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Döbeln

Mittelsachsen freiwillig in Corona-Isolation

Veranstaltungen abgesagt, keine Dienstreisen, 400 Anrufe täglich im Gesundheitsamt - dabei gibt es im Kreis noch keinen nachgewiesenen Corona-Fall.

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Symbolbild © dpa

Region Döbeln. Das Coronavirus beeinflusst das öffentliche Leben immer mehr, auch im Landkreis. Und das, obwohl sich bisher kein einziger Mittelsachsen nachweislich mit dem Virus infiziert hat. Trotzdem überlegen Schulleiter, auch Klassenfahrten im Inland abzusagen, steigen Firmen aus der Woche der offenen Unternehmen aus und werden Mitarbeiter ins HomeOffice geschickt.

Fast 30 Firmen sagen Woche der offenen Unternehmen ab

Am Montag begann in Mittelsachsen die Woche der offenen Unternehmen. Ursprünglich hatten sich über 280 Betriebe für die Veranstaltung angemeldet, bei der Schüler die Möglichkeit erhalten, an bestimmten Terminen die Unternehmen vor Ort zu besuchen und mit den Geschäftsführern ins Gespräch zu kommen. Bis Montag hatten 27 Firmen ihre Teilnahme abgesagt. 

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„Das bedauern wir, aber können den Schritt auch verstehen“, erklärte Jens Spreer von der mittelsächsischen Wirtschaftsförderung. Aus der Region Döbeln zogen sich unter anderem die Helios Klinik in Leisnig, zwei Kitas aus Döbeln, das Fachkrankenhaus Bethanien Hochweitzschen, die Bühler GmbH sowie die Xylem Analytics Meinsberg zurück. Für letztere hatten sich acht Teilnehmer für Montag und Dienstag angemeldet. 

„Wir gehören zu einem großen amerikanischen Konzern, der in der vergangenen Wochen Richtlinien zum Umgang mit dem Coronavirus herausgegeben hat“, sagt Betriebsstättenleiter Jens Köhler. Dies sei der Grund für die Absage der Meinsberger gewesen. 

Köhler betont, dass sich interessierte Schüler trotzdem für ein Praktikum bei ihm bewerben können. Als Alternative weist Kreissprecher André Kaiser auch auf die Ausbildungsmesse Schule macht Betrieb im September hin. Zudem hätten Firmen mit den Schülern auch individuelle Absprachen über einen Termin getroffen, so Kaiser weiter. 

Abgesagt habe die Sensortechnik neben der Teilnahme an der Veranstaltung der mittelsächsischen Wirtschaftsförderung auch sämtliche Dienstreisen ins Ausland. Selbst Treffen im Inland seien drastisch reduziert worden, so Köhler. Stattdessen werde auf Webkonferenzen zurückgegriffen. Mitarbeiter, denen es möglich ist, könnten im HomeOffice arbeiten. Im Unternehmen werde zudem täglich desinfiziert. Über eine Waldheimer Apotheke hätte die Sensortechnik einen Vorrat an Desinfektionsmitteln bezogen, sagt Köhler.

Bisher keine Klassenfahrt abgesagt, aber Besuch der Partnerschule

Das am Freitag ausgesprochene Verbot von Klassenfahrten nach Italien, China oder Südkorea sowie in die Risikogebiete trifft die Region Döbeln bisher nur am Rande. In den meisten Bildungseinrichtungen stehen zurzeit keine Auslandsreisen an. Am Gymnasium Hartha ist für Ende März eine Klassenfahrt nach Krakau geplant, informiert Schulleiterin Heike Geißler.

Ob diese stattfinden wird, werde zunächst mit den Lehrern sowie den Eltern der Schüler besprochen. Die Schule behalte die aktuellen Entwicklungen in Bezug auf das Coronavirus im Blick. Am Döbelner Lessing-Gymnasium ist der Besuch von Schülern der französischen Partnerschule, dem Collège Sacré-Coeur aus Evron, abgesagt worden, so Döbelns Schulleiter Michael Höhme. Entschieden worden sei dies vom französischen Kultusministerium. Klassenfahrten stünden erst gegen Ende des Schuljahres an. 

An der Schloßbergschule in Döbeln sind die Lehrer verunsichert. Zeitnah seien nach Angaben von Schulleiterin Dagmar Dettke Reisen im Inland, unter anderem nach Berlin, geplant. „Wir überlegen noch, ob wir diese durchführen“, so die Schulleiterin. Eine Handreichung zum Umgang mit Inlandsreisen gibt es für die Lehrer zurzeit nicht.

 Roman Schulz, Sprecher des Sächsischen Landesamtes für Schule und Bildung: „Die Schulen sollten generell mit Auslandsfahrten sehr vorsichtig sein. Sie sind grundsätzlich möglich, sollten aber kritisch geprüft werden. Für Deutschland gibt es aktuell Entwarnung, aber die Entwicklung verläuft sehr dynamisch und ist schwierig vorauszuahnen.“

Bis zu 400 Anrufe zum Coronavirus im Gesundheitsamt

Wie verunsichert die Mittelsachsen aufgrund des Coronavirus sind, zeige die hohe Zahl und die Art der Anfragen beim Gesundheitsamt. Bis zu 400 Anrufe täglich verzeichnen die Mitarbeiter dort zurzeit. „Viel dreht sich bei den Fragen darum, ob man sich testen lassen soll“, so Amtsärztin Annelie Jordan.

 Sie verweist hier auf die klaren Anweisungen des Robert-Koch-Institutes. Rückkehrer aus dem Risikogebiet ohne Symptome sollten zwei Wochen freiwillig zu Hause bleiben – in Absprache mit dem Arbeitgeber. Rückkehrer aus Risikogebieten mit Symptomen sollten sich bei ihrem Arzt telefonisch melden.

 Der Arzt entscheide dann das weitere Vorgehen: „Erst wenn der Abstrich positiv ist, erhält das Gesundheitsamt eine Meldung und wir ermitteln die Kontaktpersonen.“ Sie werden danach eingeordnet, wie intensiv der Kontakt war und dann wird entschieden, ob ein Abstrich notwendig wird. 

Nach wie vor keine Hinweise gibt es derzeit darauf, dass auch Haustiere sich mit dem Virus infizieren oder dies übertragen können. Aktuell befänden sich nach Angaben von Kreissprecher Kaiser einige Mittelsachsen freiwillig in häuslicher Isolation. „Meist in Absprache mit dem Arbeitgeber, teilweise durch uns empfohlen.“ 

Wie viele Personen dies betrifft, könne abschließend nicht gesagt werden. Inzwischen hätten sich auch einige Reiserückkehrer aus Italien und Südtirol beim Gesundheitsamt gemeldet.

Universitäten Freiberg und Mittweida sagen Dienstreisen nach China ab

Nächste Woche beginnt an der Hochschule Mittweida die neue Vorlesungszeit. Im Lauf der Woche sind daher vonseiten der Hochschule aktuelle Informationen zum Umgang mit dem Coronavirus geplant, so Helmut Hammer, Sprecher der Hochschule. „Uns sind aktuell keine Rückkehrenden von Dienstreisen aus diesen Gebieten bekannt“, informiert die Leitung der Hochschule auf der Internetseite. 

In den betroffenen chinesischen Provinzen gebe es keine Kooperationspartner und auch keine Studierenden. „Chinesische Studierende, die in ihrer Heimat geblieben sind, werden online betreut“, heißt es weiter. An der TU Bergakademie Freiberg beginnen die Vorlesungen erst am 6. April wieder. 

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Noch bis zum 20. März läuft die Prüfungsphase des zu Ende gehenden Wintersemesters 2019/20. An beiden Hochschulen wurden Dienstreisen nach China untersagt. Prüfungen, Lehr - sowie weitere Veranstaltungen seien bisher noch nicht abgesagt worden.

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