brigitte Koch hätte am Himmelfahrts-Wochenende sein erstes Fliegendes Wochenende in diesem Jahr angeboten. Daraus ist wegen Corona nichts geworden. Zwischen Mai und Oktober gab es in früheren Jahren sechs öffentliche Flugtage. Jetzt sind es nur noch drei. Im Plan stehen die nächsten für den 15. und 16. August. "Leider sind die Folgen der Ausbreitung des Corona-Virus tief in unsere fliegerische Gemeinschaft eingedrungen", wird auf der Vereins-Homepage mitgeteilt. 

Marc und Frank Sicker bei der Wartung einer der drei Flugplatzfeuerwehren.
Marc und Frank Sicker bei der Wartung einer der drei Flugplatzfeuerwehren. © Kristin Richter

Weder zu den zwölf Mitgliedern des Fliegervereins Großenhain noch zu einem anderen Verein gehört Frank Sicker. Der Stadtbauhof-Mitarbeiter betreut hier draußen die Flugplatzfeuerwehr. Drei Fahrzeuge mit Löschtanks stehen vor Ort. Doch wenn kein Einsatz ist, haben Frank Sicker und sein Sohn Marc noch eine andere Beschäftigung. 

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Dieses ehemalige amerikanische Trainingsflugzeug wurde aus Einzelteilen wieder zusammengebaut.
Dieses ehemalige amerikanische Trainingsflugzeug wurde aus Einzelteilen wieder zusammengebaut. © Kristin Richter

www.paradopia.de,

www.born-2-fly.de,

www.flieger-august.de

www.segelwiese-canitz.de,

www.svhfg.fluggeraet.de

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